Schwarz-Weiß Foto: Gruppenbild der Stabes der Ordnungspolizei im Wehrkreis VI auf der Gartentreppe der Villa ten Hompel Anfang der 1940er Jahre.

20.1.2020 | Von:
Hendrik Gunz

Erster Tag: Dienstag, 29. Oktober 2019

Villa ten Hompel

Impressionen vom ersten Veranstaltungstag



Forschen und Lernen über "gewöhnliche Polizisten", "gewöhnliche Deutsche" und die Opfer des NS-Vernichtungskriegs am historischen Ort Villa ten Hompel

Stellvertretend für den Geschichtsort Villa ten Hompel begrüßte Thomas Köhler die international angereisten Gäste zur größten Veranstaltung, die im Geschichtsort je stattgefunden hat. Er dankte den Kooperationspartnern und vor allem Christopher Browning. Mit einem Abriss der Historie des Veranstaltungsortes, führte Köhler zum Tagungsthema hin: Das Gebäude ist Mitte der 1920er Jahre für den Großindustriellen und Zentrumsabgeordneten Rudolf ten Hompel und seine Familie errichtet worden, Mitte der 1930er aufgrund illegaler finanzieller Verstrickungen ten Hompels an den Fiskus gegangen und von 1940 bis 1945 der Sitz der nordwestdeutschen Ordnungspolizei unter Befehlshaber Dr. Heinrich B. Lankenau gewesen. Von dieser westfälischen Fabrikantenvilla wurden mindestens 22 Polizeibataillone in die besetzten Gebiete Osteuropas entsandt, wo sie sich maßgeblich an der Ermordung der dort lebenden jüdischen Bevölkerung beteiligten. Denn eine der Kernthesen der Villa ten Hompel sei es, erläuterte Köhler, dass etwa 62 Prozent der Opfer der Shoah indirekt oder direkt durch uniformierte Polizisten ermordet oder deportiert worden seien. Dem gelte es sich in den kommenden Tagen zu widmen. (Video-Icon Zum Interview mit Thomas Köhler)

Warum und wofür sollten wir etwas über den Holocaust und die Täter lernen?

Über "ein ritualisiertes 'Nie wieder!'" hinauszugehen, forderte Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, in seinem Grußwort. Er betonte, dass das Erkennen von Partizipation am und Eigeninitiative im Holocaust Grundlage dafür sei, Gegenwartsbezüge herzustellen, die selbstkritisches und handlungsorientiertes Lernen aus der Geschichte ermöglichen. Brownings "Ordinary Men" käme für diese Erkenntnisse und ihre Vermittlung in der gesellschaftlichen Debatte um NS-Täterschaft eine große Bedeutung zu. Die von ihm aufgezeigten "ganz normalen Männer" als Täter der Shoah, die von ihm herausgearbeiteten Handlungsspielräume sowie die psychologischen Prozesse, Radikalisierungs- und Gewaltdynamiken im Komplex der Täterschaft seien für eine gelingende historisch-politische Bildung enorm wichtig, so Krüger. (Die Arbeit und Bedeutung der Bundeszentrale für politische Bildung wurde auch im Expertinneninterview mit Hanna Liever thematisiert, das sie Video-Icon hier finden.)

Demokratie leben als Herausforderung für das 21. Jahrhundert

In ihrer Begrüßung ging Maria Springenberg-Eich als Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen und Mitveranstalterin der Tagung näher auf die Bedeutung von Handlungsspielräumen und Eigeninitiative ein. Christopher Browning habe nachgewiesen, dass diese auch in der Ordnungspolizei galten: Manche entzogen sich den Massakern, viele handelten in Gehorsam, andere wiederum zeigten selbst Initiative. In bürokratischen Strukturen sei eigeninitiatives Handeln häufig durch vorauseilenden Gehorsam motiviert – was nichts diktaturspezifisches, sondern auch in demokratischen Bürokratien zu finden sei. Der Unterschied jedoch liege in der Rechtsstaatlichkeit und der Selbstreflektion. Eigeninitiative sei kein Wert an sich, sagte Springenberg-Eich.

"Ganz normale Menschen" und die erfolgreiche Implementierung antijüdischer Politik

Bürokratischem Gehorsam kam auch im Impulsvortrag des israelischen Holocaustforschers Dan Michman eine zentrale Bedeutung zu (Video-Icon zum Vortragsvideo). Michman arbeitete einerseits heraus, wie Brownings "Ordinary Men" die Holocaustforschung geprägt und andererseits seine eigene "Re-Interpretation der Shoah" beeinflusst habe. "Ordinary Men" habe eine "neue Stufe in der Evolution der sogenannten Täterforschung markiert, erklärte er. Zuvor hätte die oberste Führungsriege des NS-Regimes im Fokus gestanden, die "Schreibtischtäter" oder die deutsche Bürokratie seien als "gehorsame" Maschinerie imaginiert worden. Statt einzig ideologische Ursachen für die Durchführung der Shoah zu suchen, wie dies in der Schule der sogenannten Intentionalisten getan wurde, statt sich auf die Bürokratie des Entscheidungsprozesses der "Endlösung" zu verengen, habe sich Browning den "Verhaltensmustern an den Orten der 'face-to-face' Morde" zugewandt. Der Erfolg des Buches habe dabei mehrere Gründe, zu denen unter anderem die alltagsgeschichtliche Ausrichtung der Monografie sowie das größere öffentliche Interesse an den Morden in Osteuropa nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zählen.

Den Ursprung seines fachlichen Dissenses mit Browning sah Michman in der Debatte zwischen "Intentionalisten" und "Funktionalisten". Browning habe sich als "moderaten Funktionalisten" beschrieben – während er selbst, Michman, ein "Neo-Intentionalist" sei. Im Kern geht es dabei um unterschiedliche Bedeutungsbeimessungen von Bürokratie und Ideologie. Michman verstehe die Shoah als Teil eines größeren Projektes, nämlich der "Entfernung der Juden überhaupt", wie es Hitler bereits 1919 formuliert habe. Was dieses Ziel konkret bedeutet habe, sei zwar nicht klar gewesen, dass es erreicht werden solle dagegen schon, betonte Michman. Damit wende er sich gegen Brownings Interpretation, der den Holocaust als nicht "kulturell bedingt oder ideologisch motiviert" angesehen habe. Dass allerdings "Ordinary Men" einen essenziellen Anteil daran hatten, "Hitlers vage Vision in einen beispiellosen Erfolg eines bösen Vorhabens" umzusetzen, teile er auch. Dass derart viele Jüdinnen und Juden in einer so kurzen Zeit ermordet werden konnten, sei auch auf die "Kreativität" der "Ordinary Men" zurückzuführen, die die Mittel und Wege fanden, das Ziel der "Entfernung der Juden überhaupt" zu erreichen. (Video-Icon Zum Experteninterview mit Dan Michman)

Täter, Opfer, Bystander – Sichtweisen im NS-Vernichtungskrieg

Der maßgeblichen Kategorisierung von Holocaustforscher Raul Hilberg folgend, beschäftigte sich das erste Panel mit Tätern, Opfern und "Bystandern", die nur unzulänglich mit dem Wort "Zuschauer" übersetzt werden können.

"Täter" in der Wahrnehmung von Forschung und Gesellschaft nach dem Holocaust
Der Klagenfurter Geschichtsprofessor Dieter Pohl zeichnete die Wahrnehmung von Tätern in Forschung und Gesellschaft nach dem Holocaust nach (Video-Icon zum Vortragsvideo, der Beitrag von Herrn Pohl beginnt ab 04:18). Der eigentlich aus der juristischen Sprache stammende Begriff des "Täters" sei nicht zuletzt durch Hilberg popularisiert worden. Vor dem eigentlichen Einsetzen der Täterforschung in den 1990er Jahren sei der Blick – vor allem in der Bundesrepublik – stark auf die nationalsozialistische Führungsriege beschränkt gewesen. Begleitet wurde die Forschung von immer wieder aufkommenden Forderungen nach einem "Schlussstrich". Die Ausweitung des Täterbegriffs sei folglich in jene Zeit gefallen, in der die Täter an gesellschaftlicher Bedeutung verloren und aus Amt und Würden ausgeschieden waren. Denn obwohl im Zuge aufsehenerregender Prozesse, wie dem Verfahren gegen Adolf Eichmann in Jerusalem, auch die zweite Garde der NS-Täterschaft in den öffentlichen Fokus gerückt war, dominierten Gestapo und SS das Bild der Täter. Daneben sei jedoch der Typus des "Schreibtischtäters" getreten, der wiederum den Eindruck eines klinischen Massenmordes geweckt habe, erläuterte Pohl.

Im Rahmen einer Europäisierung der Geschichtsschreibung rückten auch Nichtdeutsche als Täter in den Blick. Damit löste sich das Bild von Täterschaft auch von der deutschen Politik. Dies werfe aber wiederum die Frage nach deren Rolle auf. Heute gelte die Täterforschung als etabliert und über die Existenz einer Vielzahl von Tatmotiven bestehe Konsens – was mitunter etwas unbefriedigend sei. Angesichts der Fülle an Ergebnissen zu Handlungsdynamiken und -motiven, zu Antisemitismus und gesellschaftlicher wie individueller Verrohung, wäre eine analytische Zusammenführung wünschenswert, schloss Pohl. (Video-Icon Zum Experteninterview mit Dieter Pohl)

"Opfer" – zur Geschichte einer suspekten Figur
Der Kategorie "Opfer" wandte sich anschließend Svenja Goltermann, Züricher Professorin für Geschichte der Neuzeit, zu (Video-Icon zum Vortragsvideo, der Beitrag von Frau Goltermann beginnt ab 58:49). Sie betrachtete die Bezeichnung "Opfer" als Resultat historischer Fremd- und Selbstzuschreibungen und daher als "suspekte Figur". So sei auffällig, dass der Begriff früher in einem aktiven Sinne verstanden worden sei. Opfer seien demnach für etwas erbracht worden. Heute dagegen habe man ein passives Verständnis, in dem man als Opfer von jemandem oder von etwas gesehen werde. Das Phänomen einer zunehmenden Opferzuschreibung sei also auch als Wahrnehmungsverschiebung zu verstehen, so die These Goltermanns.

In diese Entwicklung hineingewirkt hätten völkerrechtliche Normen und das Konzept von Kriegsverbrechen – wirkmächtig seien Opferklassifizierungen nach dem Zweiten Weltkrieg beispielsweise für die Vergabe von Entschädigungsansprüchen gewesen. Mit dem Konzept posttraumatischer Belastungsstörungen gehe eine Neukonzeption einher, in der jedes Individuum potenziell zum Opfer werden könne und gleichzeitig die Opferzuschreibung zunehme und sich pluralisiere. Für Historikerinnen und Historiker sei das "Opfer" nicht zuletzt eine ethische Kategorie für jene, die vom Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden – doch es gelte zu beachten, dass jene, denen vom Nationalsozialismus Leid angetan wurde, sich nach dem Krieg häufig nicht selbst als Opfer sahen, sensibilisierte Goltermann.

Den Holocaust konsumieren: Die "Bystander" als leise Medienhelden
Aus einer mediengeschichtlichen Perspektive näherte sich Wulf Kansteiner, Aarhuser Professor für Gedächtnisstudien und Historische Theorie, dem "Bystander" [engl.: Zuschauer] (Video-Icon zum Vortragsvideo, der Beitrag von Herrn Kansteiner beginnt ab 1:49:05). Zentral für seine Ausführungen war der Begriff der Immersion, den er als "Vertiefung in eine narrative Welt" definierte und in engen Zusammenhang mit der Identitätskonstruktion stellte. Kansteiner führte aus, dass es einerseits medienspezifische Themen gebe, die jeweils ausgehandelt würden. So würden im Roman vor allem das bürgerliche Leben, im Film Urbanität und im Fernsehen Faschismus, Stalinismus und Totalitarismus verhandelt werden. Andererseits gebe es auch qualitative Unterschiede hinsichtlich der Immersion. Beim Fernsehen gingen die Zuschauenden von einer Unschuldsvermutung aus, so der Medienhistoriker. Während im Fernsehen Passivität als Norm aktiv konstruiert werden würde, sei mit Videospielen eine neue immersive Qualität erreicht. Das Fernsehen sei auch als "Erzählmaschine" anzusehen, die Rollen von Helden, Tätern, Zuschauern und Opfern seien im Handlungsverlauf der jeweiligen Geschichte veränderlich. Als prägnantes Beispiel führte Kansteiner "Schindlers Liste" von Steven Spielberg an, wo der titelgebende "Bystander" zum Helden werde. Als weiteres bekanntes Beispiel ging Kansteiner auf den TV-Vierteiler "Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss" ein. Er verdeutlichte, dass zwei Ebenen unterschieden werden müssten: jene der (faktischen) Geschichte und jene der Erinnerungskultur. Für die Erinnerungskultur sei das Fernsehen ein dynamisches und wirkungsvolles Element.

Abschließend prognostizierte Kansteiner, dass auch eine Auseinandersetzung mit dem Holocaust im Genre "Videospiel" stattfinden werde. Dabei würden die Spielenden Rollen annehmen, ausführen und schließlich reflektieren. In der Möglichkeit, die Positionierung von Beihilfe, Mitschuld oder Komplizenschaft emotional zu erfahren, sah Kansteiner eine Chance der Vermittlung und Annäherung an das Thema.

Polizei und Täterschaft in europäischer Perspektive

In der Auseinandersetzung mit "Polizei und Täterschaft in europäischer Perspektive" widmete sich das zweite Panel der Tagungsthematik auf weniger abstrakte Art und Weise. Fragen von Täterschaft deutscher Polizeibeamter in den nationalsozialistisch besetzten Gebieten Osteuropas standen neben Fragen nach Kollaboration durch lokale Polizeibehörden unter deutscher Besatzung im Zentrum dieses Tagungsabschnittes.

"Ostrausch": Sexuelle Gewalt, Alkohol, Massaker (Westermann)
Über den Zusammenhang von (sexueller) Gewalt, Alkohol, Polizei-Maskulinität und Massaker sprach der US-amerikanische Historiker Edward B. Westermann, Professor an der Texas A&M University San Antonio. Schon in der sowjetischen Propaganda sei ein Zusammenhang zwischen sexueller Gewalt und deutscher Besatzung gezogen worden. Dieser oft als "Ostrausch" bezeichnete Zustand wurde, so Westermann, von starkem Alkoholkonsum begleitet. Der Alkoholmissbrauch habe im besetzten Osten derart zum Alltag gehört, dass er auch von offizieller Seite sanktioniert wurde: Während auf Trunkenheit während des Dienstes im "Altreich" Strafe stand, wäre dies im besetzten Osten normal gewesen. Als Schnittstelle zwischen dem übermäßigen Alkoholkonsum und demonstrativer Zurschaustellung der eigenen Tapferkeit ließe sich die Hypermaskulinität ausmachen. Dazu hätten Prahlereien der Männer über ihre Verbrechen sowie die öffentliche Inszenierung der eigenen Gnadenlosigkeit und Brutalität gehört. Diese sowie der Alkoholmissbrauch hätten aus psychologischer Perspektive eine entlastende Funktion eingenommen, wertete Westermann. Ferner sei das Trinken eine Gemeinschaftsaktivität gewesen: Wer nicht teilnehmen wollte, wurde als schwach und weiblich wahrgenommen – als Gegensatz zur eigenen betonten Männlichkeit.

Westermann schloss, dass bei der physischen Eroberung des Ostens Alkoholkonsum und Sex als Rechte der Sieger angesehen worden seien. Die männliche Gemeinschaft drückte sich in Folter, sexueller Gewalt und Trinken aus. Der Alkohol ließ weitere Hemmungen fallen und Prahlereien gehörten zum Umgang. Dabei habe die männlich gelesene Front der weiblich apostrophierten Heimat gegenübergestanden, die es zu schützen gegolten habe. (Video-Icon Zum Experteninterview mit Edward Westermann)

Deutsche Polizei und polnischer Widerstand
Der Zeithistoriker und Professor der Universität Warschau, Włodzimierz Borodziej, sprach sowohl über die deutsche Polizei und den polnischen Widerstand im Generalgouvernement als auch über das Bild der Deutschen in Polen. In den letzten Jahrzehnten sei der Forschungsstand über den polnischen und jüdischen Widerstand enorm erweitert worden. Heute wisse man um das hohe Maß an Antisemitismus im polnischen Widerstand: Dort wurden meistens Juden entweder ausgeschlossen, an die Deutschen ausgeliefert oder ermordet. Die Haltung der polnischen Polizei zu Widerstand und NS-Besatzung sei ambivalent gewesen: Viele polnische Polizisten seien am Widerstand beteiligt gewesen, viele jedoch auch nicht. Einige waren Teil des Widerstands aber halfen dennoch den Nazis dabei, Jüdinnen und Juden aufzuspüren.

In Polen wirkmächtige Bilder von "den Deutschen", beziehungsweise von Nazis, würden sich auch stark auf die Rezeption wissenschaftlicher Studien auswirken, erläuterte Borodziej. So sei Brownings "Ordinary Men" kaum rezipiert worden, Goldhagens "Hitlers willige Vollstrecker" dagegen schon, da dieses dem polnischen Wunsch nach einem "deutschen Mephisto" näher gewesen sei. Ferner würden Hannah Arendt und der Typus des Schreibtischtäters das Bild der NS-Täter innerhalb der polnischen Öffentlichkeit dominieren.

Zwischen Massenmord und Meuterei: Polizeibataillone und ihre europäischen Helfer
Mit seinem Input "'Massenmord und Meuterei': Polizeibataillone und ihre europäischen Helfer im Osteinsatz" schloss der Historiker Stefan Klemp das Panel zu Polizei und Täterschaft ab. Schon zeitgenössische Täter, wie der Chef der Ordnungspolizei Kurt Daluege, hatten bemerkt, dass sich die Art des Kriegseinsatzes der Polizei in den Ländern unterscheide. So würde man in Polen "andere Menschen" antreffen als beispielsweise in Norwegen. Damit implizierte er auch eine andere Funktion der Polizeikräfte im Rahmen des Vernichtungskrieges.

Generell seien die deutschen Besatzer auf die Kollaboration von Teilen der Besatzungsbevölkerung angewiesen gewesen. Diese verfügten über lokales Wissen über die jeweiligen jüdischen Gemeinden und kannten Orte, die sich für Exekutionen eigneten. So grausam die Aufgaben von kollaborierenden Polizisten zum Teil auch waren, sollte die Frage gestellt werden, welches Maß an Freiwilligkeit vorlag für jene Menschen, die für diesen kollaborierenden Polizeidienst aus Lagerhaft rekrutiert und befreit wurden. Detaillierter ging Klemp auf eine luxemburgische Freiwilligenkompanie im Dienst der deutschen Polizei ein. In diese seien aufgrund ihrer vorgeblichen "rassischen" Nähe zu den Deutschen große Erwartungen gesetzt worden. Doch von den ursprünglich 460 "Freiwilligen" hätten zunehmend mehrere den Dienst verweigert, gemeutert und sogar mit Partisanengruppen zusammengearbeitet, was wiederum zur Inhaftierung einiger Luxemburger in Konzentrationslager führte. Insgesamt seien über 380 der ursprünglich 460 Luxemburger Polizisten aus dem Dienst ausgeschieden, weshalb die Kompanie schließlich aufgelöst und die Verbliebenen auf andere Kompanien aufgeteilt worden waren. Nicht vergessen werden sollte, so schloss Klemp, dass das Maß der Freiwilligkeit nicht zu überschätzen sei, so seien die Familien der "freiwilligen" Polizisten verhört und damit Druck ausgeübt worden.

In der anschließenden Diskussion wurde betont, dass im vorliegenden Fall zwar das Maß der Entscheidungsautonomie berücksichtigt werden solle, es aber dennoch einen Unterschied gebe zwischen Luxemburgern, die aus ethnischen oder "rassischen" Gründen für Deutsche gehalten wurden, und beispielsweise ukrainischen Kollaborateuren.


Tagungsdokumentation (November 2019)

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