Gäste beim Bürgerfest des Bundespräsidenten im Park von Schloss Bellevue.

16.9.2014

Digitales Engagement

Chance oder Hype?

"Die Nutzung des Internets ist kein Selbstläufer. Auch hier müssen Seiten gepflegt und Auftritte in sozialen Netzwerken aktuell gehalten werden.", warnt Jens Fromm auf dem Podium. Wo und wie Digitales Engagement funktioniert war Thema am "Ort der Begegnung".

Digitales EngagementQuiz zum Thema Digitales Engagement am „Ort der Begegnung“. (© bpb, Daniel Roleff)

Die Ice-Bucket-Challenge hat es eindrucksvoll gezeigt: Nimm ein soziales Netzwerk (z.B. Facebook), lass die Menschen sich bei einer mehr oder weniger lustigen Aktion selber filmen (in diesem Fall: Eimer mit eiskaltem Wasser über den Kopf kippen) und rufe dazu auf, den Film sowie die Aufforderung zur Nachahmung möglichst breit zu streuen und eine Spende für eine gute Sache zu geben (10 Euro bzw. Dollar für die Bekämpfung der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose, ALS). Mehrere Prominente sowie Millionen anderer Menschen folgten weltweit diesem Aufruf und erhöhten das Spendenaufkommen der ALS-Organisationen teilweise um das Zwanzigfache. Unabhängig von der Kritik an einer solchen Art der Spendenkampagne hat diese Aktion bewiesen, wie die neuen Medien zumindest kurzzeitig über virale Kanäle Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken können.

Wie sich Internet und Social-Media in der Freiwilligenarbeit nutzen lassen und von welchen Projekten man lernen kann, war auch das Thema der dritten Gesprächsrunde am "Ort der Begegnung". Unter dem Titel "Digitales Engagement: Mit Bits & Bytes zur Best Practice" diskutierte Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen mit dem Leiter des Kompetenzzentrums Öffentliche IT, Jens Fromm, sowie mit Raúl Aguayo-Krauthausen, Gründer des Rollstuhlfahrerportals Wheelmap.org. Wheelmap ist eine Online-Karte zum Suchen, Finden und Markieren rollstuhlgerechter Orte. Weltweit kann jeder Orte recherchieren, eintragen und über ein Ampelsystem bewerten. "Ohne das Internet gäbe es unser Projekt nicht, und das gilt für viele andere Vorhaben auch", betonte Krauthausen zu Beginn des Gesprächs. Nur mit Hilfe der neuen Medien sei es möglich, mit wenigen Mitarbeitern ein solch großes Projekt auf die Beine zu stellen und zu pflegen. Dabei habe es sehr klein angefangen, so Krauthausen. "Wir hatten kein Geld, keine Programmierer, sondern nur eine Präsentation, die wir herumgezeigt haben." Mit dieser Idee habe er dann bei einem Wettbewerb einen Geldpreis gewonnen, mit dem er seinen ersten Programmierer bezahlen konnte. Mit Hilfe von vielen Menschen, die rollstuhlgerechte Orte eintrugen und bewerteten, wurde aus dem Ein-Mann-Projekt schnell ein weltweit beachtetes und prämiertes Internetportal, um das sich mittlerweile acht Mitarbeiter kümmern. Aktuell sind dort über 400.000 öffentlich zugängliche Orte erfasst und es werden täglich mehr.

Für Jens Fromm ist die Wheelmap ein perfektes Beispiel dafür, wie das Internet soziales Engagement überhaupt erst möglich macht oder zumindest unterstützen kann. Mit Hilfe der neuen Medien sei es Einzelnen ohne großen Aufwand möglich, auf sich und ihre Ideen aufmerksam zu machen und Mitstreiter zu finden. Fromm, dessen Institut gerade ein Strategiepapier zu digitalem Engagement veröffentlicht hat (Download hier: http://www.oeffentliche-it.de/publikationen), definierte vier Bausteine, um digitales Engagement zusammen zu fassen:
  1. Information (Webseite, Blog)
  2. Vernetzung (soziale Netzwerke)
  3. Vermittlung und Assistenz (Wissensbörse)
  4. Digitale Mitarbeit (Bsp: Wikipedia, Wheelmap.org)
Fromm betonte, dass heute viele Menschen ihr Engagement nicht mehr nur langfristig anlegen möchten (z.B. Freiwillige Feuerwehr), sondern kurzfristig einzelne Aktionen unterstützen wollen. Die Informationstechnologie eröffne hier viele neue Möglichkeiten, auch wenn man die Feuerwehr in Zukunft weiterhin brauche, wie Eckart von Hirschhausen hervorhob. Die Nutzung des Internets sei aber kein Selbstläufer, warnte Fromm. Auch hier müssten Seiten gepflegt und Auftritte in sozialen Netzwerken aktuell gehalten werden. "Drei Freunde bei Facebook bringen einen auch nicht weiter", so Fromm.

Raul Krauthausen erinnerte daran, dass auch zum Betrieb solcher Plattformen Geld nötig sei. Hier vermisst er die Unterstützung der öffentlichen Hand und anderer Förderer wie beispielsweise große Unternehmen. "Es ist leichter, 100.000 Euro für eine Sache zu bekommen, als 5.000", schilderte Krauthausen seine Erfahrungen beim Fundraising. Allgemein sei die Unterstützung von Start-ups im sozialen Bereich noch verbesserungswürdig. Aber auch hier biete das Internet wieder alternative Möglichkeiten. Über sogenannte Crowdfunding-Plattformen wie Betterplace, Kickstarter und vielen anderen lassen sich zum Teil große Summen für soziale Projekte sammeln.

Für diejenigen, die direkt spenden und mit ihrer Hilfe dafür sorgen möchten, dass die nicht rollstuhlgerechten Zugänge weniger werden, hat Krauthausens Verein Sozialhelden die Aktion Tausendundeine Rampe für Deutschland ins Leben gerufen. Für jeweils 100 Euro Spendeneinsatz wird eine mobile Rampe angeschafft, die den Zugang zu Gebäuden für Rollstuhlfahrer in vielen Fällen erst möglich macht. Auch diese Aktion würde es ohne die neuen Medien nicht geben.


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