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14.6.2011

"httpasts://digitalmemoryonthenet"

Videointerviews

Hier finden Sie Interviews mit Vortragenden der internationalen Konferenz "httpasts://digitalmemoryonthenet" vom April 2011.

Interview mit Claus Leggewie

Interview mit Claus Leggewie am 14.04.2011 auf der internationalen Konferenz httpasts://digitalmemoryonthenet in Berlin.

Das Internet verändert die Erinnerungskultur, sagt Claus Leggewie, Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen. Die Türhüter der Geschichtsschreibung werden häufiger umgangen. Denn das Internet mache den Zugang zu historischen Ereignissen demokratischer und für alle zugänglich. (© 2011 Bundeszentrale für politische Bildung)



Das Internet verändert die Erinnerungskultur, sagt Claus Leggewie, Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen. Die Türhüter der Geschichtsschreibung werden häufiger umgangen. Denn das Internet mache den Zugang zu historischen Ereignissen demokratischer und für alle zugänglich.

Wissenschaft, politische Bildung und Massenmedien bezeichnet Claus Leggewie als "Gatekeeper der Geschichtsschreibung". Bislang funktionieren sie ohne Rückkanal. Amateure der Geschichtssschreibung finden im Internet viele Wege, sich selber an der Erinnerungskultur zu beteiligen. Diese Vermischung von individueller Erinnerung und offizieller Geschichtsdeutung habe es schon immer gegeben, das Internet mache sie sichtbar, zugänglich und veränderbar, sagt Claus Leggewie im Interview mit der Bundeszentrale für politische Bildung.
Das sei nicht ohne Gefahren. "Jeder kann sagen, was er will. Es werden Bewertungen möglich und nebeneinander gestellt, in denen es keine Qualitätskontrolle gibt." Mit den Kehrseiten der Informationsvermittlung im Netz sollten die Nutzer sich erwachsen auseinandersetzen. "Wir müssen lernen Meinungsfreiheit zu ertragen." Zensur hält Leggewie nicht für die richtige Lösung. "Auf jeden Kommentar eines Holocaust-Leugners habe ich ein gutes Gegenargument, das kann ich gerade über die Neuen Medien gut kommunizieren." Es gehe vor allem darum Urteilskraft zu entwickeln.

Interview mit David Klevan

Interview mit David Klevan am 15.4.2011 auf der internationalen Konferenz httpasts://digitalmemoryonthenet in Berlin. Webseiten und Soziale Netzwerke können die Arbeit von Museen und Gedenkstätten transparent machen. Ein Museumsbesuch bleibt dennoch ein einmaliges Erlebnis, sagt David Klevan vom US Holocaust Memorial Museum in Washington. (© 2011 Bundeszentrale für politische Bildung)



Webseiten und Soziale Netzwerke können die Arbeit von Museen und Gedenkstätten transparent machen. Ein Museumsbesuch bleibt dennoch ein einmaliges Erlebnis, sagt David Klevan vom US Holocaust Memorial Museum in Washington.

Das Internet sei ein starkes Medium, weil es sich sowohl zum Zuhören als auch zum Senden eignet. Dennoch könne es den Museumsbesuch nicht ersetzen. Museen und Gedenkstätten rät der Online-Chef des Washington Holocaust Memorial Museum, David Klevan, so viele gute Kontakte im Internet zu knüpfen wie nur möglich. "Wir wollen, dass andere Webseiten uns als gute Informationsquelle sehen und auf uns verlinken."
In Sozialen Netzwerken sieht er die Verantwortung bei den Organisationen, die bei Facebook, Twitter und Co Inhalte teilen wollen. "Wir müssen den Nutzern unsere Regeln erklären – verpflichtend, freundlich und höflich." Wenn sie die Regeln ignorieren, müssen sie darauf hingewiesen und notfalls von der Diskussion ausgeschlossen werden. "So würde man es in einem Museum auch tun." Wer Leute zu einem Gedankenaustausch einlade, sollte sich im Vorfeld über die Ziele im Klaren sein, sagt David Klevan. Organisationen müssten auch die Kultur der jeweiligen Sozialen Netzwerke verstehen und kennenlernen. Facebook, Twitter oder Youtube haben jeweils andere Nutzer und andere Formen des Verhaltens. Daran gelte es sich anzupassen.

Interview mit Edward Serotta

Interview mit Edward Serotta am 15.04.2011 auf der internationalen Konferenz httpasts://digitalmemoryonthenet in Berlin. Die Erinnerungsplattform Centropa widmet sich mit Interviews, Videos und Audioslideshows dem Leben der europäischen Juden des 20. Jahrhunderts. Dabei liege der Schwerpunkt nicht auf dem Holocaust, betont Edward Serotta, der Gründer des Projekts. (© 2011 Bundeszentrale für politische Bildung)



Die Erinnerungsplattform Centropa widmet sich mit Interviews, Videos und Audioslideshows dem Leben der europäischen Juden des 20. Jahrhunderts. Dabei liege der Schwerpunkt nicht auf dem Holocaust, betont Edward Serotta, der Gründer des Projekts.

Edward Serotta ist der Gründer des Interviewprojekts Centropa. In den vergangenen Jahren haben er und seine Mitarbeiter rund 1400 Juden befragt, die den Holocaust überlebt haben. Aus Interviews und Familienfotos entwickeln die Centropa-Mitarbeiter persönliche Filme, die im Internet zur Verfügung stehen. "Wir wollen eine Datenbank von Familienerinnerungen schaffen und das gesamte Leben der europäischen Juden im 20. Jahrhundert abbilden", sagt Edward Serotta.
Dafür nehmen sich die Interviewer von Centropa viel Zeit: Sie besuchen ihre Gesprächspartner mehrmals, verbringen viele Stunden mit Gesprächen. Den Zeitzeugen liege viel an einer Veröffentlichung des Materials. Auch um ihren Nachkommen einen Eindruck ihres Lebens zu hinterlassen. Rechtliche oder moralische Bedenken, Interviews mit Zeitzeugen im Internet zugänglich zu machen, hat Edward Serotta nicht. "Viele Leute haben Angst vor Webseiten mit antisemitischen und neonazistischen Gedankengut. Meine Antwort darauf ist: Lasst uns Inhalte anbieten, die besser sind!" Centropa stellt seine Filme auch Lehrern und Schülern zur Verfügung – mit dem Wunsch, dass sie selber Videos über das jüdische Leben in ihren Heimatorten anfertigen.

Interview mit Na´ama Shik

Interview with Na’ama Shik (Yad Vashem, Jerusalem) at the international conference httpasts://digitalmemoryonthenet in Berlin, on April 16, 2011. Research, memory and education are the main topics of the place of remembrance Yad Vashem - this applies for the museum in Jerusalem as well as the website. For Na’ama Shik it's a moral obligation to put the comprehensive archive online. (© 2011 Bundeszentrale für politische Bildung)



Wissenschaft, Erinnerung und Bildung sind die drei Ziele des Erinnerungsortes Yad Vashem. Das gilt für das Museum in Jerusalem sowie die Internetseite. Die Internetpräsenz von Yad Vashem ermöglicht den Zugriff auf das umfangreiche Archivmaterial. Alles andere wäre unmoralisch, sagt Na´ama Shik.

Das Archiv von Yad Vashem beinhaltet 112 Millionen Dinge. Ein großer Teil davon ist im Netz abrufbar. In den vergangenen vier Jahren haben die Mitarbeiter von Yad Vashem Teile des Archivmaterials im Netz zugänglich gemacht. In Ergänzung zum Museum sind digitale Sammlungen entstanden. "Es reicht nicht, das Material einfach online zu stellen. Wir müssen den Nutzern einen Kontext dazu anbieten", sagt Na´ama Shik.
Zu jedem Zeitzeugeninterview, zu jedem Gegenstand bietet die Website eine "virtuelle Umgebung" mit Informationen zur Person, ihrer Herkunft und den historischen Fakten. Für Lehrer gibt es spezielle pädagogische Richtlinien. Eine große Herausforderung sei es den Altersgruppen der Internetnutzer gerecht zu werden, "denn jeder hat im Netz zu allem Zugang". In dieser Hinsicht seien auch Eltern und Lehrer gefragt. Dazu sagt Na´ama Shik: "Kinder müssen auch im Netz vor Material geschützt werden, das nicht altersgerecht ist."

Interview mit Ita Amahorseija

Interview mit Ita Amahorseija, Anne Frank House, Amsterdam am 15.04.2011 auf der internationalen Konferenz httpasts://digitalmemoryonthenet in Berlin.

Das Internet stellte das Anne-Frank-Haus vor Herausforderungen: Im "Hinterhaus Online" war es nicht möglich, Anne Franks Leben vom Anfang bis zum Ende zu erzählen, sagt Ita Amahorseija. So mussten sich die Macher der Website einen Fokus suchen. (© 2011 Bundeszentrale für politische Bildung)



Das Internet stellte das Anne-Frank-Haus vor Herausforderungen: Im "Hinterhaus Online" war es nicht möglich Anne Franks Leben vom Anfang bis zum Ende zu erzählen, sagt Ita Amahorseija. So mussten sich die Macher der Website einen Fokus suchen.

Das Anne-Frank-Haus in Amsterdam hat das Hinterhaus in dem sich Anne Frank und ihre Familie versteckt gehalten haben, im Netz zugänglich gemacht. Im "Hinterhaus Online" kann sich der User sich via Mausklick durch die Räume zu bewegen. In jedem Raum bekommt er Informationen über die Lebensbedingungen der Menschen und die historischen Umstände. Die Macher des virtuellen Anne-Frank-Hauses mussten sich dabei auf das Wesentliche beschränken. "Zu viele Informationen würden den User ablenken", sagt Ita Amahorseija. So geht es im "Hinterhaus Online" um Frage: Was bedeutete es für Anne Frank und ihre Mitbewohner in einem Versteck, abgeschirmt von der Außenwelt, zu leben? Der Fokus liegt dabei auf den Jahren 1942 bis 1944, vom Beginn des Lebens im Versteck bis zum Verrat. Zudem gibt es im Netz einen weiteren Eingang in das Haus: "Hier können die Leute erfahren, was den Bewohnern widerfuhr, nachdem sie verraten worden sind." Einigen User sei es schwer gefallen, der Website zu folgen, ohne zu wissen, was mit den Bewohnern nach dem Verrat geschehen ist.


Interview mit Stephan Humer

Das geschehe manchmal auch ungewollt, sagt Stephan G. Humer, Internetsoziologe, Universität der Künste. So werden im Netz vor allem kontroverse und emotionale Themen diskutiert. Dabei sollten Nutzer vorsichtig vorgehen. Man wisse nicht, wer sich die Daten zu welchem Zweck aneignen könne. (© 2011 Bundeszentrale für politische Bildung)



Das geschehe manchmal auch ungewollt, sagt Stephan G. Humer. So werden im Netz vor allem kontroverse und emotionale Themen diskutiert. Dabei sollten Nutzer vorsichtig vorgehen. Man wisse nicht, wer sich die Daten zu welchem Zweck aneignen könne.

"Jeder hat die Möglichkeit etwas zu veröffentlichen und die wird im Regelfall auch genutzt", sagt Stephan G. Humer. Auf die Rezeption hat der Sender nicht immer Einfluss. Insbesondere in Sachen Holocaust und Erinnerungskultur ist darum Vorsicht geboten. "Man weiß eben nie – und das ist ein wichtiger Punkt bei der Digitalisierung – wo diese Daten später einmal landen und was damit gemacht wird."
Die Selbstregulierung im Netz funktioniere nicht immer, sagt Stephan G. Humer. Behörden und Institutionen rät er dennoch im Internet aktiv zu werden. "Denn wenn sie nichts machen, werden es andere tun." So würden Nutzer in Räume ausweichen, in denen öffentliche Institutionen überhaupt keinen Einfluss mehr hätten.


Interview mit Benjamin Jörissen

Interview mit Benjamin Jörissen, Otto-von-Guericke- Universität Magdeburg, am 15.4.2011 auf der internationalen Konferenz httpasts://digitalmemoryonthenet in Berlin.

Schüler können sich heute einen Teil des schulischen Wissens mithilfe des Internets selber aneignen. Lehrer sollten sich darum weniger als Verwalter sondern als Begleiter dieses Wissens sehen, sagt Benjamin Jörissen. In dieser Funktion sind sie in Zeiten der medialen Umbrüche besonders gefragt. (© 2011 Bundeszentrale für politische Bildung)



Schüler können sich heute einen Teil des schulischen Wissens mithilfe des Internets selber aneignen. Lehrer sollten sich darum weniger als Verwalter sondern als Begleiter dieses Wissens sehen, sagt Benjamin Jörissen. In dieser Funktion sind sie in Zeiten der medialen Umbrüche besonders gefragt.

Wenn Lehrer im Unterricht Blogs, Google Maps und Soziale Netzwerke einsetzen, sehen Schüler darin manchmal ein Eindringen in ihre Medienwelt. Doch das sollte Lehrer nicht davon abhalten, diese Medien im Unterricht einzusetzen, sagt Benjamin Jörissen. Im Schulunterricht könnten sie in allen Fächern Verwendung finden. Lehrer müssen sich jedoch darauf einstellen, dass sie nicht mehr die alleinigen Hüter des Wissens sind.
"Wenn man seine Schüler losschickt, mit der Aufgabe im WWW zu recherchieren, dann kommt ein Wissen zusammen, dass man vorher als Lehrer nicht hatte." Der Vorteil bestehe darin, dass das Erlernte auf diese Weise mehr mit der Lebenswelt der Schüler zu tun habe. Schule und Lehrer seien immer zuständig gewesen für Medienexpertise. Die Medien hätten sich nur in den vergangenen zehn Jahren so rasant geändert, dass die Organisationsform Schule nicht schnell genug hinterher gekommen sei, stellt Benjamin Jörissen fest.

Interview mit Daniel Eisenmenger

Interview mit Daniel Eisenmenger, Lehrer und Koordinator im Landesprogramm "Medienkompetenz macht Schule" am 16.04.2011 auf der internationalen Konferenz httpasts://digitalmemoryonthenet in Berlin.

Web 2.0 und Neue Medien bieten neue Ansätze für Lehrer und Schüler. Es sei jedoch schwierig das moderne Wissen mit klassischen Prüfungen abzufragen und zu bewerten, sagt Daniel Eisenmenger. Die Schule sollte sich den neuen Lernmethoden öffnen und über andere Prüfungsformate nachdenken. (© 2011 Bundeszentrale für politische Bildung)



Web 2.0 und Neue Medien bieten neue Ansätze für Lehrer und Schüler. Es sei jedoch schwierig das moderne Wissen mit klassischen Prüfungen abzufragen und zu bewerten, sagt Daniel Eisenmenger. Die Schule sollte sich den neuen Lernmethoden öffnen und über andere Prüfungsformate nachdenken.

Google Maps im Geschichtsunterricht, das klingt ein wenig wie ein Auftritt von Lady Gaga mit Schumann-Liedern. Dem Gymnasiallehrer Daniel Eisenmenger aus Koblenz dieser Spagat gelungen. Um seinen Schülern die Zeit des Nationalsozialismus in Koblenz näher zu bringen, hat er einen virtuellen Stadtrundgang bei Google Maps angelegt, den er zuvor – ganz real - mit seinen Schülern abgegangen ist. "Ein Stolperstein hier, die Umgestaltung des Schlosses durch die Nationalsozialisten an anderer Stelle, das Gestapogefängnis an anderer Stelle." 45 Minuten dauerte der Rundgang durch Koblenz. Dabei haben die Schüler in einem ehemaligen Gebäude der Reichsbank Hakenkreuze in alten Ornamenten entdeckt.
Das habe viele Fragen aufgeworfen, sagt Daniel Eisenmenger. "Dann ist man mitten im historischen Lernen. Muss man das wegmachen? Ist man bei der Erinnerungskultur. Darf man das stehen lassen, obwohl das Nazisymbole sind?" Den Stadtrundgang hat er zunächst anderen Lehrern, mit Fotos und Informationen versehen, bei Google Maps angeboten. Ein nächster Schritt wäre es, die Schüler selber solche Rundgänge entwerfen zu lassen. Das Problem bestehe darin, dass in Klausuren weiterhin Wissen wie vor 20 Jahren erwartet werde. "Das bieten solche Projekte nicht, weil sie stark auf eine Individualisierung von Lernprozessen abzielen." Seinen Kollegen rät Daniel Eisenmenger dennoch, sich auf die Neuen Medien einzulassen.

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