Perzeption – Partizipation – Politische Teilhabe Podium

26.6.2018

Grußwort von Christoph Müller-Hofstede, Bundeszentrale für Politische Bildung

Christoph Müller-Hofstede, Bundeszentrale für Politische Bildung, spricht auf der Fachtagung "Perzeption - Partizipation - Politische Bildung".Christoph Müller-Hofstede, Bundeszentrale für Politische Bildung, spricht auf der Fachtagung "Perzeption - Partizipation - Politische Bildung". (© Lars Welding)

Sehr geehrter Herr Dr. Fabritius, sehr geehrter Herr Hendrik, sehr geehrter Herr Eisenbraun, sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie sehr herzlich im Namen der Bundeszentrale für politische Bildung hier im Kölner Maternushaus zu unserer Fachtagung 'Perzeption – Partizipation – Politische Bildung. Deutsche aus Russland und Russischsprachige Gruppe in Deutschland' begrüßen.

Unser Präsident Thomas Krüger hat mich gebeten, Ihnen seine Grüße auszurichten: leider kann er aus terminlichen Gründen nicht zur Tagung kommen. Er hat unsere erste Tagung in Berlin noch in bester Erinnerung und wünscht uns allen Erfolg.

Meine Damen und Herren,

das Interesse an Politik und politischer Bildung wächst - trotz anderslautender Einschätzungen - ganz offensichtlich: unruhige Zeiten, wie die unsrigen, erzeugen großen Gesprächsbedarf, wie auch Kontroversen mit sich bringen: Streit um Identitäten, um Anerkennung, um Heimat – um schwierige, teilweise schwammige aber doch auch notwendige Begriffe also, die gerade eine Renaissance erfahren.

Unsere Berliner Tagung war ein wichtiger erster Schritt, um diese und andere lange vernachlässigte Themen der politischen Bildung im Themenfeld Russlanddeutsche und russischsprachigen Gruppen in Deutschland öffentlich zu diskutieren. Was für Berlin gilt, gilt auch für Köln: Wir sind uns klar, dass man dieser vielfältigen 'Diaspora' in einer Tagung kaum gerecht werden kann: also den über zwei Millionen Einwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion, die in Deutschland leben, den Deutschen aus Russland als einer der größten Einwanderergruppen der bundesdeutschen Gesellschaft, den Menschen jüdischer Herkunft aus der ehemaligen Sowjetunion, all ihren oft anderen Nationalitäten zugehörigen Familienmitgliedern und nicht zuletzt ihren schon in Deutschland geborenen Nachkommen.

Umso mehr möchte ich mich bei den vielen Gesprächspartnern und Akteuren bedanken, die uns bei der Zusammenstellung eines möglichst vielfältigen und pluralistischen Programms geholfen haben: stellvertretend für viele, die ich nicht alle nennen kann, die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, namentlich Herrn Eisenbraun, Herrn Strohmaier und Herrn Schulmeister, ebenso wie dem Büro des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, namentlich Herrn Praxenthaler. Dmitri Belkin von ELES bzw der Leo Baeck Foundation war wie schon im letzten Jahr ein wichtiger Gesprächspartner ebenso wie Jannis Panagiotidis, der uns wissenschaftlich beraten hat. Last but not least möchte ich meinem Kollegen Felix Riefer für seine Beratung und seinen Einsatz bei der 'Kuratierung' des Programms herzlich danken.

Meine Damen und Herren, im Zentrum unserer Gespräche und Diskussion steht wieder ein Dreiklang: Perzeption – Partizipation – Politische Bildung, klingt gut, aber auch sperrig und abstrakt, das sei zugestanden: Meine Bitte: füllen Sie diese in den folgenden Podien und Workshops mit Leben, kommen sie miteinander ins Gespräch und schaffen einen Raum der Demokratie, in dem wir die Kunst pflegen, sich zuzuhören und mit dem Anderen zu reden.

Nicht umsonst bildet die politische Bildung den Schluss und Fluchtpunkt dieser drei Begriffe, denn sie muss dringend weiter ausgebaut werden, gerade auch um die Probleme anzugehen, die etwa den medialen Diskurs um die 'Russlanddeutschen' und 'Russischsprachigen' prägen.

Wenn die Macht der Medien und ihrer Bilder ganz offensichtlich stark zum sich 'heimatlich' oder 'fremd fühlen' beiträgt und damit auch den Willen zur und die Möglichkeiten zur politischen Teilhabe beeinträchtigt, dann müssen wir auf dieser Baustelle tätig werden. Ein wichtiger Schwerpunkt unserer Tagung werden also die Medien – die deutschen und die russischsprachigen – sein. Ich freue mich, dass es uns gelungen ist mit Hannah Beitzer, Gesine Dornblüth und Ina Ruck wichtige Journalistinnen aus den sog. Mainstreammedien zu gewinnen.

Partizipation und politische Bildung bilden die beiden weiteren Schwerpunkte der Tagung: beides gehört zusammen: Denn die Aufgabe politischer Bildung in der Demokratie ist ja nicht abstrakt und akademisch zu verstehen: Geht man zurück auf die Anfänge politischer Bildung in der Bundesrepublik, auf die Gründung der Bundeszentrale im Jahr 1952, so ging es den politisch Verantwortlichen damals um nichts anderes als den Lebensnerv aller Demokratien:

nämlich um die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger sich in Politik und Gesellschaft 'einzumischen', sich mit ihren Meinungen, Interessen und Fähigkeiten sichtbar und hörbar zu machen und damit zum Gemeinwohl beizutragen, also um die dritte Dimension im Verhältnis Bürger – Demokratie – wie es Christof Gramm in einem lesenswerten Artikel zur Leitkultur in der FAZ genannt hat. Eine aktivierende politische Bildung (die wesentlich von den Bürgern getragen wird) kann hierzu etliches, wenn auch nicht alles beitragen, so unsere feste Überzeugung.

Ein Blick auf die Nachrichtenportale unserer Medien zeigt: unsere Welt ist permanent im Umbruch, oder out of joints (aus den Fugen) wie Shakespeare sagte. Auch wenn Deutschland wirtschaftlich und politisch stark und stabil erscheint: es ist unübersehbar, dass unsere offene, und digital vernetzte Gesellschaft verwundbarer, fragiler, der gesellschaftliche Zusammenhalt schwieriger geworden ist. Dass in der Krise aber immer auch die Chancen liegen, lehren uns die Chinesen, die Gefahr und Möglichkeit in ihrem Schriftzeichen für 'Krise' zusammen gebracht haben.

Ich würde mich freuen, wenn Sie gemeinsam die Chancen ergreifen, die Ihnen – hoffentlich – diese Tagung bietet. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns spannende und ertragreiche Debatten und Gespräche. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

- Es gilt das gesprochene Wort -


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