kulturelle Bildung

23.7.2009 | Von:
Richard Stang

Kulturelle Erwachsenenbildung

Sie kann im Rahmen von Projekten, Werkstätten, offenen Ateliers und weiteren Angeboten offene Lernprozesse ermöglichen, die auf Selbstbildungsprozesse in der Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur oder dem eigenen kreativen Gestalten bauen. Methodische Zugänge wie Experiment und Improvisation sind hier wichtige Dimensionen, die dazu beitragen, Kreativität, Flexibilität, Kommunikationsfähigkeit und interkulturelle Sensibilität zu fördern.

Ein Beispiel für ein solches Angebot ist das "Internationale Kunstsymposium" der Volkshochschule Arnstadt-Illmenau, das alle zwei Jahre im thüringischen Kleinbreitenbach stattfindet. Dort werden von der VHS jeweils sechs internationale Künstler eingeladen, die eine Woche an Kunstobjekten arbeiten. Für Erwachsene und Senioren aus der Region besteht die Möglichkeit, mit den Künstlern gemeinsam an eigenen Kunstobjekten zu arbeiten. Durch die Kommunikation mit den Künstlern und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen künstlerischen Perspektiven treten die Teilnehmenden in eine aktive Auseinandersetzung mit den eigenen Ansätzen ein und entwickeln interkulturelle Perspektiven. Zum Abschluss des Symposiums gibt es eine Ausstellung der gestalteten Objekte, und die Kunstobjekte der Künstler werden auf dem inzwischen umfangreichen Kunstwanderweg rund um Kleinbreitenbach installiert.

Kulturelle Erwachsenenbildung als Feld der Bildungsstrategie In Anbetracht gesellschaftlicher und ökonomischer Herausforderungen, wie der Globalisierung, dem demografischen Wandel, der Migration sowie dramatischer Veränderungen der Arbeits- und Alltagswelt durch den Einsatz neuer Technologien, wird die kulturelle Erwachsenenbildung als Grundversorgung für die gesamte Bevölkerung an Bedeutung gewinnen.

Moderne Bildungspolitik wird sich daran messen lassen müssen, welche Strategien sie für die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft entwickelt. Die Förderung der kulturellen Bildung dürfte dabei nicht die schlechteste Strategie sein, denn der Wettbewerb um die "kreativsten Köpfe" ist längst im Zuge der Globalisierung weltweit entbrannt, und diese "Köpfe" lassen sich eben nicht nur mit berufsorientierter Bildung entwickeln, genauso wie sich eine soziale Gesellschaft nicht nur mit politischer Bildung gestalten lässt. Das sinnvolle Zusammenspiel der verschiedenen Bildungsbereiche ist hierfür unerlässlich.

Literatur

Benedix, Barbara/Achim Rache: "Ein Fachbereich – Zwei Köpfe. Die Geschichte einer Entwicklung", Hessische Blätter für Volksbildung, Heft 4/2002, S. 331-343.

Deutscher Bundestag (Hrsg.): Kultur in Deutschland. Schlussbericht der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages, Regensburg 2008.

Deutscher Kulturrat (Hrsg.): Kulturelle Bildung in der Bildungsreformdiskussion. Konzeption Kulturelle Bildung III, Berlin 1995.

Gieseke, Wiltrud/Karin Opelt: "Orte und Räume kultureller Bildung", in: dies. u.a.: Kulturelle Erwachsenenbildung in Deutschland. Exemplarische Analyse Berlin/Brandenburg, S. 376-382, Band 1 der Publikation: Wiltrud Gieseke/Jósef Kargul (Hrsg.): Europäisierung durch kulturelle Bildung. Bildung – Praxis – Event, Münster 2005.

Hendrich, Wolfgang: "Beschäftigungsfähigkeit oder Berufsbiographische Gestaltungskompetenz", in: Friederike Behringer u.a. (Hrsg.): Diskontinuierliche Erwerbsbiographien, Baltmannsweiler 2004, S. 260-270.

Negt, Oskar: "Gesellschaftliche Schlüsselqualifikationen", in: Widerspruch, Heft 33/1997, S. 89-114.

Reichart, Elisabeth/Hella Huntemann: Volkshochschul-Statistik Arbeitsjahr 2007, PDF-Datei online unter: www.die-bonn.de (Stand: 23.07.2009).

Stang, Richard: "Nachrichten aus der Luxusabteilung. Zum Verschwinden der Kulturellen Bildung aus einer ökonomisierten Weiterbildung", in: Politik und Kultur. Zeitung des Deutschen Kulturrats, Heft 3/4/2004, S. 23-24.

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