"Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig.

6.4.2005 | Von:
Deutsche Geschichten

Der Zweite Weltkrieg

Krieg auf dem Balkan und Vormarsch in der UdSSR

Während die Angriffsvorbereitungen für den Ostfeldzug auf vollen Touren liefen, zwang Mussolini das Deutsche Reich, sich erneut im Mittelmeerraum militärisch zu engagieren. Die Feldzüge im April und Mai 1941 gegen Jugoslawien und Griechenland wurden als militärisch notwendig angesehen, nachdem Mussolinis Truppen in Albanien und Nordafrika um die Jahreswende 1940/41 in Bedrängnis geraten waren und die britischen Luft- und Seestreitkräfte vom griechischen Ministerpräsidenten Ioannis Metaxas (1871-1941) schon Ende Oktober 1940 zu Hilfe gerufen worden waren. Um die arg bedrängten Italiener zu entlasten sowie die Bedrohung der sehr verwundbaren militärischen Flanke im Südosten Europas durch die britische Luftwaffe zu verhindern und auch die kriegswirtschaftlich wichtigen rumänischen Ölfelder vor britischen Bombenangriffen zu schützen, ordnete Hitler am 13. Dezember 1940 die Vorbereitung des Balkanfeldzuges an. Die turbulenten politischen Vorgänge in Belgrad Ende März 1941, bei denen schließlich eine prowestliche, nationalistische Regierung unter General Dusöan Simovic die Macht übernahm und den 27-jährigen Peter II. zum König machte, riefen Hitlers zornige Reaktion und eine Forcierung der deutschen Angriffspläne hervor.

Mit dem Balkanfeldzug, der mit den Überfällen auf Griechenland und Jugoslawien am 6. April begann und mit der Kapitulation der jugoslawischen Armee am 17. April sowie der griechischen Armee am 21. April beendet wurde, war zwar der Zeitplan, nicht aber die Zielsetzung für den Russlandkrieg durcheinander geraten. In den neuen Besatzungsgebieten auf dem Balkan wurden zudem erhebliche Truppenverbände gebunden, da sich dort sofort Widerstands- und Partisanenbewegungen bildeten, die trotz blutiger und brutal geführter militärischer Säuberungsaktionen" nicht niedergehalten werden konnten.

In den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941 überschritt die deutsche Wehrmacht mit drei Millionen Soldaten - das waren insgesamt 153 Divisionen - ohne Kriegserklärung die Grenze zwischen der deutschen und sowjetischen Machtsphäre. Der Russlandfeldzug war als "Blitzfeldzug" geplant, Waffen- und Geräteausstattung des Ostheeres waren nur für eine Kampfdauer von drei Monaten ausgelegt, der Munitionsvorrat reichte nur für zwölf Monate, und nennenswerte personelle Reserven standen nicht mehr bereit. Die deutsche politische und militärische Führung ging davon aus, dass der Russlandfeldzug vor dem Einbruch des Winters zu Ende sein werde, die Mehrheit der Verbände war darum nicht mit Winterkleidung ausgestattet. Mit der in Polen und Frankreich erprobten Strategie der Panzerstoßkeile und der Kesselbildungen gelangen den drei deutschen Heeresgruppen in den ersten Wochen tatsächlich gewaltige Raumgewinne. Nach etwas sechs Monaten standen die deutschen Truppen westlich von Rostow und in Charkow sowie vor Moskau und östlich von Leningrad.

Am 2. Oktober eröffnete die Heeresgruppe Mitte ihren Angriff auf Moskau, bis die Schlammperiode Mitte Oktober die Angriffsoperationen stoppte. Als die deutschen Truppen am 15. November erneut zum Angriff antraten, blieb ihre Offensive 30 Kilometer nördlich und etwa 50 Kilometer südlich von Moskau stecken. Die Rote Armee ging am selben Tag zur Gegenoffensive über, worauf Hitler der Heeresgruppe Mitte befahl, "fanatischen Widerstand" zu leisten. Der Oberkommandierende des Heeres, Generalfeldmarschall von Brauchitsch, legte daraufhin sein Amt nieder. Dies löste nach den erheblichen Meinungsverschiedenheiten, die im Spätsommer zwischen Hitler und Generalstabschef Halder über den Schwerpunkt des deutschen Angriffs ausgebrochen und von Hitler für sich entschieden worden waren, die zweite und noch schwerere militärische Krise aus. Sie führte nun zur Übernahme des Oberbefehls des Heeres durch Hitler persönlich und zu einem neuerlichen Revirement im Oberbefehl der Heeresgruppen. Damit hatte das Heer endgültig seine Autonomie verloren, was die Offiziere jedoch nicht daran hinderte, als Hitlers treue Helfer ihren militärischen Dienst weiter auszuüben.