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kulturelle Bildung

6.1.2010 | Von:
Olaf-Axel Burow

Warum brauchen wir kulturelle Bildung in der Schule? Ein Plädoyer

4. Kulturelle Bildung – ein Instrument der Unterrichtsentwicklung

Im Gefolge der ernüchternden Erkenntnisse aus diversen PISA-Studien wird die Dominanz des instruktionistischen Paradigmas in der Unterrichtsschule infrage gestellt und zugunsten einer stärkeren Berücksichtigung der Schaffung situierter Lernumgebungen relativiert. Zudem tritt zunehmend auch die lange unterschätzte Bedeutung informellen Lernens [7] in den Vordergrund der Betrachtungen. Kulturelle Bildung bietet vielfältige Anregungen und Modelle, sowohl für die Gestaltung situierter Umgebungen wie auch für die Gestaltung von Räumen informellen Lernens, die geeignet sind, die tradierte Grammatik der Unterrichtsschule zu überwinden und Schule durch neuartige Formen des Lehrens und Lernens zu bereichern (z.B. Atelierunterricht, Kunst- und Lebenskunstprojekte im Sozialraum).

5. Kulturelle Bildung – ein Instrument der Schulenwicklung

Schulentwicklung hat sich zu lange darauf beschränkt, nach Wegen zu suchen, um die traditionelle Unterrichtsschule zu optimieren. Wie Burow [8] gezeigt hat, sind erfolgreiche Schulerneuerer einen anderen Weg gegangen: Funktion statt Konvention lautet ihre Erfolgsformel. Von Montessori bis von Hentig haben sie sich von der Konvention des Schulemachens verabschiedet und stattdessen die Gestaltung der Schule radikal aus Sicht der Kinder neu gedacht. Die Schlüsselfrage lautet: Wie müssen Schule und Lernen unter den Bedingungen einer sich schnell wandelnden globalisierten Wissensgesellschaft organisiert sein? Diese Fragen kann die Schule nicht aus sich selbst heraus beantworten, sondern sie bedarf der Kooperation mit Partnern aus dem gesellschaftlichen Umfeld, wobei Kulturpartner besonders geeignet sind, neue Formen und Inhalte des Lehrens und Lernens zu befördern.

6. Kulturelle Bildung – ein Weg zur Bildungslandschaft

Anknüpfend an Christiakis' Theorie der Wirkungen sozialer Netze und Burows Theorie des "Kreativen Feldes" zeichnet sich ab, dass Schulen und sonstige Bildungsinstitutionen den notwendigen Wandel nicht aus sich selbst heraus bewerkstelligen können. Christiakis hat gezeigt, dass die in einem Stadtteil, einer Region usw. wirkenden unausgesprochenen Werte und Haltungen eine sehr viel größere Wirkung ausüben als direkte erzieherische Eingriffe. Schule benötigt, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen, den Aufbau eines vielfältig gestalteten Netzes von Partnern, um eine regionale oder kommunale Bildungslandschaft aufzubauen. Auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels bietet die Zusammenarbeit mit Kulturpartnern vielfältige, bislang ungenutzte Potenziale, um die Schule zum Kristallisationskern eines sich entwickelnden regionalen "Kreativen Feldes" zu machen.

7. Kulturelle Bildung – ein Weg zu umfassender Bildung und Persönlichkeitsentwicklung

Im Anschluss an Beuys' erweiterten Kunstbegriff hat Pasuchin [9] gezeigt, dass durch das Zusammenfließen von künstlerischen und medialen Gestaltungsformen eine neue Perspektive für kulturelle Bildung entsteht: Beuys' erweiterter Kunstbegriff zielte ja darauf ab, Kunst aus dem Ghetto der Museen zu befreien. Indem er dazu aufforderte, die Rezeption und Produktion von Kunst für die Gestaltung des persönlichen Lebens und der sozialen Umwelt zu nutzen, wies er eine neue Perspektive. In analoger Weise geht es in der Medienpädagogik darum, Kompetenzen zu fördern, die sich darin unterstützen, mit Hilfe der Medien das persönliche Leben und die soziale Umwelt kreativ zu gestalten. Die Verbindung beider Bereiche, die durch das Web 2.0 möglich wird, erweitert den Spielraum für Partizipation. Indem kulturelle Bildung auch in anderen Bereichen den Trend zur Intermedialität vollzieht und gestaltet, eröffnet sie neue Möglichkeiten zu umfassender Beteiligung, Bildung und Persönlichkeitsentwicklung, die Schule nutzen kann.

Fußnoten

7.
Overwien 2009
8.
Burow 2009
9.
Pasuchin 2006
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