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Veranstaltungen: Dokumentation

31.10.2002 | Von:
Berndt Georg Thamm

Erscheinungsformen, Wurzeln und aktuelle Entwicklungslinien im Terrorismus

Berndt Georg Thamm über die Erscheinungsformen, Wurzeln und aktuelle Entwicklungslinien im Terrorismus

Einleitung

Allgemein kann Terrorismus definiert werden als die Androhung oder Anwendung von Gewalt durch substaatliche Akteure, als eine "Gewaltstrategie, die primär durch die Verbreitung von Furcht und Schrecken (...) das bestehende Herrschaftssystem auszuhöhlen und eine mehr oder weniger grundlegende politisch-gesellschaftliche Umwälzung herbeizuführen sucht".[1] Legt man Motivation und unterschiedliche Zielsetzungen der Gewaltgruppen zugrunde, können vier verschiedene Hauptgruppen unterschieden werden, zwischen denen es Überschneidungen geben kann.[2]

1. Sozialrevolutionärer Terrorismus

In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre im geistigen Umfeld der "Neuen Linken" entstanden. Die Gewaltakte sollten einer grundlegenden Umwälzung der Besitz- und Herrschaftsverhältnisse, vor allem in den hochindustrialisierten Ländern, den Weg bereiten. Beispiele: RAF, Bewegung 2. Juni (Deutschland), Rote Brigaden (Italien), Action directe (Frankreich)

2. Ethnisch-nationalistischer Terrorismus

Kampf eines Volkes mit dem Ziel vermehrter Autonomie oder mit dem der Gründung eines eigenen Staates unter Berufung auf "historisch gewachsene Besonderheiten". Zur Politik dieser Terrorismusform gehört die Tradition der Konfliktivität und der gewaltsamen Selbsthilfe. Beispiele: Basken (ETA), Korsen, Bretonen und Nordiren (IRA) in Europa, Kurden (PKK), Tschetschenen im Kaukasus.

3. Religiöser Terrorismus

Seit Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts hat vor allem der durch fundamentalistische Strömungen gespeiste religiöse Terrorismus von sich reden gemacht. Beispiele: radikale protestantische Sekten (Anschlag von Oklahoma, 1995), islamische Splittergruppen, die ihr Ziel darin sehen, einen globalen Gottesstaat (Staat und Religion als unauflösliche Einheit) unter der Führung der islamischen Geistlichkeit zu errichten.

Dem religiös motivierten Terrorismus ist auch der sogenannte "eschatologische Terrorismus" zuzurechnen. Die Aktivisten von Endzeit- und / oder Erlösersekten propagieren die Zerstörung der vermeintlich "bösen" Welt - auch mit Massenvernichtungsmitteln –, damit sie danach "gereinigt" (unter Vorherrschaft des "guten" Erlösers) wieder neu entstehen könne. Beispiel: Die japanische Aum-Sekte, die durch den Giftgasanschlag in der Untergrundbahn von Tokio 1995 zehn Menschen tötete

4. Vigilantistischer Terrorismus

Keine genuine Form des Terrorismus, sondern eine "Mischform" von "Terror" (von oben) und "Terrorismus" (von unten). Seine Gewaltaktionen zielen nicht auf Untergrabung, sondern auf Stärkung der staatlichen Autorität durch Provokation selbiger. Beispiele: Ku-Klux-Klan-Bewegungen (USA), paramilitärische Todesschwadronen (Lateinamerika).

Die jüngere, insbesondere US-amerikanische Terrorismus-Forschung macht seit den 1990er Jahren auf eine "Privatisierung" des Terrorismus aufmerksam, die sich in neuen Formen des Terrorismus (New Terrorism) widerspiegelt, wie z.B.

5. Symbiotischer Terrorismus

Der Begriff bezeichnet die hochgefährliche Verbindung von Mafiastrukturen und Terrorismus. Diese Kombination krimineller Professionalität mit terroristischer Gewaltbereitschaft ist bei der Auswahl der potentiellen Opfer grundsätzlich indifferent. Ziel dieses New Terrorism ist ganz allgemein "die terroristische Erpressung zum Ziel der Vorteilsgewinnung". Wichtigste Hauptform des symbiotischen Terrorismus ist der sogenannte Narco-Terrorismus.

Fußnoten

1.
Peter Waldmann: Terrorismus. In: Dieter Nohlen (Hg.), Kleines Lexikon der Politik, München: C.H. Beck, 2001, S. 514-518, hier: S. 514
2.
ebd.

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