"Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig.

27.4.2005 | Von:

Neubeginn: "Alltag" in Nachkriegsdeutschland

40 Mark oder vier Zigaretten

In München wird am 12. Mai 1945, nach 2.077 Nächten die Verdunkelung aufgehoben, die am 3. September 1939 aus "Luftschutzgründen" eingeführt worden war. Zu sehen waren Tag und Nacht vor allem Trümmer. In München zum Beispiel: zehn Millionen Kubikmeter Schutt, verursacht durch 74 Luftangriffe mit insgesamt 450 Luftminen, 61.000 Sprengbomben, 142.000 Flüssigkeits- und 3.316.000 Stabbrandbomben. Dabei waren 81.500 Wohnungen zerstört und 300.000 Münchner obdachlos geworden, 6.632 Personen kamen um.

München ist nur ein Beispiel – mehr als 131 Städte waren im Luftkrieg, im Feuersturm untergegangen. Dresden, Hamburg, Köln und Berlin waren die schlimmsten Beispiele, kleine Städte wie Kleve, Wesel und Düren verschwanden fast von der Bildfläche, Mittelstädte wie Aachen, Koblenz, Würzburg, Pforzheim und Kassel wurden geradezu gepflügt. Das führte vielerorts nach dem Krieg zur Dienstverpflichtung der Bevölkerung. "100 ehrenamtliche Arbeitsstunden" waren pro Jahr bei der Enttrümmerung zu leisten. Da viel mehr Frauen als Männer übrig geblieben waren, kam so die "Trümmerfrau" zu Ehren und Strafarbeit für 40 Reichsmark Wochenlohn – den Gegenwert von vier Zigaretten.


Auszug aus:
PZ-Extra (Nr. 81/1995) - Neubeginn