Eine leuchtende grüne Ampel neben einer roten, die mit dem Wort 'GO' beschriftet ist.

5.1.2007 | Von:
Vera Franz

Offener Code für eine offene Gesellschaft

Das Open-Source-Modell wird derzeit ausschließlich für Software und Kulturgüter verwendet. Lässt es sich auch auf andere Güter und Dienstleistungen ausweiten? Wo wäre die Grenze?

Das ist zurzeit die große Herausforderung. Die "commons-based peer production", wie es im Englischen heißt, funktioniert im Bereich der Software sehr gut, und das zweifelt heute auch niemand mehr an. Selbst IBM, der größte Inhaber von Softwarepatenten auf der Welt, nimmt mehr durch freie Software ein als durch Patente. Es ist wirklich ein bedeutender Wandel geschehen.

Die Frage ist natürlich: Wenn diese neue Art, Informationen und Wissen zu produzieren und verteilen, in der Software so gut funktioniert – funktioniert das auch in anderen Bereichen? Und die Antwort ist ganz klar: Ja, es funktioniert. Ich glaube, wir sind da nicht einmal unbedingt mehr am Anfang. Es gibt einige sehr erfolgreiche Beispiele. Das meistzitierte ist wahrscheinlich die Wikipedia: eine gemeingut-basierte Enzyklopädie. Ein erfolgeiches Beispiel dafür, dass man im Netz mit Tausenden, Millionen von Nutzern wertvolles Wissen produzieren kann.

Und ich glaube, das wird sich noch in andere Bereiche ausdehnen. Einer der nächsten, für mich sehr interessanten Bereiche sind Textbücher für Schulen. Ich arbeite in den USA, aber auch viel in Entwicklungsländern. In Südafrika, woher ich gerade komme, ist es ein Problem, dass sehr viele Schulen keine Textbücher haben, weil sie zu teuer sind. Desweiteren sind die Textbücher oft lokal nicht relevant weil ihre Inhalte von westlichen Verlagshäusern herausgebracht wurden. Es gibt sie auch nicht in der lokalen Sprache – und in Südafrika gibt es zwanzig, dreißig verschiedene Sprachen. Da stellt sich die Frage: Welches Potenzial gibt es für Lehrer, Textbücher gemeinsam, kollaborativ zu entwickeln?

Sehr wichtig und gut entwickelt ist natürlich der Bereich der Musik. Da sieht man, dass sehr viel passiert, dass das Modell der kollaborativen Produktion sich auf jeden Fall auf andere Bereiche ausdehnen lässt.

Als Enzyklopädie funktioniert es also, im Bereich der Musik und Kultur funktioniert es, und Textbücher sind ein Bereich, wo man sich nun anschauen möchte, was die Motivation für die Lehrer wäre, das umzusetzen. Weiters interessant wird es, wenn man in den Bereich der Wissenschaft geht, zum Beispiel der medizinischen Wissenschaften, und schaut, ob man da auch gemeinsam etwas erarbeiten kann. Das sind Bereiche, die noch nicht erforscht sind. Dieses Modell der kollaborativen Produktion wird in den nächsten Jahren in all diesen Feldern getestet werden – von Kultur über Bildung und Wissenschaft bis zu Medien.

Und es wird grundsätzlich die Landschaft, die Natur des Wissens verändern. Es wird sich vor allem auswirken auf den Preis, die Kosten der Produktion dieses Wissens. Es wird sich auch auswirken auf die Qualität des Wissens, in dem Sinne, dass das bisherige Top-down-Modell der Produktion von Wissen sehr viel partizipativer werden wird. In Bezug auf Demokratie ist das natürlich sehr hilfreich: Durch das Internet sind die Produktionsmittel – ein Computer und ein Netzzugang – nicht in der Hand einiger weniger, wie im Zeitalter der Massenmedien, sondern in der Hand sehr vieler.


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