20. April 2005: Ein Plakat zeigt überlebende des Völkermords.

Erinnerungskultur

Nach dem Überleben in Istanbul, etwa im Jahr 1928

Kristin Platt

Der Genozid an den Armeniern in der Erinnerung der Zeitzeugen

In den 1970er Jahren setzte sich der Begriff des "Zeitzeugen" durch. Danach wurden auch armenische Überlebende des jungtürkischen Völkermords sichtbar, denn sie hatten gerade in Frankreich die Erfahrungen von Verfolgung, Verschleppung, Zwangsarbeit, Deportation, Kriegsdienst und Résistance geteilt. Als "Überlebende" hatten sich die Armenier aber nie wirklich fühlen können. Sie waren "Exilanten" und "Migranten", "Flüchtlinge" – und vor allem: "Waisen". Weiter...

Varujan Vosganian (*1958)

Kristin Platt

Der Völkermord an den Armeniern in literarischen Zeugnissen

Bis heute ist die armenische Literatur kein Forum geworden für die Reflexion der traumatischen Verletzungen und Verluste. Die Literatur war vielmehr immer ein Forum der kritischen Auseinandersetzung mit Fragen der Diaspora: Thematisiert wurden Aspekte des Identitäts- und Sprachverlusts oder der verlorenen Gültigkeit von Überlieferungen und Religion. Weiter...

Ein Vogelschwarm überfliegt die Küste am Vansee in Ostanatolien, wo über Jahrhunderte die meisten Armenier lebten.

Manuel Gogos

Der Genozid in der Gegenwartskultur

Mit "Aghet" hat sich in der Vergangenheit armenischer Familien etwas Schicksalsmächtiges ereignet, das bis heute nachwirkt. Unter Kulturschaffenden einer jüngeren Enkelgeneration wird der Genozid zur Bedingung wie zum Ziel eigener kultureller Artikulationsversuche. Geschichten von Kindern, die der Ermordung ihrer Eltern zusehen und andere traumatische Szenen haben sich eingebrannt. Jeder Überlebende hatte seine eigene verworrene Geschichte, jeder sprach über etwas anderes, jeder schwieg von etwas anderem. Eine Spurensuche. Weiter...

Franz Werfel: Handschriftliche Fassung von "Die vierzig Tage des Musa Dagh", 1938.

Manuel Gogos

Der armenische Völkermord in der deutschsprachigen Literatur

Nicht weniger als "das unfaßbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen" wollte Franz Werfel mit seinem Roman "Die vierzig Tage des Musa Dagh" erreichen. Welche weiteren literarischen Repräsentationen des Aghet finden sich in der deutschsprachigen Literatur? Weiter...

Die armenische Patriachatskirche Surp Asdvadzadzin in Istanbul.

Jaklin Çelik

Mein armenisches Istanbul

Anfang der 1970er Jahren kamen viele Armenier aus verschiedenen Teilen der Türkei nach Istanbul. Damit war der frühere Heimatboden zu einer Arena geworden, auf der sich die Traumata der Opfer wie der Täter eine Schlacht lieferten. Während die eine Seite noch immer trauerte, hielt die andere Seite ihren Hass wach. Das schiere Dasein der Überlebenden erinnerte sie an ihre Taten. Die Schriftstellerin Jaklin Çelik blickt auf ihr armenisches Istanbul. Weiter...

Mönch Joken bei einem Spaziergang auf dem Gelände des syrisch-orthodoxen Klosters Mor Augin im Südosten der Türkei.

Marc Sinan

Exkurs: Komitas Vardapet – ein Kronzeuge des Völkermords

1869 wurde Komitas Vardapet im Osmanischen Reich geboren. In einer Zeit, in denen es den Armeniern bei Strafe verboten war, ihre eigene Sprache zu sprechen. Mit seinem Schaffen wurde er zur wichtigsten Persönlichkeit der armenischen Musikgeschichte. Der Komponist Marc Sinan mit einem persönlichen Text über Komitas Vardapet. Weiter...

 
Konstruktion eines nationalen Gedächtnisses? Die U-Bahn Station Tolbiac in Paris. Benannt nach der Schlacht bei Zülpich (röm. Tolbiacum). Im Jahr 496 besiegten an diesem Ort die Franken die Alemannen.Dossier Geschichte und Erinnerung

Kollektives Gedächtnis

Nationen haben kein Gedächtnis. Dennoch erinnern Namen von Metrostationen und öffentlichen Plätzen an Triumphe und Niederlagen vergangener Tage. Gibt es ein gemeinsames Erinnern? Was unterscheidet das individuelle vom kollektiven Gedächtnis? Aleida Assmann gewährt Einblicke in die Gedächtnisforschung. Weiter... 

Mihran Dabag

Die armenische Gemeinschaft in der Türkei

Die Geschichte der Armenier auf dem Gebiet der heutigen Türkei ist weit über 2000 Jahre alt. Nach dem Völkermord zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte vor allem der Pogrom von Istanbul 1955 zu einer großen Auswanderungswelle - heute leben nur noch 70.000 Armenier in der Türkei. Die allmähliche Öffnung der türkischen Zivilgesellschaft führt jedoch auch zu einer stärkeren Selbstartikulation der armenischen Gemeinschaft. Weiter...