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Wirtschaft im Schock

Auswirkungen von Grenzöffnung und deutscher Vereinigung auf die DDR-Wirtschaft


15.11.2010
Wettbewerb, Angebot, Löhne: Mit der Währungsunion 1990 musste auch der wirtschaftliche Strukturwandel im Osten umfassend und schnell erfolgen. In der Unternehmenslandschaft hat dies deutliche Spuren hinterlassen, die heute noch klar zu erkennen sind.
Ostdeutsche Geldscheine und Münzen: Die Einführung der D-Mark 1990 führte zu einer schockartigen Transformation der ostdeutschen Wirtschaft.Ostdeutsche Geldscheine und Münzen: Die Einführung der D-Mark 1990 führte zu einer schockartigen Transformation der ostdeutschen Wirtschaft. (© AP)

1. Der Transformationsschock



Die mit der deutschen Vereinigung einhergehende Marktöffnung im Jahr 1990 war in vielerlei Hinsicht mit abrupten Veränderungen der Rahmenbedingungen für die ostdeutsche Wirtschaft verbunden. Dies hatte zur Folge, dass der wirtschaftliche Strukturwandel in Ostdeutschland sehr umfassend und sehr schnell erfolgte. Das erforderte enorme Anpassungsleistungen, die nur teilweise gelangen. Bei näherer Betrachtung lassen sich verschiedene Arten solcher schockartig eintretenden Brüche unterscheiden, die sich in unterschiedlicher Weise auf die ostdeutsche Wirtschaft auswirkten.

2. Der Wettbewerbsschock



Bereits die Öffnung der innerdeutschen Grenze für ostdeutsche Besucher im November 1989 war mit einer erheblichen Verschärfung des Wettbewerbs für ostdeutsche Betriebe verbunden. Mit der Währungsunion am 1. Juli 1990 und der formellen Vereinigung am 3. Oktober 1990 hatten Anbieter aus anderen Ländern schlagartig ungehinderten Zugang zum ostdeutschen Markt, was für die in der DDR ansässigen Anbieter zu einem Nachfrage- und Produktionsrückgang dramatischen Ausmaßes führte. So sank die Industrieproduktion im Jahr 1991 auf 35 Prozent des Wertes von 1989. Auch die Nachfrage aus anderen osteuropäischen Ländern, die bis dahin die bevorzugten Handelspartner waren, brach weitestgehend zusammen. Dies lag an dem Tauschkurs zwischen Ostmark und D-Mark im Zuge der deutschen Währungsunion, der nicht den wahren Wert der Ostmark widerspiegelte und dadurch die Produkte für die osteuropäischen Handelspartner massiv verteuerte. Die osteuropäischen Handelspartner mussten die Waren nun in DM und nicht mehr in Ostmark bezahlen. Für den Tausch einer DM mussten seitens der osteuropäischen Handelspartner jedoch wesentlich mehr Einheiten der jeweiligen Landeswährung aufgebracht werden als für eine Ostmark.

Auch die Nachfragestruktur änderte sich mit der Marktöffnung grundlegend. Hatten die ostdeutschen Firmen vor dem Systemumbruch vorwiegend Massenware gefertigt, so wurde die Nachfrage nun wesentlich differenzierter und vor allem anspruchsvoller, denn die Kunden konnten auf qualitativ hochwertige andere Erzeugnisse ausweichen. Um überhaupt etwas verkaufen zu können, war es für viele ostdeutsche Betriebe notwendig, sehr schnell die Qualität der Produkte zu verbessern oder völlig neue Produkte zu entwickeln. Zudem galt es, neue Abnehmerkreise im ehemals weitgehend unzugänglichen Westen zu erschließen.
Beschäftigungsentwicklung in Ostdeutschland zwischen 1989 und 2006.Beschäftigungsentwicklung in Ostdeutschland zwischen 1989 und 2006. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


3. Der Angebotsschock



Die DDR-Betriebe waren durch eine außerordentlich hohe Fertigungstiefe gekennzeichnet, anders formuliert: Ein Betrieb fertigte das Produkt in Gänze weitgehend selbst. Dies kann im Wesentlichen auf zwei Ursachen zurückgeführt werden. Zum einen machte ein hoher Anteil an Eigenfertigung die Betriebe weitgehend unabhängig von Zuliefer-Engpässen, die aufgrund von Fehlplanungen innerhalb der Zentral-
verwaltungswirtschaft häufig auftraten. Zum anderen ergab sich die hohe Fertigungstiefe daraus, dass die extern verfügbaren Vorleistungen meist von niedriger Qualität und in nur geringem Maße auf die Erfordernisse der Betriebe zugeschnitten waren. Dies ließ häufig aufwendige Bearbeitungsschritte notwendig werden.

Durch die mit der deutschen Vereinigung einhergehende Marktöffnung sahen sich die ostdeutschen Betriebe einem wesentlich differenzierteren Angebot an hochwertigen Vorprodukten bzw. Vorleistungen gegenüber, das grundlegende Veränderungen im Produktionsprozess erforderte. Da sich die Eigenfertigung unter diesen Bedingungen häufig als nicht profitabel erwies, mussten viele Betriebe ihre Fertigungstiefe wesentlich reduzieren. Konkret führte dies zur Schließung ganzer Fertigungsstufen und zu einem entsprechenden Beschäftigungsabbau (Vgl. Abbildung "Beschäftigungsentwicklung in Ostdeutschland zwischen 1989 und 2006").


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