"La Sarraz" – Mediencollage von Lutz Dammbeck, Kulturhaus "Nationale Front“, Leipzig, 24. Juni 1984

Autonome Kunst in der DDR

Über zwanzig Jahre nach dem Ende der DDR ist kaum eine Kunstentwicklung - die offizielle wie die unabhängige Ausstellungskultur - so ausführlich und gründlich dokumentiert worden wie die des zweiten deutschen Staates. In der Öffentlichkeit besonders bekannt für die Schaffung von Freiräumen für Kunst außerhalb der staatlichen Strukturen ist die heute sehr erfolgreich und international operierende Galerie Eigen+Art.
Dieses Dossier zeigt, dass es eine Vielzahl sich autonom verstehender Kunstszenen in der DDR gab und die Eigen+Art nur ein Teil davon war. Dabei wird auch klar, dass diese autonomen Kunstszenen keine Horte künstlerischen Widerstands waren oder Orte der Einheit von Revolution, Kunst und Leben. Vielmehr müssen die offizielle Repräsentationskultur und die "alternative", "andere" oder "zweite" Kultur in der DDR "eng zusammen, als interferierendes Gleichzeitiges" (Uwe Kolbe) gedacht werden. Das Dossier widmet sich einigen wichtigen Ausstellungsräumen, Projekten und Initiativen sowie den Vermittlern und Protagonisten. Der Zeitraum beschränkt sich in erster Linie auf die Jahre 1970 bis 1990.
Das Dossier enthält allgemeine Essays zum Thema Autonome Kunst in der DDR und Artikel zu den einzelnen Orten, die in der autonomen Kunstszene der DDR eine Rolle gespielt haben. Einen besonders spannenden Einblick bieten die zahlreichen Fotos aus der Zeit, die die Vielfalt der Kunstszene in der DDR anschaulich dokumentieren.

Die DDR-Kunst im Kontext von Geschichte, Politik und Gesellschaft

Kunst wurde in der offiziellen Kulturpolitik des Arbeiter- und Bauernstaats DDR als „symbolische Lösung“ gesellschaftlicher Widersprüche angesehen. Sie hatte marxistisch-leninistisches Geschichtsverständnis zu illustrieren und diente der moralischen, politischen und ästhetischen Erziehung der Bevölkerung.

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Die Herausbildung der alternativen Kunstszene in der DDR

Zwei Faktoren beflügelten die Entstehung alternativer künstlerischer Milieus in der DDR: der Mauerbau 1961 und das neue antiautoritäre Denken im Gefolge der 1968er-Bewegung.

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Johannes Kühl bei einer Eröffnungsansprache, Kunstausstellung Kühl, Dresden, 1987
Foto: Matthias Creutziger

Die Vorgeschichte der selbstbestimmten Ausstellungskultur 1945 - 1970

Der einst vielfältige private Antiquariats-, Antiquitäten- und Kunsthandel im Osten Deutschlands war nach dem Krieg fast vollständig zum Erliegen gekommen. Daran änderte sich nach der Gründung der DDR bis in die 1970er Jahre wenig. Auch die Möglichkeiten für Künstler, ihre Werke auszustellen, blieben sehr begrenzt.

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Ausstellung „Menetekel“ von Micha Brendel, Else Gabriel, Via Lewandowsky, Galerie Nord, Dresden, 1989, Foto: Micha Brendel

Selbstbestimmte Kunst in offiziellen Ausstellungsinstitutionen 1970-1990

Die Liberalisierung der DDR-Kulturpolitik und der deutsch-deutschen Beziehungen nach der Unterzeichnung des Grundlagenvertrages Anfang der 1970er Jahre beförderten endlich auch die Rezeption der Moderne in der DDR.

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Unabhängige Literatur in der DDR

Die Liaison von bildender Kunst und Literatur in der DDR war bedeutend für die Entstehung selbstbestimmter Öffentlichkeiten jenseits staatlicher Einflussnahme in den 1970er und 1980er Jahren.

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Gabriel, Lybke, Herold, O. Nicolai

Videointerviews

Für seinen Dokumentarfilm "Die Behauptung des Raums" (2009) hat Claus Löser zahlreiche Protagonisten unangepasster DDR-Kunst interviewt. Hier finden Sie Auszüge aus Interviews mit Künstlern, Galeristen und Schriftstellern.

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Orte autonomer Kunst in:

Abk. für Orte autonomer Kultur in Berlin

Berlin

Zu den wichtigsten Orten nichtideologischer Kunstproduktion in Ost-Berlin zählten die Berliner Galerie Arkade und die EP Galerie von Jürgen Schweinebraden.

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Abkürzung für Orte autonomer Kunst in Dresden

Dresden

Die Hochschule für Bildende Künste und das Leonhardi-Museum boten in Dresden Freiraum für autonome Kunst - zum Beispiel für die "Autoperforationsartisten" oder die Künstlergruppe "Lücke" von A.R. Penck.

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Abkürzung für Orte autonomer Kunst und Kultur in Karl-Marx-Stadt

Karl-Marx-Stadt

Die bedeutendsten Orte freien und alternativen Schaffens in Karl-Marx-Stadt waren die Galerie Oben und die Produzentengalerie "Clara Mosch". Nach der Schließung der Galerie "Clara Mosch" wurden von der Mosch-Gruppe geplante Ausstellungen in der Galerie Oben gezeigt.

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Orte autonomer Kunst in Erfurt, Jena und Weimar

Thüringen

Erfurt, Jena und Weimar waren wichtige Städte der künstlerischen Opposition und Gegenkultur in Thüringen. Besonders die "Erfurter Ateliergemeinschaft" stellte ein bis dahin in der DDR beispielloses Modell selbstbestimmter Produktions- und Künstlergalerien dar.

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Abkürzung für Orte autonomer Kunst in Leipzig

Leipzig

Die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig war zugleich das Lehrinstitut des Sozialistischen Realismus und ein Hort für Gegenentwürfe zur vorgegeben Programmatik. Gerd Harry "Judy" Lybke begannn dort 1983 Modell zu stehen und eröffnete kurz darauf die Galerie Eigen+Art, die bis heute internationale Bedeutung besitzt.

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Online-Angebot

Jugendopposition in der DDR

Ausgezeichnet mit Grimme Online Award: Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Videos, Fotos und Dokumenten.

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Deutschland Archiv

"Deutschland Archiv Online" bietet wissenschaftlich fundierte, allgemein verständliche Beiträge zur gemeinsamen deutschen Nachkriegsgeschichte und ihrer Aufarbeitung, zum deutschen Einigungsprozess im europäischen Kontext sowie zur Erinnerungs- und Gedenkkultur.

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Dossier

Ostzeit

Die Fotografen der Agentur Ostkreuz erzählen in ihren Bildern Geschichten aus einem vergangenen Land – authentisch und ungeschönt. Sie zeigen den Alltag, die Arbeit und die Menschen hinter der DDR.

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Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart: Wirklichkeit wird geschönt, Kritik unterdrückt, Oppositionelle werden verfolgt und gebrochen. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Am 15. Januar 1990 entmachteten sie endgültig das "Werkzeug" zur Machterhaltung der damals totalitär regierenden Sozialistischen Einheitspartei SED. Dieses Dossier der bpb beleuchtet zahlreiche Aspekte des Stasi-Wirkens mit Hilfe von Analysen, Filmen, MfS-Dokumenten sowie Interviews mit Opfern und Tätern.

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