Zahlen und Fakten: Globalisierung
20.7.2020

Armut trotz Arbeit

Arbeitende Personen mit weniger als 1,90 bzw. 3,20 US-Dollar pro Tag, in absoluten Zahlen und in Prozent, 1991 bis 2018

Armut trotz Arbeit

Quelle: Copyright © 2020 International Labour Organization (ILO): Employment by economic class, sex and age, Share of employment by economic class, sex and age in total employment

Viele Menschen sind trotz Erwerbstätigkeit arm. Personen, die vom Problem 'Armut trotz Arbeit' betroffen sind, werden auch als 'working poor' bezeichnet. Im Jahr 2018 lebten in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten 651 Millionen arbeitende Personen in Haushalten mit einem Einkommen von unter 3,20 US-Dollar pro Tag und Kopf – im Jahr 2005 waren es noch 1,1 Milliarden. Bezogen auf die Beschäftigten insgesamt hat sich der Anteil der 'working poor' in fast allen Weltregionen reduziert. Dennoch ist in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten immer noch knapp ein Viertel der Beschäftigten trotz Arbeit arm (23,7 Prozent). Dabei sind die Regionen subsaharisches Afrika und Südasien besonders betroffen: Der Anteil der 'working poor' an allen Beschäftigten lag 2018 bei 62,9 bzw. 40,9 Prozent.

Fakten

Hinweis: Nach gegenwärtigem Stand wird die Corona-Pandemie erheblichen Einfluss auf die Zahl der 'working poor' haben. Eine Veröffentlichung der Weltbank zu diesem Thema (Juni 2020) finden Sie hier:
https://blogs.worldbank.org/opendata/updated-estimates-impact-covid-19-global-poverty

Nach Angaben der International Labour Organization (ILO) lag die Zahl der arbeitenden Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 1,90 US-Dollar pro Tag und Kopf leben, im Jahr 2018 weltweit bei 241 Millionen – im Jahr 2005 lag die entsprechende Zahl noch bei 525 Millionen, 1991 noch bei 754 Millionen. Allein für den Zeitraum 2005 bis 2018 entspricht das einem Rückgang um 284 Millionen Personen bzw. um 54,1 Prozent.

In Haushalten mit einem Einkommen von unter 3,20 US-Dollar pro Tag und Kopf lebten im Jahr 2018 weltweit 651 Millionen arbeitende Personen. Auch diese Zahl ist seit dem Jahr 2005 deutlich zurückgegangen – insgesamt um 439 Millionen (minus 40,3 Prozent). Werden ausschließlich die arbeitenden Personen betrachtet, die in Haushalten mit einem Einkommen zwischen 1,90 US-Dollar und unter 3,20 US-Dollar pro Tag und Kopf leben, lag der Rückgang zwischen dem Jahr 2005 und 2018 bei 155 Millionen Personen (minus 27,4 Prozent).

Das subsaharische Afrika und die arabischen Staaten (ohne Nordafrika) sind die einzigen beiden Regionen, in denen die absolute Zahl der 'working poor' zwischen 2005 und 2018 gestiegen ist (3,20 US-Dollar-Grenze: +39,4 Mio. / +5,5 Mio.). Relativ zu den insgesamt Beschäftigten ging der Anteil der 'working poor' auch im subsaharischen Afrika zurück, da die Zahl der insgesamt Beschäftigten schneller wuchs als die Zahl der 'working poor'. Hingegen erhöhte sich in den arabischen Staaten (ohne Nordafrika) der Anteil der 'working poor' (3,20 US-Dollar-Grenze) an der Gesamtbeschäftigung zwischen 2005 und 2018 von 8,3 auf 15,4 Prozent.

Der Anteil der arbeitenden Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 1,90 US-Dollar pro Tag und Kopf leben, an den Beschäftigten in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten verringerte sich kontinuierlich von 40,6 Prozent im Jahr 1991 auf 8,8 Prozent im Jahr 2018. Bei einem Einkommen von unter 3,20 US-Dollar sank der entsprechende Wert im selben Zeitraum von 66,0 auf 23,7 Prozent. Vor allem Ostasien (insbesondere China) hat einen großen Anteil an dieser Entwicklung: Hier reduzierte sich der Anteil der arbeitenden Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 3,20 US-Dollar pro Tag und Kopf leben, zwischen 1991 und 2018 von 80,5 auf 6,2 Prozent.

Von allen Beschäftigten, deren haushaltsgewichtetes Einkommen im Jahr 2018 unter der 3,20 US-Dollar-Grenze lag, lebten 41,2 Prozent in Südasien, 36,2 Prozent im subsaharischen Afrika, 8,3 Prozent in der Region Süd-Ostasien und Pazifik sowie 8,0 Prozent in Ostasien. 6,4 Prozent entfielen auf die verbleibenden Regionen. Relativ zur jeweiligen Gesamtzahl der Beschäftigten ist das subsaharische Afrika am stärksten vom 'Armut trotz Arbeit'-Problem betroffen: Bezogen auf die 3,20 US-Dollar-Grenze waren hier 2018 knapp zwei Drittel der Beschäftigten trotz Arbeit arm (62,9 Prozent). In Südasien waren es zwei von fünf Beschäftigten (40,9 Prozent). Auch bei der 1,90 US-Dollar-Grenze waren die Werte im subsaharischen Afrika (37,2 Prozent) und in Südasien (10,3 Prozent) am höchsten. Allerdings folgten hier mit relativ kleinem Abstand die arabischen Staaten mit 7,8 Prozent (ohne Nordafrika).

Viele 'working poor' arbeiten im informellen Sektor, also in einem meist schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnis ohne regulären Vertrag, ohne soziale Sicherung und ohne ausreichenden Arbeitsschutz. Ein besonderes Problem des informellen Sektors ist die Kinderarbeit. Die ILO geht davon aus, dass im Jahr 2016 weltweit 152 Millionen Kinder Kinderarbeit geleistet haben, darunter knapp die Hälfte Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren. Bezogen auf die einzelnen Welt-Regionen war in Afrika sowohl die absolute Zahl arbeitender Kinder als auch der relative Anteil der Betroffenen am höchsten: Knapp ein Fünftel der 5- bis 17-Jährigen haben Kinderarbeit geleistet (19,6 Prozent / 72 Millionen Kinder).

Das Problem 'Armut trotz Arbeit' ist nicht auf die ökonomisch sich entwickelnden Staaten begrenzt. In den ökonomisch entwickelten Staaten gelten diejenigen als 'working poor', deren Einkommen trotz Erwerbstätigkeit unter der jeweiligen Armutsschwelle liegt. So gehörten beispielsweise in den USA nach Angaben des U.S. Department of Labor bzw. des U.S. Bureau of Labor Statistics im Jahr 2017 6,9 Millionen Erwerbstätige zur Gruppe der 'working poor'. Weiter lebten 3,9 Millionen Familien unterhalb der offiziellen Armutsgrenze, obwohl mindestens ein Familienmitglied mehr als die Hälfte des Jahres Arbeit hatte. In Deutschland waren im Jahr 2017 9,1 Prozent aller Erwerbstätigen trotz Arbeit armutsgefährdet. 2005 lag dieser Wert noch bei 5 Prozent (Vollzeitbeschäftigte: 4 Prozent, Teilzeitbeschäftigte: 8 Prozent).

Datenquelle

Copyright © 2020 International Labour Organization (ILO): Employment by economic class, sex and age, Share of employment by economic class, sex and age in total employment; Copyright © 2017 International Labour Organization (ILO): Global estimates of child labour: Results and trends, 2012-2016; U.S. Department of Labor, U.S. Bureau of Labor Statistics: A Profile of the Working Poor, 2017; Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Grundsätzlich wird zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden: Verallgemeinert bezeichnet die absolute Armut einen Zustand, in dem die Grundversorgung nicht gegeben ist. Dies betrifft alle Haushalte, in denen das gewichtete Einkommen unter 3,20 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf liegt. Von extremer Armut wird gesprochen, wenn das gewichtete Haushaltseinkommen weniger als 1,90 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf beträgt.

Von relativer Armut sind Personen betroffen, deren Einkommen unter der jeweiligen Armutsschwelle liegt – beispielsweise liegt diese Schwelle in Deutschland bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. Dabei berücksichtigt die Einkommensberechnung sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte, die durch das Zusammenleben entstehen. Die Einkommen werden also gewichtet. Weitergehende Informationen zur Ermittlung des verfügbaren Einkommens bzw. des sogenannten Äquivalenzeinkommens finden Sie hier...

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO – International Labour Organization) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN – United Nations). Sie wurde im Jahr 1919 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Genf. Die ILO verfügt über eine dreigliedrige Struktur: Die 187 Mitgliedstaaten sind durch Repräsentanten sowohl von den Regierungen als auch von Seiten der Arbeitnehmer und Arbeitgeber in den Organen der ILO vertreten.

Weitere Informationen zum Thema Kinderarbeit finden Sie hier...

Armut trotz Arbeit

Arbeitende Personen mit weniger als 1,90 bzw. 3,20 US-Dollar pro Tag, in absoluten Zahlen und in Prozent, 1991 bis 2018

Arbeitende Personen in Haushalten mit einem
Einkommen von unter 1,90 US-Dollar (Kaufkraft)
pro Tag und Kopf
1991 1995 2000 2010 2015 2018
Anzahl, in Mio.
ökonomisch
sich entwickelnde Staaten
753,5 724,8 688,6 425,5 262,0 241,1
davon:
Südasien 168,9 179,3 185,4 141,2 85,6 67,6
subsaharisches Afrika 103,4 118,4 130,4 137,3 136,3 139,4
Süd-Ostasien und Pazifik 77,7 73,9 66,1 28,9 16,5 11,4
Ostasien 374,4 326,6 277,4 102,3 9,7 7,3
Lateinamerika und Karibik 18,7 15,7 17,9 8,9 6,4 7,3
Zentral- und Westasien 5,6 5,9 7,8 5,3 3,9 3,4
arabische Staaten
(ohne Nordafrika)
0,5 0,4 0,2 0,3 2,8 4,1
Nordafrika 2,6 2,5 2,2 1,3 0,9 0,8
Osteuropa 1,4 2,0 1,2 0,0 0,0 0,0
Europa (ohne Osteuropa) 0,3 0,2 0,0 0,0 0,0 0,0
Anteil an allen Beschäftigten, in Prozent
ökonomisch
sich entwickelnde Staaten
40,6 36,4 31,8 16,9 9,8 8,8
davon:
Südasien 41,8 40,3 36,9 23,6 13,6 10,3
subsaharisches Afrika 57,1 58,3 56,1 45,2 39,5 37,2
Süd-Ostasien und Pazifik 39,7 34,2 27,4 10,0 5,3 3,5
Ostasien 53,3 44,2 35,8 12,6 1,2 0,9
Lateinamerika und Karibik 11,3 8,6 8,9 3,5 2,3 2,5
Zentral- und Westasien 12,5 13,0 16,8 9,4 6,2 5,0
arabische Staaten
(ohne Nordafrika)
2,8 1,7 0,9 0,8 5,6 7,8
Nordafrika 7,5 6,6 5,0 2,2 1,4 1,2
Osteuropa 1,3 2,1 1,3 0,0 0,0 0,0
Europa (ohne Osteuropa) 5,1 2,7 0,3 0,1 0,0 0,0
Arbeitende Personen in Haushalten mit einem
Einkommen von unter 3,20 US-Dollar (Kaufkraft)
pro Tag und Kopf
1991 1995 2000 2010 2015 2018
Anzahl, in Mio.
ökonomisch
sich entwickelnde Staaten
1.223,4 1.246,6 1.250,0 940,6 701,3 651,2
davon:
Südasien 312,6 338,7 367,7 366,8 297,6 268,1
subsaharisches Afrika 139,0 157,4 178,7 212,9 225,0 235,8
Süd-Ostasien und Pazifik 131,5 132,9 142,5 92,0 70,2 53,9
Ostasien 565,2 541,9 485,4 221,4 67,4 51,8
Lateinamerika und Karibik 39,2 37,0 39,9 25,1 19,7 20,1
Zentral- und Westasien 13,5 13,4 15,2 10,0 8,0 7,1
arabische Staaten
(ohne Nordafrika)
3,1 2,9 2,4 3,1 6,6 8,1
Nordafrika 10,7 11,6 10,2 9,1 6,6 6,2
Osteuropa 7,9 10,5 7,8 0,2 0,1 0,1
Europa (ohne Osteuropa) 0,7 0,4 0,2 0,0 0,0 0,0
Anteil an allen Beschäftigten, in Prozent
ökonomisch
sich entwickelnde Staaten
66,0 62,7 57,7 37,4 26,3 23,7
davon:
Südasien 77,3 76,2 73,2 61,4 47,3 40,9
subsaharisches Afrika 76,7 77,5 76,8 70,1 65,2 62,9
Süd-Ostasien und Pazifik 67,2 61,6 59,0 31,9 22,5 16,7
Ostasien 80,5 73,3 62,6 27,3 8,2 6,2
Lateinamerika und Karibik 23,8 20,4 19,8 9,9 7,2 7,1
Zentral- und Westasien 29,9 29,6 33,0 17,9 12,7 10,6
arabische Staaten
(ohne Nordafrika)
16,3 13,1 9,0 7,5 13,3 15,4
Nordafrika 31,1 30,8 23,4 15,4 10,7 9,8
Osteuropa 7,7 11,2 8,5 0,2 0,1 0,1
Europa (ohne Osteuropa) 10,0 6,2 2,5 0,7 0,4 0,3

Quelle: Copyright © 2020 International Labour Organization (ILO): Employment by economic class, sex and age, Share of employment by economic class, sex and age in total employment




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