Luther-Denkmal in Wittenberg

Reformation: Luthers Thesen und die Folgen
Deutsche Geschichte im Zeichen der konfessionellen Polarisierung 1517-1648

Vor 500 Jahren, am 31. Oktober 1517, schlägt Martin Luther seine 95 Thesen zur Ablasspraxis an die Wittenberger Schlosskirche. Die symbolträchtige Szene wirkt bis heute fort – auch wenn sie so wohl nie stattgefunden hat. Mit der Reformation beginnt ein Zeitalter der konfessionellen Polarisierung, an dessen Ende Mitteleuropa durch den Dreißigjährigen Krieg von 16-17 Millionen auf zehn Millionen Menschen geschrumpft sein wird.

Dass das christliche Abendland in mehrere Konfessionen zerfiel, hatte nicht nur religiöse Auswirkungen, es prägte auch die Kultur sowie die Landes- und Reichspolitik. Auf ihrem langen Weg vom mittelalterlichen Personenverband zum modernen institutionalisierten, durchbürokratisierten Flächenstaat erfuhr die Gemeinschaftsbildung "Staat" durch ihre innige Verschmelzung mit der Konfession einen Modernisierungsschub. Welche Voraussetzungen hatte die Reformation? Was waren wichtige Stationen? Und wie wirkt sie heute fort?

Ablasshandel. Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert.

Ideen- und mentalitätsgeschichtliche Voraussetzungen

Kirche im ausgehenden Mittelalter

Seit dem 11. Jahrhundert hatte sich die Kirche mehr und mehr in eine Klerikerkirche verwandelt, Laien waren konsequent abgedrängt worden. Aus dem Papsttum war ein Renaissancefürstentum geworden, die Päpste agierten als Politiker. Alle Leistungen der Kurie bekamen Geldwert. Weiter...

Der sogenannte Thesenanschlag, Bild von Ferdinand Pauwels.

Schlaglicht 1517: der sogenannte Thesenanschlag

Mit dem 31. Oktober 1517 beginnt die Reformationsgeschichte: Martin Luther schlägt seine 95 Thesen mit kritischen Fragen an die Ablasspraxis an die Wittenberger Schlosskirche. Auch wenn diese Szene so wohl nie stattgefunden hat, ihre Symbolkraft wirkt bis heute fort. Weiter...

Einer der "Protestanten" von 1529: Johann der Beständige, Kurfürst von Sachsen (1525-32); Porträt mit Lobgedicht.

Schlaglicht 1529: die "Protestation"

Protestiert wurde an Reichstagen häufig und gegen alles Mögliche. Die Reichstagsarbeit stand in einem Spannungsverhältnis zwischen dem Majoritätsprinzip und der Auffassung, Angelegenheiten, die alle Reichsstände beträfen, seien tunlichst auch von allen zu billigen. Die "protestacion" vom 20. April 1529 war dennoch etwas ganz besonderes. Weiter...

Der Augsburger Religionsfrieden, Flugblatt zum 100jährigen Jubiläum 1655.

Schlaglicht 1555: der Erste Religionsfrieden

Auf den Fürstenkrieg folgte der vor allem im Fränkischen zerstörerische und sehr blutige Markgrafenkrieg. Der Leidensdruck wuchs und wuchs, viele Reichstagsteilnehmer von 1555 bangten um "land und leut", fast alle um die Fortexistenz des Reichsverbands. Und Karl V. zog sich sukzessive aus der Politik zurück. All das waren die Voraussetzungen für den Ersten Religionsfrieden. Weiter...

Bildnis Martin Luthers auf dem Totenbett. Gemälde, Wittenberg, 1546, von L.Cranach d.Ä. (1472-1553).

Es gibt nicht "den" Protestantismus

Sind gute Werke fürs ewige Heil notwendig oder reicht der Glaube? Über diese und weitere Fragen stritten sich die Anhänger Luthers fast eine Generation lang. Die große Gründergestalt konnte nicht mehr schlichten oder entscheiden. Eine fortschreitende Konfessionalisierung und zunehmende dogmatische Fixierung des Glaubens waren die Folgen. Weiter...

Prager Fenstersturz 1618 aus katholischer Sicht. Votivbild des Wilhem von Slavata
(Darstellung der Rettung der Statthalter Slavata u.Martinitz durch die Gottesmutter).Gemälde, um 1620, anonym.

Deutschlands großer Konfessionskrieg

In nie dagewesener Weise hat der Dreißigjährige Krieg Europa verheert. Es schrumpfte von vormals 16-17 Millionen Einwohnern auf rund zehn. Sein Ende markiert der Westfälische Frieden von 1648 als Zweiter Religionsfrieden. Denn der Dreißigjährige Krieg war ein Konfessionskrieg um die Lesarten des Ersten Religionsfriedens. Weiter...

Sitzung des Reichtages in Regensburg unter Kaiser Ferdinand I. (1556-64). Radierung von Jost Amman (1539-1591).

Wie funktionierte das Alte Reich?

Ewiger Landfrieden, Reichskreise, Reichstag: Um 1500 bekam das "Alte Reich" in vielerlei Hinsicht neue Gestalt. Als System zwischen Staatenbund und Bundesstaat prägte das Reich der frühen Neuzeit ein Föderalismus, der es bis heute überdauert hat. Weiter...

Der kunstvolle Einband einer Luther-Bibel aus dem Jahr 1534 ist am 26.10.2016 in der St. Gertraud-Kirche in Frankfurt (Oder) zu sehen.

Populäre Irrtümer rund um die Reformation

War die Reformation eine Bewegung für Glaubens- und Meinungsfreiheit? Hat Luther die Bibel als erster ins Deutsche übersetzt? Und förderte die Reformation den "kapitalistischen Erwerbsgeist"? Weiter...

 

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