kulturelle Bildung

10.3.2011 | Von:
Olaf Zimmermann

Interkulturelle Bildung – eigentlich eine Selbstverständlichkeit?

Interkulturelle Bildung

In seiner Stellungnahme "Interkulturelle Bildung – eine Chance für unsere Gesellschaft" aus dem Jahr 2007 plädiert der Deutsche Kulturrat für einen Perspektivenwechsel von der Defizit- zur Potenzialperspektive. Es wird unterstrichen, dass die interkulturelle Bildung das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen fördert. Interkulturelle Kompetenz wird in diesem Zusammenhang als Ziel der Allgemeinbildung verstanden und nicht allein den Künsten zugewiesen. In seiner Stellungnahme beschreibt der Deutsche Kulturrat interkulturelle Bildung so: "Interkulturelle Bildung ist auf der Seite des Individuums diejenige Fähigkeit, die die gesellschaftlich vorhandene kulturelle Vielfalt produktiv zu bewältigen gestattet. Zur politischen, juristischen und sozialen Dimension von kultureller Vielfalt kommt daher eine pädagogische Dimension. Sie ist insbesondere unverzichtbar für jedes Land, das wie Deutschland durch den internationalen Handel von Dienstleistungen und Gütern stark in den wirtschaftlichen Globalisierungsprozess eingebunden ist. Ziel ist daher auch, die Menschen in Deutschland so auszubilden, dass sie sich im Inland in internationalen Unternehmen bewähren, und im Ausland integrieren und dort erfolgversprechend arbeiten können."

Entscheidend ist dabei, dass interkulturelle Bildung nicht nur dazu dienen soll, den Zuwanderern die Integration in die Mehrheitsgesellschaft zu erleichtern, sondern vielmehr als eine permanente Aufgabe für jeden in einer globalisierten Welt betrachtet wird. Gerade daher wird die interkulturelle Bildung als eine gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe verortet. Eine Exportnation wie Deutschland ist in besonderer Weise darauf angewiesen, dass die Menschen interkulturell gebildet sind. Insofern ist interkulturelle Bildung auch nicht nur nachholende Integration sondern ebenso der Schlüssel für eine erfolgreiche Wirtschaft in der globalisierten Welt.

Interkulturelle Bildung im Kulturbereich

Die in der o.g. Stellungnahme formulierten Empfehlungen des Deutschen Kulturrats richten sich an die Kultureinrichtungen sowie Einrichtungen der kulturellen Bildung. Als außerschulische Einrichtungen werden sie aufgefordert, so attraktive Angebote zu unterbreiten, dass Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Schichten und gesellschaftlichen Gruppen sich angesprochen fühlen. Die Politik wird in der Pflicht gesehen, ausreichend finanzielle Mittel bereit zu stellen, damit keine finanziellen Hürden bestehen, um solche Angebote zu besuchen.

Im Jahr 2009 führte der Deutsche Kulturrat im Rahmen seines Projektes "Strukturbedingungen für eine nachhaltige interkulturelle Bildung" eine Befragung seiner Mitglieder, also der Kulturverbände, durch. Gefragt wurde zum einen, inwieweit Migranten bzw. Migrantenvereinigungen zu den Mitgliedern der Bundeskulturverbände gehören und zum anderen welche Rolle das Thema interkulturelle Bildung in der Verbandsarbeit hat. Beispielhaft sei hier die Sektion "Rat für Soziokultur und kulturelle Bildung" des Deutschen Kulturrates genannt. Hier gaben alle Befragten an, sich mit dem Thema interkulturelle Bildung zu befassen. Die am häufigsten genannte Begründung hierfür ist die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Themas. Interkulturelle Fragestellungen werden bei Tagungen und Veranstaltungen behandelt, die Vorstände befassen sich damit und spezifische Projekte werden durchgeführt. Auf der Kulturverbandsebene ist das Thema, zumindest im Arbeitsfeld der kulturellen Bildung, angekommen.

Und auch in den Einrichtungen selbst spielt interkulturelle Bildung eine zunehmend wichtigere Rolle. Beispiele hierfür sind Modellvorhaben wie "Kunst-Code" der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen. In diesem Projekt wurden Vorhaben der interkulturellen Bildung in Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen evaluiert. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Spiel + Theater hat in einem Projekt eine Bestandsaufnahme der Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund vorgelegt. Das Institut für Bildung und Kultur setzt einen Schwerpunkt im Bereich der Kulturarbeit mit älteren Menschen und hat hier das Vorhaben "Polyphonie: Stimmen der kulturellen Vielfalt" durchgeführt. Hier sollen kulturelle Begegnungen von Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte im Ruhrgebiet geschaffen werden. Aber auch die Bibliotheken sind beispielsweise bereits seit vielen Jahren ohne viel Aufhebens im Bereich der interkulturellen Bibliotheksarbeit aktiv. Sie halten Literatur zum Deutsch lernen ebenso bereit wie Ratgeber im Umgang mit deutschen Behörden sowie dem deutschen Recht. Ebenfalls wird fremdsprachige Literatur angeboten. In anderen künstlerischen Bereichen gibt es ebenfalls zahlreiche Beispiele einer selbstverständlichen interkulturellen Bildung. Zusammengestellt wurden Beispiele von der Bundesvereinigung für kulturelle Kinder- und Jugendbildung in der Publikation "Kulturelle Vielfalt erleben". Hier sind 21 Praxisbeispiele aus dem Bereich der internationalen Jugendbegegnungen versammelt. Im Buch "Kulturelle Vielfalt leben lernen", ebenfalls von der Bundesvereinigung für kulturelle Kinder- und Jugendbildung herausgegeben, werden Beispiele aus der Praxis interkultureller Arbeit in verschiedenen Projekten vorgestellt.

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