kulturelle Bildung

Karin von Welck: Think the unthinkable

29.3.2006
Kinder müssen lernen, das noch nicht Gedachte zu denken, fordert die Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck. In Hamburg setze man daher auf verschiedene Projekte zwischen Kunst und Schulen.

Think the unthinkable Kinder müssen lernen, das noch nicht Gedachte zu denken, fordert die Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck. In Hamburg setze man daher auf verschiedene Projekte zwischen Kunst und Schulen. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (© 2005 Bundeszentrale für politische Bildung)


Ich bin der festen Überzeugung, dass kulturelle Bildung unverzichtbar für jeden ist und dass wir vernachlässigt haben, die kulturelle Bildung in unserer Gesellschaft wichtig zu nehmen, und das holen wir nach und müssen es auch schnell tun. Kulturelle Bildung vermittelt einfach die Fähigkeiten, die Kreativität die wir brauchen, um die Probleme der Zukunft zu bewältigen. Die Kinder müssen zum "think the unthinkable" in der Lage sein, also sich für das noch nicht Dagewesene zu preparieren. All kann man durch kulturelle Bildung: man lernt Kreativität, man lernt auch, dass man sich anstrengen muss, man lernt Toleranz, also lauter Schlüsselqualifikationen, die man überall im Leben gebrauchen kann.

Wir haben hier in Hamburg der kulturellen Bildung einen ganz großen Schwerpunkt eingeräumt, weil wir der Überzeugung sind, dass zu unsererm Projekt "wachsende Stadt" – Hamburg soll eine wachsende Stadt werden, eine blühende Stadt werden, eine Zukunft haben – die kulturelle Bildung einfach fest dazugehört. Wir haben schon verschiedene Projekte angefangen, z.B. eine enge Zusammenarbeit zwischen Schulbehörde und Kulturbehörde, wir versuchen nach und nach, die Lehrpläne zu verändern, damit kulturelle Bildung in den Schulen wieder den Stellenwert erhält, den sie verdient. Dazu haben wir verschiedene Projekte angestoßen: Zusammenarbeit zwischen Theater und Schulen, zwischen Musikern und Schulen und einiges mehr. Aber es muss noch mehr geschehen.

Bei der Zusammenarbeit zwischen außerschulischen und institutionellen Anbietern versuchen wir zunächst eine Kommunikation herzustellen, also viele runde Tische, die viel Zeit brauchen, aber wichtig sind, damit sich die Akteure für die gemeinsame Sache kennen und schätzen lernen und sich nicht abschotten. Dann müssen wir natürlich von der Politik her die Rahmenbedingungen ändern, damit es z.B. auch Möglichkeiten gibt für Musikpädagogen, die nicht als Musikschulpädagogen ausgebildet sind, in den Schulen zu arbeiten. Wir müssen uns über Qualitätstandards einig sein, aber auch kein starres Regelwerk aufstellen, sondern flexibel sein. Wir müssen Flexibilität und den Respekt von Künstlern zu Lehrern und Lehrern zu Künstlern aufbauen und fördern. Durch das Projekt mit Royston Maldoom aus Anlass der Tagung ist die freie Tanzszene unheimlich unterstützt worden. Ich habe alleine in den nächsten Wochen viele Gespräche zu führen, wie wir diese Szene besser integrieren können. Dabei müssen wir auch mit der Bildungsbehörde zusammenarbeiten, wir müssen also die Spinne im Netz sein und das Netz immer größer machen.

Das Spannungsfeld öffentliche Kassen und Wirtschaft existiert sicherlich, aber ich bin der Überzeugung, dass, wenn wir gute Projekte entwickeln, wir auch viel auf den Weg bringen können. D.h. auf der einen Seite muss ich innerhalb des Senats dafür sorgen, dass auch von meinen anderen Kollegen die Notwendigkeit kultureller Bildung so hoch angesehen und auch unterstützt wird, dass wir unseren Etat verteidigen könnn. Zum Zweiten glaube ich, dass wir ganz viel Öffentlichkeitsarbeit machen müssen, damit auch mehr Förderer dazukommen. Wir haben in Hamburg das ganz große Glück, dass wir – seit dem wir so intensiv über die Notwendigkeit von Kinder- und Jugendarbeit in der Kultur sprechen – Unterstützung von immer mehr Menschen bekommen, von Stiftungen, von Unternehmen. So konnten wir jetzt z.B. einen Unternehmer gewinnen, für drei Jahre allen Kindern kostenlosen Eintritt in Museen zu garantieren. Das macht ihm Spaß, das macht mir ganz große Freude und ist für die Kinder einfach toll.

Redaktion: Tatjana Brode
Kamera: Eileen Kühne
Schnitt: Oliver Plata
Das Interview entstand auf dem europäischen Kongress "Lernen aus der Praxis" vom 22.-24. September 2005.



 

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1982 hatte Lutz Dammbeck mit der Arbeit am Herkakles-Konzept als Szenarium für einen Experimentalfilm begonnen; nach der Ablehnung durch die DEFA entwarf er es als Rauminszenierung und Mediencollage neu. Mit seinen auf der Grundlage dieses Konzeptes entwickelten multimedialen Inszenierungen „La Sarraz“, „Herakles“ und „Realfilm“ näherte sich Dammbeck der deutschen Vergangenheit und der politischen und sozialen Realität in der DDR. Er wandte sich „dem Thema Faschismus“ zu, weil er für seine Generation die Möglichkeit sah, „unbelastet und scheinbar naiv nach beunruhigenden Phänomenen zu fragen. Fragen zum Beispiel nach Ursachen für die Fazination des Nazismus, nach der Wirkung der von ihm geweckten Bilder und Emotionen, bis in die Gegenwart hinein“. (L. D.)Dossier

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