Veranstaltungen: Dokumentation

25.7.2002 | Von:

Die Entwicklungsländer: Verlierer der Globalisierung - 8 Thesen

5. Welthandel

Offene Finanzmärkte und Internationalisierung der Produktion haben natürlich auch Rückwirkungen auf den internationalen Handel. Der Welthandel hat daher in den 90er Jahren einen besonders starken Wachstumsschub erlebt.

Starke Impulse gingen auch von der Etablierung der Welthandelsorganisation, WTO, aus, die sich die kontinuierliche Liberalisierung des Handels auf die Fahne geschrieben hat. Mit der WTO kam auch der Handel mit Dienstleistungen und geistigem Eigentum, Patenten, Markenzeichen etc. unter das Regime der Freihandelsdoktrin. Bei den Dienstleistungen sind vor allem zukunftsträchtige Branchen wie Telekommunikation, Finanzdienstleistungen, Multimediaprodukte - der zweitgrößte Posten der US-Exporte sind heute Erzeugnisse der Hollywood- und Popkultur - aber auch Luftverkehr und Ferntourismus von Bedeutung. Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Information und technologischem Wissen bekommt der Handel mit geistigem Eigentum eine noch größere Bedeutung, als er ohnehin schon hatte. Dies gilt vor allem für Schlüsseltechnologien wie Datenverarbeitung, Kommunikation und Gentechnik.

Für die meisten Entwicklungsländer hat die Liberalisierung des Welthandels jedoch nicht die erhofften Ergebnisse gebacht. Eine Weltbank-Untersuchung kommt anhand von 20 Länderstudien zu dem Schluss, "dass der Wechsel zu einem offeneren Außenhandelsregime das Einkommen der 40 Prozent ärmsten Bevölkerungsmitglieder drückt ... Die Kosten des Anpassungsprozesses werden demnach von den Armen getragen, und zwar unabhängig davon, wie lange der Prozess dauert."

Die Ursache, die zu solchen entwicklungspolitisch negativen Resultaten führen sind vielfältig. Vor allem dann, wenn ein Land nicht über geeignete Umverteilungsmechanismen verfügt, werden Wachstumsgewinne aus Handel entwicklungspolitisch nicht wirksam. Aber auch so triviale Zusammenhänge, wie dass mit dem Abbau von Zöllen den Regierungen Einnahmen entgehen, die dann im Staatshaushalt - und hier natürlich auch in de Etats für Bildung Gesundheit und Soziales -, fehlen, spielen eine Rolle.

Aber nicht nur innerhalb der Entwicklungsländer, sondern auch zwischen Nord und Süd sind die Gewinne aus der Liberalisierung des Welthandels ungleich verteilt. Einer der Hauptgründe für das Scheitern der WTO Konferenz in Seattle lag darin, dass die Entwicklungsländer nicht oder viel weniger als die Industrieländer vom Wachstum des Welthandels profitieren konnten. Auf dem Hintergrund dieser Erfahrung, nehmen die Entwicklungsländer im Vorfeld der neuen Ministerkonferenz der WTO im November 2001 in Katar deshalb eine äußerst harte Haltung ein, um ihre Interessen zu wahren.


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