kulturelle Bildung

23.7.2009 | Von:
Wolfgang Schneider

Akteure der kulturellen Bildung

Landespolitische Akteure

Auch in den einzelnen Bundesländern finden sich mittlerweile nicht nur in der Schulpolitik Praxisfelder der kulturellen Bildung, sondern auch in außerschulischen Politikbereichen. Klassische Fächer sind hier der Musikunterricht und die Kunsterziehung; in einigen Ländern und nur für einzelne Schulformen und -stufen existieren zudem Kurse in darstellendem Spiel. Einen Lernbereich "Kulturelle Bildung", wie er etwa in den Niederlanden oder in Norwegen praktiziert wird, gibt es an deutschen Schulen noch nicht. Einige Bildungsministerien der Länder setzen aber auf eine sinnvolle Kooperation mit den öffentlichen Kultureinrichtungen wie Museen, Theatern und Bibliotheken. Ein solches Zusammenarbeiten wird mit Verträgen vereinbart und ermöglicht die Verzahnung von schulischer und außerschulischer kultureller Bildung. Insbesondere Musik- und Jugendkunstschulen haben hierzu Modelle entwickelt, die ein gemeinsames Curriculum vor allem im Ganztagsangebot garantieren.

Kulturstiftung der Länder bzw. des Bundes

Bundes- und länderpolitisch übergreifend arbeiten die Kulturstiftung der Länder und die Kulturstiftung des Bundes auch im Bereich der kulturellen Bildung. Letztere setzt vor allem auf die Kunst der Vermittlung, zum Beispiel mit dem "Netzwerk Neue Musik", welches die zeitgenössische Musik einem größeren Publikum näher bringen möchte, oder das Großprojekt zur musikalischen Bildung "Jedem Kind ein Instrument", das mit mehreren Millionen Euro als Beitrag zur europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010 allen Grundschülern der Region das Erlernen eines Musikinstruments ermöglichen will.

Die Kulturstiftung der Länder hat sich nicht nur das Sichern und Bewahren, sondern auch die Vermittlung von Kunst und Kultur zur Aufgabe gemacht. 2003 startete sie die Bildungsinitiative "Kinder zum Olymp", mit der die "kulturelle Bildung besser im Alltag von Schulen oder auch Kindergärten sowie im Bewusstsein der Öffentlichkeit" verankert werden soll. Mit Publikationen (z.B. "Kinder zum Olymp! Wege zur Kultur für Kinder und Jugendliche", Köln 2004), Kongressen (zuletzt München 2009: "Konkret. Kooperationen für Kulturelle Bildung") und dem Wettbewerb "Schulen kooperieren mit Kultur" regt die Kulturstiftung neue Initiativen an und baut Netzwerke auf.

Länder und Kommunen arbeiten zudem an Konzeptionen für die kulturelle Bildung, um die inhaltlichen und organisatorischen Voraussetzungen für eine Stärkung dieses Praxisfeldes zu schaffen. Die Bundeshauptstadt hat ebenso wie der Stadtstaat Hamburg oder die bayerische Landeshauptstadt einen Prozess eingeleitet, der die besondere Entwicklung von kultureller Bildung als politische Querschnittsaufgabe fördern soll. Im Rahmenkonzept für Berlin von 2008 ist zu lesen: "Ziel kultureller Bildung ist es daher, Kinder und Jugendliche zu befähigen, am kulturellen Leben der Gesellschaft aktiv und selbstverantwortlich teilnehmen zu können. Dazu gehören das Vertrautwerden mit der Kunst als Sprache, die Sensibilisierung auf Kunst hin ebenso wie das Verständnis für den Eigenwert von Kunst, die sich jeglicher Verzweckung verweigert, die Freisetzung schöpferischer Kräfte und Phantasien durch die Ausbildung künstlerisch-ästhetischer Ausdrucksformen. Ein ganzheitliches Verständnis kultureller Bildung begreift den Menschen daher immer im Zusammenspiel seiner kognitiven, sinnlichen, emotionalen und ästhetischen Aneignungsweisen und zielt darauf, diese individuell zu fördern und auszuprägen."

Kulturelle Bildung wird zwar von Politikern der Länder, der Kreise und Kommunen gerne gefordert, Anspruch und Wirklichkeit klaffen aber noch immer auseinander. Einzelne Programme und Projekte, wie der nordrhein-westfälische Wettbewerb für städtische Konzepte zur kulturellen Bildung oder Positionspapiere aus Ministerien und Kulturausschüssen, von Städtetag und Kommunalverbänden täuschen nicht darüber hinweg, dass die Querschnittsaufgabe zwar erkannt, aber weder parlamentarisch noch verwaltungsintern, geschweige denn haushälterisch mit entsprechenden Etats umgesetzt wird.

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