Veranstaltungen: Dokumentation

25.7.2002 | Von:

Die Entwicklungsländer: Verlierer der Globalisierung - 8 Thesen

4. Die internationale Finanzmärkte - Speerspitze der Globalisierung

Begonnen hat der aktuelle Globalisierungsschub - an sich ist die Internationalisierung ökonomischer Prozesses nicht Neues - in den siebziger Jahren, als das System von Bretton Woods (feste Wechselkurse mit dem Dollar als Leitwährung), das bis dahin die internationale Finanzbeziehungen reguliert hatte, von den USA aufgekündigt wurde.

Die Liberalisierung des Finanzsektors hat dazu geführt, dass sich die weltweiten Devisenumsätze von 70 Mrd. US-Dollar 1970 auf heute 1,5 Billionen US-Dollar börsentäglich erhöht haben (Jahresumsatz: 360 Billionen US-Dollar). Das ist ein Zuwachs um mehr als 2.000 Prozent. Von diesen 1,5 Billionen sind laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mehr als 80 Prozent Anlagen mit einer Laufzeit von sieben Tagen oder kürzer (sog. Round trip financial flows). Diese 80 Prozent haben also nichts mehr mit realwirtschaftlichen Aktivitäten, mit Handelsgeschäften und Investitionen zu tun, sondern haben sich völlig davon abgelöst. Die Masse und das Tempo der Transaktionen - per Mausklick können Millionenbeträge in dreistelliger Millionenhöhe rund um die Uhr transferiert werden - sind per se Instabilitätsfaktoren und erhöhen die Volatilität der Wechselkurse. Dies begünstigt den Aufbau von spekulativen Blasen und kann Krisen hervorrufen oder verstärken, wodurch vor allem Entwicklungsländer mit ihrer besonderen Vulnerabilität gegenüber externen Schocks gefährdet sind. Dabei beschränken sich die Auswirkungen nicht auf die unmittelbar betroffenen Krisenländer. In einem Dominoeffekt werden - auch dies eine "Nebenwirkung" der Globalisierung - werden auch andere Entwicklungsländer in die Krise hi-neingezogen. So war bei der Asienkrise die Rezession in Laos beispielsweise stärker als in Thailand, weil die laotischen Exporte zu 80% nach Thailand gehen. Als Folge der Asienkrise kam es in allen Entwicklungsländern zu einem Wachstumseinbruch.

Die zunehmende systemische Instabilität der Finanzmärkte führt immer häufiger und in immer kürzeren Abständen zu Crashs - 1994 Mexiko, Südostasien 1997/98, 1999 Brasilien und Russland, 2001 Türkei und Argentinien - durch die über Nacht ganze Volkswirtschaften und deren Entwick-lungsanstrengungen von Jahrzehnten ruiniert werden.

Aber auch ohne krisenhafte Entwicklung verursachen die liberalisierten Finanzmärkte Probleme für Entwicklungsländer:

  • die Volatilität der Wechselkurse führt zu ständigem Schwanken in den Schuldendienstzahlung und zu deren Unberechenbarkeit,
  • der Außenhandel ist ebenfalls von den unberechenbaren Kursschwankungen betroffen,
  • die Absicherung gegen das Wecheslkursrisken, z.B. durch Derivate, verteuert Importe und Exporte,
  • die Abhängigkeit von externer Finanzierung und das Drohpotential der Finanzmarktakteure, ihr Kapital jederzeit abziehen zu können, hat den Regierungen die Zins- und Wechselkurshoheit und andere makroökonomische Steuerungsinstrumente de facto aus der Hand genommen. "Als Resultat der erweiterten Exit-Option, die das Kapital genießt" stellt der Chefökonom der UNCTAD fest, "ist die Politik der Regierungen jetzt zur Geisel der Finanzmärkte geworden (s. auch These 7).


Angesichts der wachsenden Risiken, die aus den liberalisierten Finanzmärkten erwachsen, mehren sich auch im Mainstream die Stimmen, die die sinkende Akzeptanz des herrschenden Modells registrieren und für Reformen eintreten. So plädiert z.B. Weltbankchef Wolfensohn dafür, "dass die internationale Finanzarchitektur die gegenseitige Abhängigkeit zwischen dem Makroökonomischen und Finanziellen einerseits und den strukturellen und sozialen menschlichen Problemen andererseits widerspiegeln muss." Bisher ist dies nicht der Fall.


Event series

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Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond. Current events include conferences, summer schools and practical workshops.

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