Veranstaltungen: Dokumentation

25.7.2002 | Von:

Die Entwicklungsländer: Verlierer der Globalisierung - 8 Thesen

2. Zunahme von Armut und sozialer Polarisierung

Doch inzwischen ist der Lack an der schönen neuen Welt der Globalisierung ab. "Globalisierung und weltweite Ungleichheit hängen zusammen" stellt z.B. die Financial Times fest (dt. Ausg. Vom 25. 2. 2000). Auf der Grundlage von Weltbank-Studien (u.a. Milanovic 1999) wird darauf verwiesen, dass die Entwicklung des Gini-Koeffizienten (ein Indikator für soziale Polarisierung) zeigt, dass sich die Schere zwischen Nord und Süd immer weiter öffnet. Mit anderen Worten: die Reichen werden immer reicher, und die Armen immer ärmer. Der Human Development Report 2000 der UNDP bestätigt diesen Befund: während der Abstand zwischen Nord und Süd 1960 bei 1:30 lag, betrug er 1990 1:60, d.h. er hat sich in diesem Zeitraum glatt verdoppelt. Von 1990 bis 1997, in der Hochzeit der Globalisierung also, beschleunigte sich das Auseinanderdriften noch einmal von 1:60 auf 1:74.

Dem jüngsten Weltentwicklungsbericht er Weltbank zufolge nimmt die Armut nicht nur absolut, sondern auch prozentual Ende der neunziger Jahre in Lateinamerika, Südasien, Subsahara Afrika, Osteuropa und Zentralasien wieder zu, nachdem sie zwischenzeitlich gesunken war. Selbst wenn man die Armutsgrenze nur bei einem Drittel des Durchschnittseinkommens des jeweiligen Landes ansetzt (in der EU liegt sie bei 50%) leben in Lateinamerika 51,4%, in Subsahara Afrika 50,5% und in Südasien 40,2% der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Armut inmitten von Überfluss ist die größte Herausforderung für die Welt" schreibt James Wolfensohn, Chef der Weltbank, im Weltentwicklungsbericht 2000/201, der den bezeichnenden Titel "Attacking Poverty" trägt.

Die reichsten 200 Personen der Welt haben dem gegenüber ihr Nettovermögen zwischen 1994 und 1998 auf mehr als eine Billion Dollar verdoppelt, und das der drei reichsten Milliardäre übersteigt das zusammengerechnete BSP der Gruppe der ärmsten Länder, in denen 600 Mio. Menschen leben.

Wenn dann, wie 1998 in Südostasien, die Liberalisierung der Finanzmärkte zum Crash führt, sind es "die Arbeiter die [die] Kosten - in Form von hoher Arbeitslosigkeit und sinkenden Löhnen zu tragen hatten. Von den Arbeitern wurde verlangt, auf den Sermon von der 'Opferbereitschaft' zu hören, nachdem kurz vorher die gleichen Prediger verkündet hatten, dass Globalisierung und die Öffnung der Kapitalmärkte ihnen nie da gewesenes Wachstum bescheren würden." So das Urteil von Joseph Stiglitz, bis Februar 2000 Chefökonom der Weltbank. Ökonomisch besonders verwundbare Gruppen, wie Kinder, alte Menschen und Frauen, trifft es dabei am härtesten.

Die Ursachen dieser Entwicklung sind vielfältig. Neben endogenen, z.T. historisch tief verwurzelten Faktoren spielen jedoch die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle. Dies gilt umso mehr, je weiter ein Entwicklungsland in die globale Ökonomie integriert ist. Gerade die Globalisierung hat die Entwicklungsländer verwundbarer als je zuvor gegenüber externen Schocks gemacht. Finanzmärkte, Handel, Produktion, technologische Entwicklung - auf allen Gebieten sind die die Entwicklungsländer heute direkt den Auswirkungen der vom neoliberalen Leitbild geprägten Globalisierung ausgesetzt.


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