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Veranstaltungen: Dokumentation

18.11.2002

Zusammenfassung der Podiumsdiskussion

An der Podiumsdiskussion nahmen Vertreter von Bildungsinstitutionen und weitere Experten teil. Hierzu gehörten: Moderatorin Dr. Helga Theunert, Joachim Westhoff vom Bonner Generalanzeiger, Stephanie Daniel als Vertreterin der Bundesschülerinnen und -schüler und Renate Hendricks (Bundeselternrat).

Dr. Helga Theunert,
Moderation (Interpretation der bisherigen Ergebnisse und Einleitung der Diskussion)
  • Es existiert ein Gewaltpotenzial, dass jedoch nicht dramatisiert werden sollte, da es sich um ein konstantes Phänomen handelt.
  • Hinsichtlich der dargestellten Präventionsansätze ist zu berücksichtigen, dass der Schule bei solchen Aufgaben in Schottland ein höherer Stellenwert beigemessen wird, als in Deutschland. Für Präventionsarbeit in der Bundesrepublik ist die außerschulische Jugendarbeit von großer Bedeutung. Sie umfasst als Zielgruppe sowohl deutsche Kinder als auch Migrations-Kinder.
  • Der Präventionsbegriff ist sehr weit gefaßt. Es bedarf eines Erziehungsprogrammes, an das Präventionsprogramme anknüpfen können. Die Ausbildung in diesem Bereich sollte sowohl den Perspektivwechsel umfassen (Sichtweise von Kindern und Jugendlichen kennen und verstehen), als auch praktische Hilfestellung für Kinder und Eltern enthalten.
  • Im Zusammenhang mit dem Anlaß der Tagung ist die wichtige Rolle der Medien zu berücksichtigen, die einen zentralen Erfahrungsraum für Kinder und Jugendliche darstellen.

Joachim Westhoff,
Generalanzeiger Bonn
  • Der Anspruch an die Medien ist, dass sie sich sachkundig machen, bevor berichtet wird. Es gab im Zusammenhang mit der Tat von Erfurt Berichte über Belästigungen von Schülern durch Journalisten. Solche Entgleisungen bilden jedoch die Ausnahme.
  • Medien provozieren keine Gewalt, sie haben keinen "bösen Willen", zur Gewalt aufzuputschen. Darüber hinaus muss zwischen Bild- und Printmedien differenziert werden, da die Annahme, Medien bewirkten Gewalt, sich in der Regel auf Bildmedien bezieht.
  • Verbote einzelner Medien bzw. Programme bewirken wenig, da es immer verschiedene Zugangswege gibt, die nicht kontrollierbar sind.

Stephanie Daniel,
Vertretung der Bundesschülerinnen und -schüler
  • Eine Änderung des Lehrer-Schüler-Verhältnisses ist gefordert, Schule muss als Lebensraum betrachtet werden. Die Schule als "Hochsicherheitstrakt" zu betrachten, geht am Kernproblem vorbei.
  • In der Lehrerausbildung sollten Konfliktinterventions-Konzepte vermittelt werden. Das Engagement von SchülerInnen, z. B. im Rahmen des Modells "Konflikt-Lotsen", sollte von Eltern und Lehrern nicht belächelt, sondern aktiv unterstützt werden.

Renate Hendricks,
Bundeselternrat
  • Die Leistung von Eltern wird in der Regel nicht anerkannt. Allein die finanziellen Beträge, die Eltern im Rahmen der Nachhilfe leisten, nähern sich den Gesamtkosten des Schulsystems.
  • Ein Paradigmen- und Bewußtseinswechsel ist erforderlich: auch die beruflichen Kompetenzen der Eltern sind einzubinden, die administrative Trennung von Schule und Jugendhilfe ist aufzuheben, die Arbeitszeitstruktur der Lehrerinnen und Lehrer ist zu verändern.
  • Idealerweise sollten Jugend- und Gesundheitsamt sowie Schulpsychologischer Dienst schulnahe verortet sein, Lehrer sollten Eltern aktiv aufsuchen und Eltern die Möglichkeit haben, in der Schule ein- und auszugehen.

Statements aus dem Publikum
  • Eltern sollten Lehrern offener gegenübertreten und nicht Schulabschlüsse für ihre Kinder fordern, ohne sich für deren Lernstand zu interessieren.
  • Lehrer sind durchaus an gemeinsamer Arbeit interessiert und hätten gerne mehr Zeit dafür. Es fehlt an Lehrpersonal.
  • Zu diskutieren ist der Stellenwert, den Bildung als öffentliche Aufgabe gegenüber Projekten wie Transrapid oder Fußballstadien hat.
  • Im Etat des Familienministeriums sind 1% der Mittel für Prävention angesetzt. Milliardenprojekte werden eher bewilligt als kleine Programme.
  • Das Gewaltproblem betrifft nicht nur Randgruppen. Eine Untersuchung rechtsextremistischer Seiten im Internet zeigt, daß alle Bildungsschichten dort vertreten sind.
  • Medienberichte, Skandale führen zu kurzfristen Reaktionen, z.B. zu Sofortprogrammen. Es bedarf jedoch kontinuierlicher Arbeit.

Dr. Helga Theunert,
Abschluss-Statement

  1. Gewaltfreiheit muss etwas wert sein.
    Es stellt sich die Frage nach
    • dem Recht zu kriegerischen Aktionen,
    • dem Recht, Leistungsdruck bei Grundschülern zu erzeugen, der Leiden nach sich zieht,
    • dem Recht der Medien, in bestimmter Weise mit dem Leid von Betroffenen umzugehen.
  2. Es muss ein gesellschaftlicher Grundkonsens bestehen, der Gewalthandlungen ablehnt.
    Dazu gehört auch
    • die Stärkung der sozialen Kompetenzen der jungen Generation,
    • die Bereitschaft von Eltern, professionellen Erziehern und Lehrern, an einem Strang zu ziehen,
    • eine freiwillige und ungegängelte außerschulische Bildungsarbeit, die Medien als Alltagsbestandteil von Kindern und Jugendlichen mit einbezieht.
  3. Inhaltliche Gewaltprävention heißt, eine Streitkultur zu entwickeln, in der Widersprüche ausgehalten und ausgehandelt werden können.
  4. Die Sichtweise von Kindern und Jugendlichen, auch auf Gewalt, muss stärker berücksichtigt werden.
  5. Erziehungsziel muss soziale Kompetenz sein. Dabei kommt auch dem spezifischen Thema der Geschlechterrollen besondere Bedeutung zu.


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