Veranstaltungen: Dokumentation

25.7.2002 | Von:

Die Entwicklungsländer: Verlierer der Globalisierung - 8 Thesen

8. Chancen und Alternativen

Die gegenwärtige Form der Globalisierung wird als alternativloser, quasi naturhafter Prozess dargestellt, gegen den man sich ebenso wenig stemmen könne wie gegen das Wetter. Richtig daran ist, dass die Zunahme und die neuen Formen von Kommunikation und die kulturellen und ökonomischen Integrationsprozess irreversibel sind. Die Wirtschaftspolitik, die diesen Prozess dominiert, als alternativlos hinzustellen, ist jedoch pure Ideologie. Selbstverständlich gibt es Alternativen zu einer gnadenlosen Standortpolitik, nämlich internationale Kooperation. Selbstverständlich gibt es Alternativen zum internationalen "Race to the Bottom", der Anpassung der Standards nach unten, durch die Etablierung internationaler Umwelt- und Sozialstandards (wobei die Standards für Industrieländer höher angesetzt werden müssen). Natürlich gibt es Alternativen zum undemokratischen Einfluss der Finanzmärkte etwa durch die Einführung einer internationalen Devisenumsatzsteuer, die Schließung der Steuerparadiese und Offshore-Zentren und das Verbot spekulativer Derivate und Hedgefonds. Selbstverständlich können die Transnationalen Konzerne reguliert werden, vorneweg durch internationale Vereinbarungen über Besteuerung. Dass Global Players wie Daimler oder Siemens keine Unternehmenssteuern mehr an den deutschen Fiskus abführen ist kein Naturgesetz. Selbstverständlich können die Marktkräfte, die blind gegenüber Sozialem, Kultur und Umwelt sind, einer internationalen Regulierung unterworfen werden. Notwendig ist eine System demokratischer globaler Governance, ein Geflecht aus Verträgen und Institutionen, an dessen Etablierung auch die Zivilgesellschaft beteiligt wird.

So wie der Manchesterkapitalismus des 18. und 19. Jahrhunderts gezähmt und zivilisiert wurde - wenn auch nur durch langwierige soziale und politische Augeindersetzungen - so kann die Globalisierung der entfesselten Marktkräfte, die zu einem neuen, dieses Mal globalem Manchesterkapitalismus geführt hat, ebenfalls gezähmt und zivilisiert werden. Die sinkende Akzeptanz der neoliberalen Globalisierung - die großen Proteste sind dabei nur die Spitze des Eisberges - signalisiert das. Bekennende Liberale wie Ralf Dahrendorf oder George Soros warnen mittlerweile vor der "wilden und erbarmungslosen Globalisierung", die nur den Gesetzen der Konkurrenz folge und zur Gefährdung des sozialen Zusammenhalts führe.

Diese neue Situation eröffnet Chancen für die Entwicklungsländer. Gerechtigkeit und Solidarität, Demokratie und Schutz der Umwelt können im Zeitalter des Internet und globaler Kommunikation leichter als je zuvor globalisiert werden. Noch nie in der Menschheitsgeschichte hat es so viel Reichtum, Wissen und technologische Möglichkeiten auf der Erde gegeben wie heute. Sie müssen auf gerechte Weise umverteilt werden, dann ist für alle genug da.

Der Autor ist Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der Nichtregierungsorganisation Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung - WEED mit Sitz in Bonn und Berlin

Email des Autors:weed@weedbonn.org


Event series

Mapping Memories

Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond. Current events include conferences, summer schools and practical workshops.

Mehr lesen

Fachkonferenz

Konferenz zur Holocaustforschung

Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Sie entstehen aus einer Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Partnern aus der Wissenschaft.

Mehr lesen

TiT-Veranstaltungsreihe

Themenzeit im Themenraum

Themenzeiten: Kompakte Informationsmodule und anregende Diskussionen mit männl. und weibl. Experten zu Themen der politischen Bildung.

Mehr lesen

Veranstaltungsreihe

Checkpoint bpb – Die Montagsgespräche

Alle zwei Monate montags diskutiert der Checkpoint aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Forschung – anspruchsvoll, unterhaltsam und gerne auch kontrovers.

Mehr lesen

Veranstaltungsreihe

What's up, America? – Perspectives on the United States and Transatlantic Relations

Mehr als die Hälfte der Europäer steht TTIP positiv gegenüber – in Deutschland und zwei weiteren Ländern jedoch ist die Ablehnung innerhalb der Bevölkerung groß. Anhand dieses Fallbeispiels beschäftigt sich die Podiumsdiskussion mit der Frage, wieso wirtschaftliche Fragen auf beiden Seiten des Atlantiks und auch innereuropäisch auf so unterschiedliche Art und Weise diskutiert werden.

Mehr lesen

Blog zur Fachkonferenz

Medienkompetenz 2014

Zielsetzung der Fachkonferenz Medienkompetenz 2014 ist es, theoretische und praktische Konzepte angesichts aktueller digitaler Umbrüche und vor dem Hintergrund bestehender Modelle der Medienkompetenz zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

Mehr lesen