Veranstaltungen: Dokumentation

1.7.2003

Qualitätsjournalismus schafft Vertrauen

Die Eröffnungsdiskussion der Jugendmedientage 2003
drehte sich um Journalismus und seine Glaubwürdigkeit

Qualitätsjournalismus schafft Vertrauen - Die Eröffnungsdiskussion der Jugendmedientage 2003 drehte sich um Journalismus und seine Glaubwürdigkeit.

"Nichts ist verblüffender als die einfache Wahrheit, nichts ist exotischer als unsere Umwelt, nichts ist phantasievoller als die Sachlichkeit. Und nichts Sensationelleres gibt es in der Welt, als die Zeit, in der man lebt." Das schrieb Egon Erwin Kisch, der "rasende Reporter", 1924. Auch heute suchen Journalisten überall auf der Welt nach Sensationen – doch wieviel Inszenierung verträgt eine seriöse Berichterstattung?

Schnell fiel das Stichwort von den "embedded journalists" bei der Eröffnugsdiskussion der Jugendmedientage in Köln. Wie ist der Einsatz der Reporter einzuordnen, die während des Irak-Kriegs die Armee begleiteten? "Wir brauchen viele Journalisten an vielen Punkten, um der Wahrheit nahe zu kommen", sagte Gabi Ludwig, stellvertretende Chefredakteurin der NRW-Landesprogramme beim WDR. Auch der "embedded journalist" sei ein Stein in diesem Mosaik und deshalb für die Kriegsberichterstattung wichtig gewesen. Lutz Feierabend, stellvertretender Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers, widersprach seiner Kollegin: "Nicht gerade gut getan" habe diese Praxis dem Ruf der Journalisten. Nur unabhängige Journalisten, die nicht auf "Propagandamaterial" angewiesen seien, könnten objektiv berichten.

Berthold Flöper, zuständig für das Journalistenprogramm in der Bundeszentrale für politische Bildung, lenkte den Fokus zurück auf den Journalismus in Deutschland. Er erinnerte an den "Fall Sebnitz" und an das Geiseldrama in Gladbeck – zwei Beispiele für das Versagen des Journalismus in unserem Land. Fehler seien passiert, aber man habe daraus gelernt.

Die gründliche Recherche der Journalisten ist bei der Berichterstattung zu den Ereignissen im ostdeutschen Sebnitz ausgeblieben und hatte den "Fall" um einen angeblichen Mord an einem kleinen Jungen zum Skandal gemacht. Gottlob Schober, Redakteur bei "Report Mainz" bemerkte, dass nur noch ein Drittel aller Beiträge auf eigene Recherchearbeit der Reporter zurückgehe. In seiner Redaktion sei das nicht so. Trotzdem laute der allgemeine Trend: "Recherche ist nicht mehr sexy!." Zu aufwändig sei sie für die meisten Kolleginnen und Kollegen, dabei bilde sie "das Wesen des Journlismus".

Feierabend wehrte sich gegen diese Verallgemeinerung: "Warum werden alle Medien in einen Topf geworfen?" fragte er. Die unterschiedlichen Produktionsbedingungen gelte es stets zu berücksichtigen. Auch seine Redaktion nahm er vor Schobers Statement in Schutz: Man habe nicht umsonst für die Berichterstattung über den Kölner Müllskandal den Wächterpreis erhalten. Die Recherche sei oft "kniffelig" gewesen, die ganze Story wurde von den Redakteuren in eigener Arbeit aufgedeckt. "Wir sind glaubwürdig!", so Feierabend.

Ludwig fügte hinzu, dass man sich gerade in der lokalen Berichterstattung keine Patzer leisten könne: "Jeder falsch ausgesprochene Straßenname ist ein Minus", sagte sie. "Wir brauchen unsere Glaubwürdigkeit und müssen sie uns jeden Tag neu erarbeiten."

Das gilt auch für die rund 1500 Lokalredaktionen in Deutschland. Trotz Medienkrise – noch nie sei eine solch engagierte Qualitätsdebatte geführt worden wie zur Zeit. Darin waren sich die Diskutanten einig.

Susanne Sitzler


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