Gladbach Fans auf der voll besetzten Tribüne des Bökelbergstadions am 2. Mai 1965

18.6.2014 | Von:
Gerd Dembowski

Ohne Fans nichts los

Kleine Geschichte organisierter Fankulturen im Spiegel ihrer historischen Entwicklung, sozialen Beschaffenheit und Gewaltförmigkeit

"Spieler kommen, Trainer gehen – wir bleiben"

Frankfurter "Ultras" feiern 10 Jahre Fan-ChoreografienFrankfurter "Ultras" feiern 10 Jahre Fan-Choreografien während der Bundesliga-Partie gegen Schalke 04 am 8. Dezember 2007 in der Commerzbank-Arena in Frankfurt. (© dpa)


Jugendkulturell geprägt entwickelten Ultras "eine immer größere Sensibilität für ihre eigene Anwesenheit"[28], ein instrumentelles Verhältnis zum Verein. Sie entdeckten sich als eine identitätscharakteristische Konstante und bildeten gewissermaßen einen Verein im Verein: "Spieler kommen, Trainer gehen – wir bleiben". Im Zentrum stehen seitdem ihre neuen Formen organisierter Stimmung als eine Reaktion auf Stimmungsflauten seit Mitte der 1990er Jahre. Dies verlief stark inspiriert von den italienischen Fankurven: Schillernde und stets wechselnde Choreografien mit Fahnen, Bannern, Spruchbändern, Doppelhaltern, vielfältigen Gesängen sowie Vorsängern mit Megafon auf dem Zaun als Garant für Gemeinschaftserleben und abrufbereite, durch den Ort vorstrukturierte Emotionalität.

Darüber hinaus prägte sich eine Wettbewerbsmentalität im Bezug auf Stimmung ebenso wie eine häufig – zumindest latent – elitäre Selbstwahrnehmung der eigenen Gruppe aus. Alles in allem wird so kollektive Identität kommunikativ, über soziale Performanzen und Rituale erzeugt, eine erfundene, "imagined community"[29].

Ultras empfinden sich inzwischen als Stichwortgeber der Kurve, obwohl sie nur einen minimalen Teil der Fanszene ausmachen: "Ultras", so Jonas Gabler, "haben einen gewissen Vertretungsanspruch, sie wollen die Fanszene nach außen und nach innen prägen. Dazu schaffen sie sich Strukturen und organisieren Aktivitäten, wie regelmäßige Gruppentreffen, die nicht selten in selbstfinanzierten und -verwalteten Räumlichkeiten stattfinden"[30]. Dabei sind sie in ihrer milieu- und (politisch) interessenspezifischen Zusammensetzung schon gruppenintern äußerst heterogen. Noch deutlicher wird eine solche Heterogenität dann, wenn sich von Gruppe zu Gruppe unterschiedliche Schwerpunkte im Fandasein ausprägen.

Die "Horda Azzuro".Ultras bieten - im Unterschied zu Hooligans - ein breites Spektrum für soziales Engagement, kritisches Hinterfragen und Integration Jugendlicher in die Gruppe an. Die "Horda Azzuro" des 1. FC Carl Zeiss Jena. (© imago/Bild 13)


Hier spielt die Entwicklung eines eigenen unterscheidenden "Styles" eine wichtige Rolle. Dazu wird aus dem sozialen Handeln und aufrührerischem Habitus anderer Jugend(sub)kulturen kreativ gepatchworkt. Dieses Identitätspatchwork ermöglicht den Einzelnen trotz der Beschwörung von Gemeinschaft weiterhin die Pflege ihrer individuellen Anteile und Positionierungen.

Ihre fließenden Ausdifferenzierungsprozesse mit ihren Möglichkeiten der Partizipation machen Ultragruppen für Jugendliche als Suchbewegung interessant. In ihrer inneren Gruppenvielfalt schaffen sie es zwischen Hackordnungen und Gegenseitigkeit Wünsche nach Zusammenhalt, Nähe, Loyalität, Solidarität und einer Steigerung des Selbstwertgefühls zu bedienen. Ultras bewegen sich frei innerhalb eines Bedürfnisdreiecks aus Gemeinschaft, in der das Ganze mehr verspricht als die Summe seiner Teile, aus Individualismus und gegenseitiger Hilfe. Trotz ihrer geringen Größe gemessen am gesamten Stadionpublikum halten sie derzeit eine Art Stimmungsmonopol und sind somit in ihrem Einfluss und ihrer Wirksamkeit im Bezug auf Fankulturen richtungsweisend.

So hat sich 'Self-Empowerment' und eine proaktive Faninteressenvertretung etabliert, die sich in fließenden Aushandlungsprozessen gegen eine eskalierende Disziplinierung des o.g. Freiraums wehrt. Gleichzeitig wirkt sie über Wohltätigkeitsaktionen, gemeinwesenarbeitsähnliches Ehrenamt mit Hilfe zur Selbsthilfe regionalgesellschaftlich: von der Unterstützung bei Hausaufgaben und dem Schreiben von Bewerbungen bis hin zur Unterstützung von gewerkschaftlichen Streiks und sozialen Inklusionsbestrebungen für Asylsuchende.

Ultras gegen Rechts (© picture alliance / Stefan Haehnsen )
In zahlreichen Fanszenen haben Ultras durch ihr Verhalten gar antirassistische Gruppenkonsense einführen oder zumindest bestärken können. Es ist bemerkenswert, dass Ultras nicht selten ein beachtliches Engagement für den Holocaust-Gedenktag und Aktionen gegen Antisemitismus, Antiziganismus, Nationalismus, (Hetero-)Sexismus und Homophobie an den Tag legen. Durch ihre Fragilität, Momenthaftigkeit im 'Setting' eines stets abrufbaren Klimas "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" (Wilhelm Heitmeyer)[31] können solche Tendenzen jedoch ebenso leicht ins Rechtsoffene kippen.

Erschwert wird der Kampf um die Positionen noch durch den Wechsel von handelnden Personen ("Lautsprecherpersönlichkeiten"), die in drei Jahren nicht mehr unbedingt die soziale Gruppenposition innehaben müssen, die sie heute noch bestimmt. Jugend(sub)kulturen sind mehrheitlich immer auch temporär begrenzte Durchlaufzentren für prägende (Alters-)Phasen ihrer Mitglieder in der Austarierung von intrapersonellen und sozialen Identitäten[32].

Dass man aktuell mehrheitlich weit von antihomophoben und antisexistischen Konsensen entfernt ist und sich immer wieder die Akzeptanz rechtsoffener Positionen einzelner Gruppen äußern kann, zeigt die Entwicklung zahlreicher einzelner Gruppen in der Gegenwart.
Karlsbande: "Euer Karl ist unser Liebesknecht"Die "Karlsbande" mit einem Blockbanner: "Euer Karl ist unser Liebesknecht" (© imago/Matthias Koch)
Homophobe Sprüche und Banner werden krude, zum Teil unreflektiert, aber auch gezielt als "Humor" getarnt – etwa wenn die rechtsoffene Aachener Ultragruppe "Karlsbande" im März 2013 in Anspielung auf den Namen "Karl-Liebknecht-Stadion" des SV 03 Babelsberg ein großes Blockbanner spannt, auf dem steht: "Euer Karl ist unser Liebesknecht".

Dazu verstecken sich viele unter dem zweifelhaften Schutzmantel "Keine Politik im Stadion", der als Diskursstrang in auffällig schwierigen Szenen überhaupt erst zu Diskussionseinstiegen und Anknüpfungspunkten für zivilcouragierte Fans führen kann. So wird menschenrechtsorientiertes Engagement bisweilen als "Parteipolitik" abqualifiziert und werden zivilcouragierte Menschen als "linksorientierte Nestbeschmutzer" beschimpft. In solchen Fällen wird jedoch ein schmaler Grad begangen, der in noch mehr Szenen zu einer subtilen Etablierung von gruppenbezogen menschenfeindlichen Äußerungskulturen führen kann.

Hegemoniale Männlichkeit und Gewaltförmigkeit bei Ultras

Der "Capo" gibt den Ton an.Der "Capo" gibt den Ton an. (© imago/Schiffmann)
Partizipative Aushandlungen befinden sich im ständigen Balancekampf mit den auffälligen, durchsetzungsfähigen Köpfen der Gruppe. Sie finden häufig auf der Folie althergebrachter Männlichkeit[33] und Heteronormativität[34] statt, inklusive ihrer scheinmodernisierten Facetten "weicher" und "trendqueerer" Männlichkeiten[35]. Umringt von imaginären Hackordnungen und hegemonialer Männlichkeit war und ist es besonders für die wenigen Frauen schwer, in den fankluborientierten Szenen eigene (Gruppen-)Identitäten zu entfalten.

Frauen galten oft als Anhängsel. Bis heute müssen sie – wie auch junge Männer – durch die diskursive Schule hegemonial männlich vorgeprägter Fanstrukturen und Hackordnungen, um sich zu etablieren. Mit dem Unterschied zu Männern, dass Frauen meistens Fans auf Bewährung bleiben: Ihr Interesse droht ständig auf der Folie einer konstruierten Authentizität hinterfragt und überprüft zu werden. Im Gegensatz dazu steht die "patriarchale Dividende"[36] der Männer, deren Interesse für den Fußball als "natürlich" gilt. In zahlreichen Fanklubs gab es Aufnahmestopps für Frauen und bis heute werden Frauen aus bevormundendem Schutzdenken und wegen des Gruppenansehens bei den sogenannten Ultramärschen zum Stadion immer mal wieder aus den vorderen Reihen verbannt.

Dennoch fügen sich zahlreiche Frauen heutzutage nicht mehr einer ihnen zugetragenen, potentiellen Opferrolle. In organisierten Fanszenen versuchen sie mit unterschiedlichen Herangehensweisen klassische wie subtile (Hetero-)Sexismen zu enttarnen und Alternativen zu schaffen.[37] Sie besetzen den Ort Fußball zunehmend selbstbewusst, während die Massenwirksamkeit der Männer sie je nach Situation weiterhin auf sozial konstruierte Zuschreibungen wie Mildtätigkeit und Friedfertigkeit, zur "Mutter der Kompanie" und zum Sexualobjekt reduzieren kann. Somit bleiben Ultras in ihrer Entwicklung insgesamt betrachtet stets ambivalente Gruppen, die konservative Werte und Traditionsbewusstsein einbinden können.

Immer bezeichnender werden dabei territoriale, sozialdarwinistisch geprägte Ausdeutungen gegenüber anderen Fangruppen. Ultras erfahren sich als erheblich jugend(sub)kulturell geprägte Gruppen in einer multiplen Druckkonstellation aus 'Wir' und 'Die Anderen': Sie und die Ultras des anderen Vereins, sie und "die Polizei", sie und "die Medien", sie und "der DFB" sowie "die DFL", sie und "die Politik", sie und "ihr" anders interessengesteuerter Verein, sie und andere Fans des eigenen Vereins, die den Ultra-Interpretationen von Fankultur nicht unbedingt wohlwollend gegenüber stehen müssen.

Schlagwort 'Freiheit': Funktionierende Selbstregulierung in der Kurve oder ein Dogma?Fankultur im Stadion. (© imago/Hartenfelser)


Ultras haben sich nicht gegründet, um aktiv Gewalt zu suchen, sondern um die Stimmung im Stadion verbessernd zu organisieren. Ihre Ausprägungen von Gewaltförmigkeit unterscheiden sich jedoch erheblich von denen der Hooligans. Auf das nach außen sehr organisiert und zum Teil uniform wirkende Auftreten von Ultragruppen, ihre expressive, teilweise brachial wirkende Selbstinszenierung, ihr Aufgreifen überhöhter Freund-Feind-Konstellationen mit Revierdenken und Eroberungsritualen[38] wurde häufig verkürzend, überwachungs- und repressionsfixiert von Polizei und Politik, von Vereinen und Verbänden, von zahlreichen Medienvertretern reagiert.

Zu erinnern ist an die häufig zu beobachtende, erschrockene Überraschung der ersten deutschen Ultrageneration auf häufig tatsächlich unverhältnismäßige Reaktionen der Polizei. Hinzu kommt die öffentliche Umwertung der von Ultras gern verwendeten Bengalfackel. Juristisch als Ordnungswidrigkeit und Bagatelldelikt zu werten, galt sie in der öffentlichen Wahrnehmung zunächst häufig gar als "südländische, tolle Stimmung". Heutzutage werden Bengalfackeln von Ultraszenen ebenso wie von den Ordnungsinstanzen symbolisch auf- und überbewertet. In der öffentlichen Debatte werden Bengalfackeln inzwischen regelmäßig unzulässig mit Gewalt gleichgesetzt, was insgesamt hin zu maßlosen Empörungen führt.

KennzeichnungspflichtForderung nach Kennzeichnungspflicht der Polizei - Zeichen für einen massiven Vertrauensverlust? (© imago/Martin Hoffmann)
Definitionsohnmächtig gegenüber einer als entfremdend empfundenen Kommerzialisierung des Fußballs mit seinen immer weniger werdenden Identitätsangeboten entwickelte sich bei der Mehrheit der Ultras eine "resistance identity"[39] mit organisierter Provokation als soziale Technik.

In der "resistance identity" erleben Ultras ihre gewaltförmigen Ausprägungen im Gegensatz zu den Hooligans betont als reaktiv. Heutzutage schließt die weit überwiegende Mehrheit deutscher Ultragruppen gewaltförmiges Verhalten längst nicht mehr aus. Vielmehr als bei den Hooligans formiert sich Gewalt in den situativen Ausbrüchen von Ultras als Ausdruck der als überzogen empfundenen Kommerzialisierung.

Verschränkt damit empfinden Ultras die Bedrohung eines wichtigen sozialen Freiraums sowie ihre Wahrnehmung von Polizeieinsätzen als Willkür und Repression. Während Hooligans die Polizei als gegeben akzeptierten und auf einer hegemonial männlichen Ebene respektierten, nehmen Ultras eine politische Protesthaltung gegenüber der Polizei ein und kritisieren organisiert polizeiliche Vorgehensweisen. Solidarisierungseffekten von Ultragruppen gegen die Polizei stehen Solidarisierungseffekte innerhalb der Polizei gegen Ultragruppen gegenüber. Insgesamt hat sich ein diffizil strukturiertes, festgefahrenes, gegenseitiges Feindbild entwickelt.

Zusätzlich zu dieser im Ursprung als reaktiv empfundenen Gewaltkonstellation, haben sich unabhängig vom o.g. Gemeinschaftsleben innerhalb vieler Ultragruppen sogenannte "Ackergruppen" herausgebildet. In zahlenmäßig minimaler wie loser Zusammensetzung lösen sie sich im Stile einer Arbeitsgruppe regelmäßig aus den hauptsächlichen Ultrakontexten heraus, um sich z.T. auch unabhängig von Spielen zu körperlichen Auseinandersetzungen mit Gleichgesinnten aus anderen Ultragruppen in beiderseitigem Einverständnis körperlich gewalttätig zu messen.

Seismografen in der Kurve

All die o.g. Merkmale verdeutlichen: Es macht Sinn, Ultras weniger als eine Gruppe, sondern vielmehr als "Temporäre Autonome Zone"[40] zu begreifen. Bliebe man bei den eingeführten, seit jeher stark verkürzenden Polizeikategorien A (konsumorientiert), B (vereinszentriert und situativ zur Gewalt neigend) und C (erlebnisorientiert, Hooligans)[41], so könnte man sagen, die Verteilung dieser Kategorien bildete sich innerhalb einer Ultragruppe noch einmal wie unter einem Brennglas als Mikrokosmos ab.

Ultragruppen können Masken je nach Tagesform und auf die Außensituation reagierend wechseln – z.T. können das ihre einzelnen Mitglieder als Individuen. Ultras haben gelernt sich in ihrem Auftreten und Verhalten kreativ zu verformen. Sie können positiv wie negativ verstärkend – wie das innere Rädchen eines Kugellagers – adäquat auf die Bewegungen des äußeren Rades aus den funktionstragenden Institutionen wie Verein, DFB und DFL, Politik und Polizei reagieren und teilweise antizipieren. So gesehen bleibt der Weg organisierter Fanszenen mit Ultragruppen als seismografischem Faktor auch künftig ein wandelbarer Weg mit zahlreichen Gabelungen.

Fußnoten

28.
vgl. Pilz/Wölki 2010, S. 7
29.
Die Selbstzurechnung und Zugehörigkeit zu solchen Gemeinschaftsformen basiert nicht mehr wie bei den traditionalen Formen auf gemeinsamer Abstammung oder Herkunft, sondern vielmehr auf geteilten Interessen, Anliegen und Werten. Die im Fußball vorzufindenden Gemeinschaften lassen sich daher auch im Sinne von Benedict Anderson (1983) als "Imagined Communities", als vorgestellte Gemeinschaften, bezeichnen.
30.
vgl. Gabler 2012, S. 6
31.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit umfasst Vorurteile und Diskriminierungen gegen Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu schwachen Gruppen in der Gesellschaft, kurz: die Abwertung von Gruppen. Einerseits umfasst die Abwertung soziale Distanzierungen oder Absichten, eine Fremdgruppe zu schädigen. Andererseits werden nicht nur Personen fremder Herkunft abgewertet, sondern auch Personen gleicher Herkunft erleben Diskriminierung und Gewalt. Vgl.: APUZ 17/2012
32.
vgl. Tajfel/Turner 1986
33.
vgl. R. Connell 2006.
34.
In der soziologischen Geschlechterforschung ist die Deutung von Homophobie untrennbar mit dem Begriff Heteronormativität, der als legitim erachteten sozialen Norm von heterosexuell codierten Geschlechterverhältnissen, verbunden. Homophobie kann demnach als Ausdruck eines heteronormativen Sanktionsmechanismus für nicht-heterosexuelles Verhalten definiert werden. Vgl. APUZ 17/12
35.
vgl. G. Dembowski, "Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber …". Stichworte zur Modernisierung von hegemonialen Männlichkeiten im deutschen Fußball, in: Faninitiative Innsbruck (Hrsg.), Fußball ohne Vorurteile. Begleitband zur Ausstellung Tatort Stadion, Innsbruck 2011.
36.
nach Robert W. Connell, vgl.: Lothar Böhnisch in APUZ 40/12: "Dass sich männliche Macht in modernen Gesellschaften nicht nur halten, sondern immer wieder neu durchsetzen kann, männliche Machtgruppen auch von vielen anderen Männern gewollt oder ungewollt unterstützt werden und damit ihre hegemoniale Funktion behaupten, wird einem kulturell wie tiefenpsychisch wirksamen Bindungsverhältnis unter Männern zugeschrieben. Dieses wird als patriarchale Dividende bezeichnet. Mit diesem Begriff ist die allen Männern gleichsam kulturgenetisch eingeschriebene, in der Entwicklungsdynamik des Kindes- und Jugendalters immer wieder aktivierte und eingeübte Haltung gemeint, dass der Mann "im Grunde“ doch der Frau überlegen sei, egal ob das der Überprüfung durch die soziale Wirklichkeit standhält."
37.
vgl. Sülzle 2011
38.
Während Eroberungsrituale sich bspw. über Schal- und Bannerklau abzeichnen können, führt das Revierdenken so weit, dass Ultragruppen den Ultragruppen anderer Vereine mitteilen, dass diese sich an markanten oder szenefixierten Orten ihrer Stadt nicht aufhalten "dürfen". Diese Orte werden mit einschüchternder Präsenz und ggf. dem Einsatz körperlicher Gewalt "geschützt", z.T. spielunabhängig z.B. gegen durchreisende und am jeweiligen Bahnhof umsteigende Ultras anderer Vereine.
39.
vgl. John M. Hagedorn. Im Gegensatz zu den von Hagedorn untersuchten Jugendgangs handelt es sich bei Ultras jedoch um eher bildungsbürgerlich beeinflusste Gruppierungen, die sich – als vorwiegend weiße, deutsche Männer, die außerhalb des Fußballumfeldes relativ privilegiert leben können – ohne äußere Not in repressive Situationen bringen.
40.
vgl. Hakim Bey, T.A.Z. – Die Temporäre Autonome Zone, Berlin 1994
41.
Diese, auf Wilhelm Heitmeyer zurückgehenden, Definitionen müssen aus Platzgründen an dieser Stelle leider arg verkürzt bleiben.
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Autor: Gerd Dembowski für bpb.de
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