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Veranstaltungen: Dokumentation

31.10.2002 | Von:
Milena Mushak

Zur Einführung

Milena Mushak - Zur Einführung.

Die Terrorangriffe auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington haben weltweit Entsetzen und Trauer ausgelöst. Tausende von Menschen verloren ihr Leben. Unabsehbar sind die politischen und sozioökonomischen Folgen, ganz abgesehen von dem auf viele Milliarden Dollar zu beziffernden Sachschaden. Neben Entsetzen und Trauer um die Opfer traten aber auch Unverständnis, Ratlosigkeit und Angst. Welches waren die Ziele und Motive der Attentäter? Würden sie weitere Angriffe auf die westliche "zivilisierte" Welt planen und durchführen? Wie sind wir in Deutschland auf kriminelle Aktionen dieser Größenordnung vorbereitet? Auf Grundlage dieser Fragen entstand das unmittelbare Verlangen, sich mit den verschiedenen Aspekten des internationalen Terrorismus auseinanderzusetzen – einer Gefahr, von der man bislang kaum etwas geahnt hatte und die über Nacht eine so bedrohliche Präsenz für die Ordnung und Grundlagen unseres Zusammenlebens gewonnen hatte.

In den Tagen nach dem 11. September kam uns die Idee, auf den entstandenen und überall zu beobachtenden Gesprächsbedarf mit einer von Experten geführten Informations- und Diskussionsreihe zu reagieren, die wir bundesweit für Unternehmen, Schulen, Bundeswehr, Bundesgrenzschutz, Polizei, Bildungseinrichtungen und andere interessierte Institutionen anbieten wollten. Sie sollte so konzipiert sein, dass sie sich dem Thema Terrorismus aus drei unterschiedlichen Perspektiven nähert:

  1. Themenkomplex: Blick auf die Ereignisse
    Hier werden Hintergrundinformationen zum mutmaßlichen Attentäter Osama bin Laden und seiner Organisation al-Qaida vermittelt und Einblick in die komplexen Strukturen geheimer Terrornetzwerke gegeben


  2. Themenkomplex: Blick auf die Täter
    Hier werden Täterbiographien untersucht und die verschiedenen Entwicklungsstufen einer terroristischen Karriere vorgestellt


  3. Themenkomplex: Blick auf die Opfer
    Hier wird der Frage nachgegangen, wie eigene Ängste bearbeitet werden können und was für die Opfer, ihre Angehörigen und die Einsatzkräfte getan werden kann, die bisweilen noch Jahre nach einer Katastrophe an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden
Nachdem dieses Konzept entwickelt worden war, fragten wir bei den verschiedenen Landeszentralen für politische Bildung an, ob sie bereit seien, als Kooperationspartner in ein solches Projekt einzusteigen. Das Echo war überwältigend und überstieg unsere Erwartungen noch um ein Vielfaches. Nun galt es Sachverständige zu finden, die sich bereit erklärten, diese auf längere Zeit angelegte Veranstaltungsreihe mitzugestalten – ein Unterfangen, das sich angesichts des enormen Medieninteresses an diesem Thema zunächst als schwierig erwies. Nach zahlreichen Gesprächen konnten folgende Experten und Expertinnen für die Mitwirkung gewonnen werden (die Doppelbesetzung in einigen Themenbereichen ergibt sich aus der Notwendigkeit, eine größtmögliche Flexibilität in bezug auf Terminabsprachen zu gewährleisten):

  • Berndt Georg Thamm (Berlin), Publizist und Fachautor, Experte für den Komplex Terrorismus, Organisierte Kriminalität und Drogenhandel


  • Jürgen Roth (Frankfurt am Main), Publizist und Journalist, Experte für den Komplex Terrorismus und Organisierte Kriminalität


  • Prof. Dr. Lorenz Böllinger (Bremen), Strafrechtler und Diplom-Psychologe, Experte für den Komplex Täterbiografien / Lebenslaufanalysen von Terroristen


  • Dr. Jutta Helmerichs (Berlin), Diplom-Sozialwirtin, Leiterin der Einsatznachsorge beim ICE-Unglück in Eschede und Betreuerin deutscher Hinterbliebener nach den Terroranschlag in New York, Expertin für den Komplex Psychosoziale Nachsorge bei Großkatastrophe


  • Andreas Müller-Cyran (München), Theologe und Therapeut, Betreuer deutscher Angehöriger nach dem Terroranschlag in New York, Experte für den Komplex Psychosoziale Nachsorge bei Großkatastrophen


  • Kadriye Aydin (Darmstadt), Rechtsanwältin und Vorstandsmitglied des Interkulturellen Rates in Deutschland e.V. (wirkt nur im Rahmen von Schulveranstaltungen mit und beschäftigt sich mit der Rezeption der Lage aus muslimischer Sicht)
Die Erfahrungen, die wir nach über zwanzig durchgeführten Veranstaltungen gesammelt haben, bestätigten uns nachdrücklich die Wichtigkeit einer bürgernahen Vortragsreihe zur Bewältigung der kollektiven Erfahrung des Terrorismus. Die Nachfrage war immens und die Reaktionen überaus positiv. Es bestand und besteht weiterhin großer Informations- und Diskussionsbedarf.

Wir erkannten sehr früh, dass wir unsere Vortragsreihe je nach Zielgruppe unterschiedlich gestalten mussten. Man kommuniziert nicht immer und überall auf dieselbe Weise über gesellschaftspolitische und fachbezogene Aspekte des Themas. Wir sahen uns daher zu einigen konzeptionellen und organisatorischen Korrekturen veranlasst. Im Umgang mit Schülerinnen und Schülern hat sich beispielsweise schnell die Notwendigkeit gezeigt, das Mindestalter von 16 Jahren bei den Teilnehmenden nicht zu unterschreiten. Veranstaltungen mit jüngeren Schülern haben uns mit der Tatsache konfrontiert, dass Jugendliche sowohl durch die Dauer der Veranstaltung als auch durch die Komplexität des Themas überfordert werden. Das ist sehr bedauerlich, weil Schulformen wie Haupt- und Realschule durch dieses Kriterium häufig als potentielle Zielgruppe ausfallen mussten. Erkennbar wurde auch, dass für die erfolgreiche Durchführung einer Veranstaltung sowohl eine überschaubare Teilnehmerzahl (max. 100) als auch die Homogenität der Gruppe gewährleistet sein sollte. Allzu große Differenzen zwischen den Teilnehmern und Teilnehmerinnen (z.B. Alter, Berufsstand) führen dazu, dass die Experten in der anschließenden Diskussion mit dem Publikum nur sehr schwer spezifische Interessensschwerpunkte ausfindig machen und mit gebotenem Tiefgang darauf eingehen können.
Last but not least hat sich auch die Konzeption – pro Veranstaltung Sachverständige zu drei unterschiedlichen Themenkomplexen einzuladen – aus zeitlichen Gründen als nur schwer praktikabel erwiesen. In der Regel beansprucht vor allem der erste, breit angelegte Themenbereich, der eine allgemeine Einführung in den Terrorismus gibt, durch die anschließende Diskussion breiten Raum. Ein Vor- bzw. Nachmittag ist daher kaum ausreichend, um auch noch in zwei weitere Themengebiete einzusteigen. Wir sind aus diesem Grund dazu übergegangen, die Teilnehmer im Vorfeld zwei Themenkomplexe auswählen zu lassen. (..)

Die vorliegende Dokumentation versammelt die Vorträge aller Referenten und Referentinnen, die an der Veranstaltungsreihe nachhaltig mitgewirkt haben. Auf diese Weise soll allen, die an der Veranstaltung teilgenommen haben, die Möglichkeit eröffnet werden, zu Hause das eine oder andere noch einmal nachzulesen, die gesammelten Informationen zu vertiefen und vielleicht auch neue Zusammenhänge zu entdecken. Ferner sollen Literaturhinweise und eine kommentierte Linkliste zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema einladen, das uns, ob wir wollen oder nicht, wohl noch auf längere Sicht beschäftigen wird.


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