Veranstaltungen: Dokumentation

30.6.2003 | Von:
Andreas Menn

Neugierig sein und auf eigene Faust loslegen

Ein Gespräch über Erwartungen sowie Ziele der Jugendmedientage und die Medienkrise

Neugierig sein und auf eigene Faust loslegen - Ein Gespräch mit Andreas Menn über Erwartungen sowie Ziele der Jugendmedientage und die Medienkrise.

bpb: Herr Menn, die Jugendmedientage standen unter dem Motto "Medien in der Krise – hier geht´s raus!" – Konnten die Teilnehmenden den Weg aus der Krise finden?

Menn: Ja, auch wenn diese Wege unterschiedlich waren. Zum einen hat die Veranstaltung die Leute motiviert. Viele sagen nun: "Ok, wenn ich mich engagiere, dann klappt es auch!". Ein Teilnehmer hat mir aber erzählt: "Ich dachte immer ich will Journalist werden - jetzt studiere ich doch lieber Jura!". Auch das ist eine Entscheidung. Die JMT haben Klarheit gebracht – genau das wollten wir erreichen.

bpb: Sie haben zahlreiche renommierte Journalistinnen und Journalisten für Diskussionen gewinnen können. Waren sie schwierig zu bekommen ?

Menn: Das war erstaunlicher Weise extrem leicht. 90 Prozent haben direkt zugesagt, das Interesse an den jungen Kolleginnen und Kollegen ist also groß. Reinhard Hesse, der Ghostwriter von Gerhard Schröder, kam beispielsweise aus London zu uns. Andere kamen aus München oder Berlin - Und das, obwohl wir keine Honorare bieten konnten.

bpb: Wer hat die Auswahl getroffen?

Menn: Das war Aufgabe der Projektleitung, also auch meine. Wir hätten gerne mehr Frauen dabei gehabt, aber es wurde wieder ersichtlich, dass in Führungspositionen immer noch Männer überwiegen. Zudem mussten zwei Referentinnen – Ingeborg Hilgert, Geschäftsführende Direktorin der Kölner Journalistenschule und Sonja Lahnstein-Kandel, Geschäftsführerin von Step21 – kurzfristig absagen.

bpb: Was haben die "alten Hasen" davon, bei solch einer Veranstaltung dabei zu sein?

Menn: Im Alltagsgeschäft des Journalismus wird vieles zur Routine. Junge Leute werfen interessante Fragen auf. Das ist auch für Profi-Journalisten eine Chance, über ihren Beruf zu reflektieren. Außerdem trifft man viele Kollegen, das macht ja auch Spaß.

bpb: Sie sind Chefredakteur eines Online-Magazins. In einer Diskussion hat sich eine junge Studentin beschwert, dass sie nicht mal einen Praktikumsplatz finden kann. Was raten Sie ihr?

Menn: Auf eigene Faust anzufangen - auch mit dem Risiko, ohne Ertrag zu arbeiten. Ein schöner Lebenslauf alleine hilft nicht. Ich habe auch mal eine Reportage geschrieben, ohne zu wissen für wen, konnte die Geschichte dann aber im NRW-Teil der Süddeutschen Zeitung unterbringen. Man muß sich selbst Referenzen schaffen. Wichtig sind Arbeitsproben und gute Kontakte.

bpb: Eine Diskussionsgruppe der Jugendmedientage kam zu dem Schluß, die Lösung des Problems heißt: "Neugierig sein, neugierig sein, neugierig sein und gute Schuhe für den steinigen Weg." Helfen solche Binsenweisheiten weiter?

Menn: In solchen Sprüchen steckt oft ein wahrer Kern. Neugierig sein bedeutet, aktiv sein, selbst auf die Dinge zugehen und nicht abwarten, bis etwas passiert. Natürlich haben junge Leute heute eine große Bringschuld: der Andrang ist groß, das Angebot ist klein. Aber auch hier gilt: In der Begrenzung zeigt sich der Meister.

bpb: Die Qualität mancher Schülerzeitungen ist wirklich schlecht – können sie trotzdem eine Referenz sein?

Menn: Es ist nicht die Frage, ob die Qualität bei einigen Schülerzeitungen gut oder schlecht ist. Natürlich sind viele Schülerzeitungen nicht auf höchstem journalistischem Niveau. Das liegt aber oft auch daran, dass ihnen die nötigen Mittel und das Selbstverständnis fehlen. Wenn Schülerzeitungen ernst genommen werden und sich professionelle Strukturen schaffen, können sie auch professionell arbeiten. Man muß aber genügend Enthusiasmus mitbringen.

bpb: Was sind die kommenden Projekte der Jugendpresse?

Menn: Das erfährt man am besten, wenn man auf der Internetseite der Jugendpresse bei den jeweiligen Landesverbänden nachschaut. Ein Highlight wird sicherlich die YouthMediaConvention im September: Auf einer Fähre von Kiel nach Oslo werden Politiker und Jugendliche aus ganz Europa über aktuelle Themen diskutieren.

bpb: Wie kann man Mitglied bei der Jugendpresse Deutschland werden?

Menn: Das ist ganz einfach: Man meldet sich bei seinem Landesverband und läßt sich Material zuschicken. Für einen Presseausweis muß man allerdings nachweisen, dass man regelmäßig publiziert.

bpb: Wie geht es Ihnen – brauchen Sie jetzt nach der Veranstaltung eine Pause?

Menn: Nein, ich bin immer motiviert. Die Jugendmedientage würde ich gerne noch mal organisieren. Aber jetzt muß ich mich erst mal um mein Nebenfach französische Romanistik kümmern – ich habe zwei Wochen an der Uni gefehlt, bin also im Verzug. Aber wenn ich mich mal ran setze, klappt auch das.

Interview: Susanne Sitzler


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