Baracke im KZ Ravensbrück

19.4.2005

Glossar

B – E

Im Rahmen des Dossiers "Ravensbrück – Überlebende erzählen" finden Sie hier ein Glossar.

Bad

Lagergebäude mit Duschen, die auch zur Desinfektion neu ins Lager eingewiesener Frauen benutzt wurden. Häftlingsfrauen, die hier arbeiteten, gehörten zur Entlausungskolonne.

Baracke

Siehe Block.

Bernburg

Eine in Sachsen-Anhalt gelegene Heil und Pflegeanstalt ursprünglich für Geisteskranke, die die Nationalsozialisten zu einer Mordanstalt umfunktionierten. Im Rahmen des "Euthanasie"-Programms wurden dort über neuntausend kranke, behinderte und alte Menschen vergast.

Bettkarte

Auch "rote Karte" oder "rosa Karte". Eine solche Karte versuchten Häftlingsfrauen im Krankenrevier zu bekommen, wenn sie vollkommen erschöpft waren. Dafür mussten sie eine Untersuchung bei einem SS-Arzt in Kauf nehmen, der Bettkarten oft nach eigenem Gutdünken ausstellte. Wichtig war daher die Hilfe von Häftlingsärztinnen im Krankenrevier, die manchmal einer Frau heimlich eine Bettkarte zusteckten, die für eine bestimmte Zeit die nur bedingte Arbeitsfähigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit bescheinigte. Trotzdem konnte die Frau zu sitzenden Tätigkeiten wie Stricken oder Nähen eingeteilt werden.

Bibelforscherin

Siehe Zeugen Jehovas.

Block

Bezeichnung der Häftlingsfrauen für ihre Unterkunft, in Ravensbrück zumeist eine Holzbaracke von ca. dreiunddreißig Metern Länge und acht Metern Breite. An der Längsseite der Baracke befand sich in der Mitte der Eingang, geradezu lagen die Waschräume und Latrinen. Der vom Eingang rechts liegende Teil des Blocks wurde als A-Seite, der linke als B-Seite bezeichnet. Jede Seite war noch einmal in zwei große Räume geteilt: den Schlafraum, in dem dreistöckige Pritschen standen, und den Tagesraum mit Tischen und Schemeln. Im "Neuen Lager", der Erweiterung des "Alten Lagers", wurden ab 1941 andere Baracken gebaut, die eine deutliche Verschlechterung der Lebensbedingungen durch größere Enge und Überbelegung brachten.

Block 1 bis 3

In diesen Blocks waren Gefangene untergebracht, die in Innenkommandos arbeiteten, dadurch also bei der Zwangsarbeit mit SS-Leuten in Kontakt kamen. Die Häftlingsfrauen in diesen Blocks durften sich häufiger duschen und ihre Wäsche wechseln als die meisten anderen, da die SS im täglichen nahen Kontakt mit ihnen eine Infektion mit ansteckenden Krankheiten verhindern wollte. Die Blockbewohnerinnen sprachen unabhängig von ihrer nationalen Herkunft deutsch, was für diese Arbeiten Bedingung war. Die hygienischen Verhältnisse in den Blocks 1 bis 3 waren besser als in anderen Baracken, auch lebten die Frauen dort nicht so beengt und bekamen saubere Kleidung. Viele von ihnen waren politische Gefangene, unter ihnen gab es einen engen Zusammenhalt und der Umgangston untereinander war freundschaftlich. Da die Häftlingsfrauen "guten" und "begehrten" Arbeitskommandos zugeteilt waren, wurden die Blocks 1 bis 3 auch "Eliteblocks" oder "Prominentenblocks" genannt.

Blockälteste

Häftlingsfrau, die als Funktionshäftling eingesetzt war. Sie hatte in dem ihr unterstellten Block für Ruhe und Ordnung unter den Bewohnerinnen zu sorgen. Für sämtliche Vorkommnisse in ihrem Block trug sie die Verantwortung und war gegenüber der Blockführerin, einer SS-Aufseherin, rechenschaftspflichtig. Wenn die SS Verstöße gegen die Lagerordnung in einem Block bemerkte, wurde besonders die Blockälteste hart bestraft, und sie wurde danach zumeist aus dieser Funktion entlassen. Die Blockälteste lebte in einer separaten Stube getrennt von den übrigen Häftlingsfrauen und hatte ein eigenes Bett. Ihr unterstanden zwei Stubenälteste, die sie in ihren Aufgaben wie Essensverteilung, Sauberhaltung des Blocks, Aufstellen der Blockbewohnerinnen zum Appell u. a. m. unterstützten.

Blockführerin

SS-Aufseherin, die für einen oder mehrere Blocks verantwortlich war und in direktem Kontakt mit der oder den Blockältesten stand. Die Blockführerin unterstand wiederum der SS-Oberaufseherin und war ihr gegenüber rechenschaftspflichtig.

Blocksperre

Das Verbot für alle Bewohnerinnen eines Blocks, diesen zu verlassen. Die Blocksperre wurde als Kollektivstrafe auch dann verhängt, wenn nur eine oder wenige Häftlingsfrauen gegen die Lagerordnung verstoßen hatten. Die Blocksperre konnte mehrere Tage andauern, wobei als Verschärfung der Strafe die Fenster vernagelt wurden und die Eingesperrten nichts zu essen und zu trinken bekamen. Manche Frauen überlebten diese Strapazen nicht.

Bunker

Siehe Zellenbau.

DAW

Abkürzung für Deutsche Ausrüstungswerke GmbH. Die DAW betrieb in Ravensbrück eine Rohrmattenflechterei im Industriehof, die sie Mitte 1940 an die Gesellschaft für Textil- und Lederverwertung mbH (Texled) veräußerte. Im Januar 1943 pachtete die DAW für die Dauer des Krieges Gebäude, die zu einer Holz verarbeitenden Fabrik gehörten.

Effektenkammer

Auch Effektenlager. Baracken, in denen das Privateigentum der Häftlingsfrauen, das ihnen bei ihrer Ankunft abgenommen worden war, gelagert wurde.

Einweisung (in das Konzentrationslager)

Anderer Begriff für Aufnahme, siehe Aufnahme(prozedur).

Euthanasie

Die systematische Ermordung aller als unheilbar eingestuften Kranken unter dem Vorwand des "Gnadentodes". Von Herbst 1939 bis August 1941 ermordete die SS mit Hilfe von Ärzten und Krankenschwestern über siebzigtausend Frauen, Männer und Kinder. Ausschlaggebende Kriterien für eine Selektion waren: erwiesene oder behauptete psychische Krankheiten, Erbschäden, körperliche oder geistige Behinderung, Arbeitsunfähigkeit der Betroffenen, Vorstrafen und eine "nicht arische" Herkunft.

Evakuierungsmarsch

Auch Todesmarsch. Bezeichnung für die Räumung des Konzentrationslagers Ravensbrück aufgrund des Näherrückens der alliierten Truppen in den letzten Apriltagen 1945. Die Häftlingsfrauen wurden in großen Gruppen und unter strenger Bewachung der SS in Richtung Nordwesten getrieben. Da Evakuierung bedeutet, jemanden in Sicherheit zu bringen, ist dieser Begriff zur Beschreibung der Vorgänge in diesen Tagen irreführend. Viele Frauen konnten die tagelangen Gewaltmärsche ohne Verpflegung und völlig unzureichend bekleidet nicht durchhalten und wurden, wenn sie zusammenbrachen, erschossen. Die Häftlingsfrauen selbst bezeichnen diese Märsche daher treffender als Todesmärsche.

Quelle: Gabriele Knapp, Frauenstimmen – Musikerinnen erinnern an Ravensbrück, Berlin, 2003.


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