Dossierbild Podium/Vortrag

DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN - Eine Zustandsbeschreibung (abgesagt)

Kapitalismus: Ästhetik, Gefühle, Zustände Filmreihe zur Ausstellung "Wir Kapitalisten! Von Anfang bis Turbo"

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Ein Filmstill aus dem Film "Das melancholische Mädchen"Ein Filmstill aus dem Film "Das melancholische Mädchen". (© Salzgeber Filmverleih)

Ein namenloses Mädchen irrt durch die Stadt auf der Suche nach einem Schlafplatz. Auf ihrem Weg begegnet sie Menschen, Situationen, die aus unserer aller Alltag ausgeschnitten sein könnten – nur etwas überzeichnet. Da wird online-gedatet, psychotherapisiert, Mutter-Kind-Yoga praktiziert. Und bei all dem darf das Happy-Gesicht nicht fehlen. Nur ist das melancholische Mädchen eben nicht happy, sondern melancholisch. Darin könnte Widerständigkeit liegen. Bloß scheint selbst die Melancholie vereinnahmt vom System: das melancholische Mädchen ist der Inbegriff der Sexyness des "Egal", einer aus der großen Schuld des individuellen Scheiterns hervordringenden Depression (denn wer sonst könnte die Verantwortung tragen, wenn es mal nicht so läuft, wie es das perfekte Lebenslauf-Streben diktiert?).

In ihrem Regiekommentar konstatiert Susanne Heinrich in Bezug auf ihre Motivation für ihren Debütfilm:

    "Tatsächlich habe ich durch die Arbeit am "melancholischen Mädchen" selbst aufgehört, eins zu sein. Der Schlüssel war Entpsychologisierung. Statt überall einzigartige, individuelle Stories zu sehen wurde ich aufmerksam für Strukturen. Unsere oft so alternativlos erscheinenden neoliberalen Verhältnisse kamen mir auf einmal wie eine absurde Möglichkeit unter vielen vor – und damit veränderbar. Wenn der Film es schafft, dieses Unbehagen, von dem ich sicher bin, dass viele es teilen, produktiv zu machen, bin ich – naja, happy."
Ist es so, dass der Neoliberalismus mit seinem Fokus auf das Individuum als "Unternehmer seiner selbst" blind macht für Strukturen? Wie kann man diesen Strukturen beikommen und welche Alternativen gibt es? Die Rapperin Sookee findet ihre Antwort in einem Ausstieg und kehrt dem Musikbusiness den Rücken: "Dass der Feminismus ein Business geworden ist, ist nicht die Schuld des Feminismus. Kapitalismus ist ein alles vereinnahmendes System. Man kann selbst den Antikapitalismus kapitalisieren", gibt sie in einem Interview als Antwort.

Ausgehend von DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN diskutieren wir
  • mit der Regisseurin Susanne Heinrich,
  • der Rapperin Sookee
  • und dem Medienwissenschaftler Prof. Dr. Jens Schröter
über den Zustand der aktuellen Gesellschaft im Hinblick auf Schlüsselwörter wie Selbstoptimierung oder Selbstausbeutung, ein zunehmendes Unbehagen ob der Mechanismen des Kapitalismus, und möchten am Ende etwas naiv fragen: Gibt es eine Gesellschaft nach dem Kapitalismus?

Die Moderation führt Sonja Eismann, Redakteurin des Missy Magazin.

Die Veranstaltung wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und ist Teil des Bildungsprogramms zur Ausstellung "Wir Kapitalisten! Von Anfang bis Turbo" (in Kooperation zwischen Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland).


Weitere Termine dieser Filmreihe sind der 31.03.2020 mit METROPOLIS - das Urbild der kapitalistischen Stadt? und der 22.04.2020 mit DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN - Eine Zustandsbeschreibung.

Termin

22.04.2020, von 19:30 bis 22:00

Ort

Bundeskunsthalle Bonn
Helmut-Kohl-Allee 4
53113 Bonn

Für

Interessierte Öffentlichkeit, Bürger/-innen

Veranstalter

Stiftung Deutsche Kinemathek

Anmeldung

Teilnahmegebühr:
7,00 Euro über Bonnticket
6,00 Euro am Ticketschalter der Bundeskunsthalle

Tickets über bonnticket oder am Ticketschalter der Bundeskunsthalle Bonn

Kontakt

Wenn Sie ein Bildungsprogramm zur Ausstellung bestellen möchten, senden Sie bitte eine E-Mail an lisa.philippen@bpb.de.

Pressekontakt

Journalistinnen und Journalisten wenden sich bitte an die Pressestelle.



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