Veranstaltungen: Dokumentation

2.9.2003 | Von:
Claus Koch

Wird jeder Mensch sein eigener Biotechunternehmer?

Thesen zur Frage, ob künftig jeder Mensch sein eigener Biotechunternehmer wird stellt Claus Koch im Zusammenhang mit dem Kongress "Gute Gene, schlechte Gene" vor.

Der nächste ökonomische Großzyklus und die Konzentration des technischen Fortschritts treiben die reichen westlichen Gesellschaften auf eine neue Gestalt oder Formation zu: Die medikalisierte Gesellschaft. Nachfolgerin der heute noch "regierenden" IT-Kultur, die auf die Technologien der Telekommunikation gestützt ist und nun ihre Dynamik verliert, kündigt sich die medikalisierte Gesellschaft als Trägerin wie als Objekt des neuen sozio-ökonomischen Paradigmas an. Es ist ökonomisch wie sozial wie auch ideologisch auf die Biotechnologie gebaut. Die mit der Manipulation des Humangenoms entwickelten Therapie-Strategien können darin frühestens in einem Jahrzehnt eine größere Rolle spielen.

Voran steht ein tiefgreifender Wandel der medizinischen wie der sozialen Institutionen, ja des gesamten Sozialstaats. Wenn dieser mit seinen sozialen Versicherungen primär auf die not der Ungewissheit in der industriellen Gesellschaft baute, so tritt nun die hohe Gewissheit über den Verlauf der individuellen Lebensschicksale in den Vordergrund. Das bedeutet eine Umwälzung der Grundlagen der Kranken- und Rentenversicherung, denn die Solidaritäten müssen ganz anders geordnet und begründet werden. Der autonome Biotechunternehmer seiner selbst ist darin gerade nicht die leitende Figur. Wenn eine plausible Prognose besagt, dass in etwa 20 bis 30 Jahren, einer Generation, 80 Prozent aller ärztlichen Handlungen in Präventiv-Akten bestehen wird, dann besagt dies u.a.: Dem "mündigen Patienten" (bisher nur einer ideologisch-rhetorischen Figur), der selbstdiszipliniert und informiert sein biologisches Kapital verwalten kann, muss eine Institutionenordnung gegenüber stehen, die sein vernünftiges oder unvernünftiges Verhalten sanktionieren kann, ihm also zu besserer Kenntnis seines Körpers verhilft, zugleich aber auch den technischen Fortschritt fördern und mitlenken kann. Die medikalisierte Gesellschaft erfordert also eine Dauerreform von Staat und Markt.


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