"Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig.

6.4.2005 | Von:
Deutsche Geschichten

Der Zweite Weltkrieg

"Totaler Krieg" und Anti-Hitler Bündnis

Bereits mit dem Scheitern des "Blitzkriegs" gegen die Sowjetunion im Herbst 1941 bzw. mit den alliierten Gegenoffensiven im Herbst 1942 hatte sich die militärische Wende des Krieges vollzogen, auch wenn sich tatsächlich erst mit dem Fall von Stalingrad im Januar/Februar 1943 das Gefühl einstellte, die Vernichtung der sechsten Armee könnte der Anfang vom Ende sein. Zudem hatte sich der Krieg mit dem Kriegseintritt der USA in globale Dimensionen ausgeweitet. Mit der deutschen Kriegserklärung an die USA hatte Hitler zu erkennen gegeben, daß er trotz des Scheiterns seiner "Blitzkriegstrategie" im Osten nicht gewillt war, eine politische Lösung des Krieges herbeizuführen. Vielmehr versuchte er, die kurze Phase bis zum voraussichtlichen militärischen Eingreifen der USA, das sich zunächst gegen Japan wenden würde, auf dem europäischen Kontinent zu nutzen, um doch noch einen Sieg über die Sowjetunion zu erreichen. Damit aber nahm die Risikopolitik Hitlers dramatische Formen an und das NS-Regime manövrierte sich dadurch in immer größere Termin- und Handlungszwänge. Denn trotz der vorübergehenden Siegeshoffnungen im Sommer 1942, als deutsche Truppen bis an den Kaukasus, an die Wolga und die ägyptische Grenze vorstießen, konnte Deutschland schon längst nicht mehr das militärische Geschehen aktiv bestimmen.

Zur selben Zeit formierte sich die Anti-Hitler-Koalition, die vor allem auf der Konferenz von Casablanca im Januar 1943 mit der Forderung nach einer "bedingungslosen Kapitulation" Deutschlands zum einen ihre Kriegsziele formulierte, zum anderen ihre innere Geschlossenheit herstellte. Mit der Entscheidung der angelsächsischen Mächte, zunächst Deutschland niederzuwerfen, rückte der europäische Kontinent wieder in den Blickpunkt des globalen Geschehens. Als im Sommer 1943 an der Ostfront die deutsche Offensive im Mittelabschnitt bei Kursk aufgrund mangelnder Durchschlagskraft und der alliierten Landung in Sizilien abgebrochen werden musste, war die militärische Initiative auf die Sowjets übergegangen. Im August 1944 waren die deutschen Truppen schließlich auf die Ausgangsstellung von 1941 zurückgedrängt. Nachdem auch an der Südfront im Frühsommer 1943 mit der Kapitulation der deutschen und italienischen Verbände in Afrika bzw. der Landung der Alliierten in Italien am 10. Juli 1943 sich die militärische Wende abgezeichnet hatte, rückte die Westfront immer deutlicher in das Zentrum der deutschen Strategie.

Das "Freie Frankreich" war von der französischen Widerstandsbewegung unter Charles de Gaulle proklamiert worden und besaß seine Machtpositionen zunächst in den französischen Kolonien, vor allem in Nordafrika und in der Emigration. Die deutsche Führung hatte sich daraufhin zur Besetzung der bisher unbesetzten, nur von der Vichy-Regierung kontrollierten Zonen im Süden Frankreichs am 11. November 1942 veranlasst gesehen. Auch der Staatsstreich in Italien am 25. Juli 1943, bei dem Mussolini abgesetzt wurde, signalisierte das nahende Ende der Faschismen und einen Frontwechsel der neuen italienischen Regierung unter Pietro Badoglio. Obwohl mit der alliierten Landung in Nordafrika am 8. November 1942 und der Eroberung Siziliens am 10. Juli 1943 der Weg über Südeuropa offen schien, begann die militärische Befreiung des europäischen Kontinents von der nationalsozialistischen Herrschaft mit voller Wucht erst durch die Invasion der Westalliierten in der Normandie am 6. Juni 1944. In Erwartung dieser Invasion hatte die deutsche Führung ihre militärische Hauptstoß- kraft von der Ostfront nach Frankreich verlagert, ohne dadurch die alliierte Landung verhindern und die Befreiung Frankreichs im Laufe des Spätsommers und Herbsts 1944 aufhalten zu können.