Dossierbild Geschichte im Fluss

Geschichte im Fluss. Flüsse als europäische Erinnerungsorte

Europas Grenzen sind bis heute die Grenzen seiner Nationalstaaten. Nicht selten verlaufen diese Grenzen wie an Rhein, Oder, Donau und Memel entlang der großen europäischen Flüsse. Die Elbe bildete einst sogar die innerdeutsche Grenze. Bis heute hält sich deshalb das Bild von Flüssen als "natürlichen" Grenzen. Diese nationale Zuschreibung ist eine Hinterlassenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts. Das Onlinedossier Geschichte im Fluss der Bundeszentrale für politische Bildung wirft einen anderen Blick auf die europäischen Ströme. Immer haben Rhein, Oder, Memel, Elbe, Donau und Weichsel in ihrer Geschichte auch gemeinsame Räume hervorgebracht, haben Kulturlandschaften zu beiden Seiten ihrer Ufer zusammengehalten. Flüsse bilden nicht nur Grenzen, sie überwinden sie auch. Das aber erfordert einen mehr als nur nationalen Blick auf ihre Geschichte und Gegenwart. Gerade die großen Ströme Europas brauchen verschiedene Perspektiven. Als grenzüberschreitende Erinnerungsorte können sie die besten Botschafter Europas sein und ein Gegengift zur Renationalisierung der Erinnerung in Europa.

Die Memel bei Jurbarkas.

Die Memel

In Deutschland kennt man sie vor allem als "verlorenen Strom Ostpreußens" oder aus der ersten Strophe des Deutschlandlieds. Tatsächlich aber steht die Memel für das Zusammenleben von Weißrussen, Litauern, Polen, Juden und Deutschen in diesem Teil des Kontinents. Autorinnen und Autoren aus zahlreichen Ländern zeichnen den Lauf eines Stromes nach, der heute gleich zweimal die Außengrenze der EU bildet – und trotzdem viele Hoffnungen weckt. Weiter...

Die Europabrücke zwischen Straßburg und Kehl.

Der Rhein

Kaum ein Strom wurde in Deutschland so besungen wie der "Vater Rhein". Mythen ranken sich um ihn, aber auch handfeste politische Konflikte. Frankreich beanspruchte ihn einst als "natürliche Grenze". Nikolaus Becker hielt dagegen: "Sie sollen ihn nicht haben, den freien, deutschen Rhein". Heute ist der Rhein als Wasserstraße eine der großen Wirtschaftsräume in Europa. Wie es dazu kam, schildern Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Weiter...

Der Fähranleger in Urad. Vor allem Jugendliche treffen sich dort.

Die Oder

Kein anderer Fluss in Europa wurde nach dem Zweiten Weltkrieg so sehr auf seine Funktion als Grenze reduziert wie die Oder. Als Oder-Neiße-Grenze war sie geradezu ein Synonym für die Nachkriegsordnung nach 1945. Doch die Oder war, vor allem in Schlesien, immer eine Brücke zwischen Deutschen und Polen. Autorinnen und Autoren aus beiden Ländern schildern, wie die Oder das Image als Grenze abstreifen und zum gemeinsamen narrativen Raum in Europa werden konnte. Weiter...

Bildergalerien

Die Donau bei Bukarest in der Nähe von Constanta. Hier war Ovid im Exil.

Geschichte im Fluss

Flüsse in der Geschichte

Wenn in Europa von Flüssen die Rede ist, dann meist im Zusammenhang mit Umweltthemen oder Hochwasserkatastrophen. Mit der zunehmenden touristischen Nutzung und der Wiederentdeckung der Flussufer in den Städten wächst aber auch das Interesse an ihrer Geschichte. Schon in der Antike waren Flüsse ein Symbol für das Werden und Vergehen und damit des menschlichen Lebens. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs stehen sie auch für das Zusammenwachsen Europas. Weiter...

Leninstatue mit Foto vom Sturz der Statue in Vilnius: Grutas Park in Litauen.

Die Memel - Lauf der Geschichte

Vom weinenden Schwesterchen

Ich bin an der Memel geboren. Dort habe ich schon als Kind viel gelernt. Zum Beispiel, dass es nicht nur Städte wie Kaunas und Klaipèda gibt, sondern auch solche in Sibirien. Auch wenn ich auf Deutsch schreibe, fällt es mir schwer, die Bezeichnung "die Memel" für den Fluss zu gebrauchen, an dem ich geboren bin. Es handelt sich dabei nicht um nationalistische Vorurteile, sondern um Grammatik Weiter...

Video

Ein Mikrokosmos Europas

Ein Interview mit dem Historiker Dr. Andreas Kossert

Der Historiker Andreas Kossert spricht über die Memel in Geschichte und Gegenwart und ihre Bedeutung als europäischer Fluss. Weiter...

Der Hafen von Klaipėda – Litauens "Tor zur Welt".

Die Memel - Lauf der Geschichte

Stadt der zwei Namen

Bomben zerstörten 1945 den Körper der Stadt. Mit den Deutschen ging ihre Seele davon. Heute erinnert man sich in Klaipėda wieder an Memel. Weiter...

Die Oderinseln in Breslau wurden nach der Wende zum Schwerpunkt der Stadtplanung.

Die Oder - An die Ufer

Breslau. Oder. Wrocław

Als "Stadt der Begegnung" lockt Breslau heute Touristen. Die Bewohner selbst haben schon vor der Wende das deutsche Erbe entdeckt. Städtebaulich wendet sich Breslau wieder der Oder zu. Was daran ist regionale Identität, und was ist Stadtmarketing? Weiter...

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Die Oder ist immer ein Spektakel

Frankfurter und Slubicer über ihre Geschichte mit dem Fluss

Wie sehen die Menschen in Frankfurt (Oder) und Słubice die Oder? Was wissen sie über ihren Fluss? Was wünschen sie ihm für die Zukunft? Acht Menschen, die an der Oder leben und arbeiten, geben Antwort. Weiter...

Die Ill, ein Nebenfluss des Rheins, fließt mitten durch Straßburg.

Der Rhein - hüben und drüben

Die Pariser Peripherie

Eigentlich hat der Rhein zwei Teile. Der Mittelrhein ist ein deutscher Fluss, auch wenn Frankreich einst den Anspruch auf die Rheingrenze erhob. Der Oberrhein dagegen ist als Grenzfluss zwischen Deutschland und Frankreich viel spannender. Weil er aus der Pariser Perspektive am Rande liegt, kann er, wie das Elsass, Frankreich mit Europa verbinden. Weiter...