Die "Tagesschau"-Sprecher Manfred Schmidt, Cay Dietrich Voss, Karl-Heinz Köpcke, Martin Thon und Dieter von Sallwitz (v.l.n.r.).

Privatwirtschaftliche Fernsehunternehmen

28.8.2017
Monitor mit Logos der Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media SEMonitor mit Logos der Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media SE. In Deutschland können mehr als 800 Fernsehkanäle empfangen werden. (© picture-alliance, SvenSimon)

Der deutsche Fernsehmarkt bietet im internationalen Vergleich so viele Programme wie kaum ein anderer. 2015 existierten mehr als 400 Fernsehprogramme in Deutschland. Nach einer Erhebung der Landesmedienanstalten gab es Anfang 2015, 21 öffentlich-rechtliche TV-Programme, 16 private Fernsehvollprogramme, 54 private Spartensender, 86 Pay-TV-Angebote sowie 222 landesweite regionale bzw. lokale Fernsehsender. Hinzu kommen zahlreiche Angebote aus dem Ausland, die per Satellit ausgestrahlt werden und auch in der Bundesrepublik zu empfangen sind. Allein der Satellit Astra (19,2° Ost) übertrug 2015 fast 800 Free-TV-Kanäle, davon 248 in deutscher Sprache. Werden alle deutsch- und fremdsprachigen TV-Angebote, die in Deutschland über Satellit, Kabelnetze, Fernsehantenne oder das Internet zu empfangen sind, addiert, beträgt die Summe mehr als 2.500 Kanäle. 

Global Player



Durch Übernahmen und Fusionen wachsen die Globalplayer unter den Medienkonzernen.Durch Übernahmen und Fusionen wachsen die Globalplayer unter den Medienkonzernen. (© Photosani/fotolia.com)
Medienkonzerne versuchen ihre Programmformate und Stars nicht nur innerhalb einzelner Länder für so viele Abspielkanäle wie möglich gewinnbringend einzusetzen, sondern folgen dem Trend der Globalisierung. Dabei gilt es, TV-Serien und -Filme, Show-Ideen oder Videoclips weltweit zu vermarkten. Bereits in den 1990er Jahren des vergangenen Jahrtausends setzte eine erste große Welle der Medienkonzentration ein. Dabei kaufte zum Beispiel der international erfolgreiche Filmkonzern Walt Disney Company das TV-Network Capital Cities/ABC, und der MTV-Mutterkonzern Viacom übernahm die Hollywood-Studios von Paramount. Schließlich fusionierte im Jahr 2000 der Online-Anbieter AOL mit dem Medienkonzern Time Warner. Weil damals der Börsenkurs von AOL mit 113 Milliarden Dollar über dem von Time Warner (96 Mrd. Dollar) lag, war es möglich, dass ein Medienkonzern trotz eines mehr als viermal höheren Umsatzes von einem kleineren Online-Unternehmen geschluckt wurde. Das Internet, die Digitalisierung und der Börsenboom lösten später weltweit eine zweite Fusionswelle der Global Player im Mediengeschäft aus. 

Die meisten der weltweit größten Medienkonzerne haben ihren Sitz in den USA oder Europa. Ihr Wachstum trieb sie in den vergangenen beiden Jahrzehnten vor allem durch Übernahmen bzw. Fusionen voran. Mit diesem Wachstum der Global Player stieg auch der Grad der Medienkonzentration in der TV-Branche. 

Das Engagement internationaler Medienkonzerne in Deutschland 

Mit der Übernahme anderer Unternehmen beschleunigten vor allem die großen amerikanischen Medienkonzerne ihre Internationalisierung und beteiligten sich auch in Asien, Lateinamerika oder Europa an TV-Programmanbietern. In Deutschland war der Einfluss ausländischer Medienkonzerne auf die TV-Branche lange gering. Mit der Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG durch Haim Saban im August 2003 und dem Weiterverkauf an KKR und Permira 2007 änderte sich dies für einige Jahre, Nach dem Ausstieg von KKR und Permira Anfang 2014 ist der Konzern erstmals unabhängig von starken Einzelaktionären. Bis auf einen geringen Anteil an Stammaktien befinden sich sämtliche Wertpapiere des Unternehmens in Streubesitz.

Ein weiteres Beispiel für das Engagement internationaler Medienkonzerne in Deutschland ist die Walt Disney Company, die an den Sendern Super RTL und RTL II beteiligt ist. Im Januar 2014 startete außerdem der Disney-Channel, der ein Familienprogramm im deutschen Free-TV anbietet (von 1999 bis 2014 als Pay-TV Sender in Deutschland aktiv)

Der amerikanische Medienkonzern Viacom ist seit 1997 mit dem Musiksender MTV in Deutschland präsent. Auch die Programme Nickelodeon, Comedy Central gehören Viacom. 2005 wurden auch die Musikkanäle Viva und Viva Plus von Viacom übernommen. NBC Universal startete 2005 das deutsche Programm Das Vierte, verkaufte seine Anteile allerdings 2008 wieder an das Unternehmen Mini Movie International Channel des russischen Unternehmers Dimitrij Lesnewskij. Außerdem betreibt der US-Konzern in Deutschland die Pay-TV-Kanäle 13th Street und Sci-Fi-Channel, Studio Universal, sowie den History- und den Biographie-Channel. 

Beteiligungen von 21st Century Fox (ehemals News Corporation) 

Das Unternehmen 21st Century Fox (bis Juli News Corporation) des Medienmoguls Rupert Murdoch besitzt den deutschen Pay-TV-Anbieter Sky Deutschland. Zu 21st Century Fox gehören TV-Kabelkanäle mit etwa 300 Millionen Abonnenten in fast hundert Ländern, davon etwa 90 Millionen Haushalte in den USA. Der Konzern ist in den vergangenen Jahren so schnell gewachsen wie kaum ein anderer Global Player der Medienbranche. Im Geschäftsjahr 2015 wurde von 21st Century Fox mit einem Umsatz von fast 29 Milliarden Dollar ein Gewinn in Höhe von 8,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Internationalisierung als Erfolgsstrategie 

Auch wenn Murdoch – ähnlich wie Time Warner mit einer Beteiligung an n-tv (1994–2006, über CNN) – in den ersten Jahren seines Engagements in Deutschland kein Geld verdienen konnte und sich der Erfolg erst langsam einstellte, gilt die Internationalisierung für die meisten Medienkonzerne als erfolgreiche Expansionsstrategie. Dieses Konzept geht vor allem dann auf, wenn das Wachstum eines Fernsehanbieters in einzelnen Ländern an die Konzentrationsgrenzen des nationalen Wettbewerbsrechts stößt. Durch weltweite Beteiligungen an TV-Programmen lassen sich beispielsweise für die 21st Century Fox TV-Erfolge wie "Dr. House", "Boston Legal" oder "Simpsons" global vermarkten. Die Digitalisierung und Ausweitung von TV-Inhalten auf das Internet beschert der Medien-Globalisierung nun einen weiteren Schub. 

Die meisten der weltweit führenden Medienkonzerne verdienen inzwischen einen Großteil ihrer Erlöse jenseits ihres Gründungslandes. Zu den Branchenführern weltweit gehört auch die Bertelsmann AG. Das Unternehmen mit Sitz im ostwestfälischen Gütersloh ist in mehr als 50 Ländern aktiv und macht etwa 70 % seines Umsatzes im Ausland. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als größten Buch-Anbieter im englischen und deutschen Sprachraum, größten Zeitschriftenverlag Europas und größten Buchclubbetreiber der Welt. Im Rundfunkbereich hat sich das Bertelsmann-Tochterunternehmen RTL Group mit 57 TV-Programmen und 31 Hörfunk-Stationen zum europäischen Marktführer entwickelt, der in zehn Ländern aktiv ist. Das deutsche Programm RTL gilt als Europas erfolgreichster Werbeträger. 

Einnahmequellen der RTL-Group-Tochterfirma Fremantle Media 

Für international aufgestellte und integrierte Medienkonzerne wie die Bertelsmann AG ergeben sich viele Vorteile. So wurde etwa das TV-Format "Pop Idol", das in Deutschland unter dem Titel "Deutschland sucht den Superstar" bekannt ist, von der RTL-Group-Tochterfirma Fremantle Media weltweit in mehr als 40 Länder verkauft. Bertelsmann verdient aber nicht nur an den TV-Rechten, Telefongebühren und Werbeeinnahmen der RTL-Group-Programme, die "Pop Idol" gewinnbringend ausstrahlen. Hinzu kommen Fan-Magazine, CDs und DVDs, T-Shirts, Tassen, Sammelkarten, Gesellschaftsspiele, Bücher und andere Pop-Idol-Artikel, die von Bertelsmann-Tochterfirmen vermarktet werden. Nach Angaben der US-Fachzeitschrift "Advertising Age" ist allein die Marke "American Idol" als Ableger des "Pop-Idol"-Formats etwa 2,5 Milliarden Dollar wert. Ähnlich wie den "Superstar"-Erfolg verwertet die RTL Group auch Formate wie das "Dschungelcamp" in anderen europäischen Ländern. Fremantle Media produziert in 22 Ländern jährlich mehr als 10.000 Programmstunden. Dabei handelt es sich um Spielfilme, Serien, Shows, Dokumentationen und Comedy. Mit Programmrechten in mehr als 150 Staaten ist Fremantle Media nach eigenen Angaben der größte unabhängige TV-Vertrieb außerhalb der USA. 




ProSiebenSat.1 Media SE: Nutzung neuer Synergien



Auch die ProSiebenSat.1 Media SE will zum Global Player der TV-Branche aufsteigen. Mit der Übernahme der Sendergruppe SBS 2007 für 3,3 Milliarden Euro wurde aus ProSiebenSat.1 mit einem Schlag ein multinationaler Anbieter von 19 kommerziellen TV-Sendern in neun europäischen Ländern und Radiostationen in 14 Ländern. Positive Synergie-Effekte blieben jedoch lange Zeit aus, weshalb 2012 SBS Nordic-Sparte (Fernsehsender in Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland) wieder verkauft wurden. Besonders bei der Fernsehproduktion bemüht sich ProSiebenSat.1 mit dem Tochterunternehmen Red Arrow Entertainment Group GmbH, TV-Formate länderübergreifend günstig zu produzieren. Dazu gehört z. B. Projekt, eine Fernsehshow aus demselben Studio mit demselben Personal innerhalb von fünf Tagen erst für das deutsche Fernsehprogramm ProSieben und dann für das niederländische TV-Publikum zu produzieren. Auf diese Weise wurden zum Beispiel bei dem Format "The next Uri Geller" Produktionskosten gespart – auch wenn dafür holländische Zuschauer eigens in ein Kölner Studio gebracht werden mussten. Auf diese Weise will die ProSiebenSat.1 Media SE jährlich Kosten in Millionenhöhe sparen. 

Internationale Mehrfachverwertung 

Fazit: Satelliten und Internet, Digitalisierung und Globalisierung machen es möglich, Wort-, Ton- und Bild-Informationen in Sekundenschnelle weltweit zu vermarkten. Weil nichtaktuelle Medieninhalte nicht "verbraucht" werden können, lassen sie sich leicht mehrfach verwerten. Dabei sind vor allem Global Player im Vorteil, weil sie große Programmvorräte international so einsetzen können, dass sie mehrmals Profite erwirtschaften. Während TV-Konzerne dank der Globalisierung erfolgreiche Programmformate oder -ideen weltweit kopieren, sinkt allerdings weltweit die Programmvielfalt. Wird das Internet darüber hinaus zu einem weiteren Abspielkanal für bereits existierende Inhalte großer Unterhaltungskonzerne, können sich die Ungleichgewichte weiter zugunsten der Global Player verschieben. Die Folge davon wäre ein weiterer Konzentrationsprozess. 

Lokal- und Ballungsraumfernsehen


 
Weil Fernsehproduktionen und -übertragungen dank moderner Mikroelektronik und digitaler Technik immer preiswerter werden, lassen sich TV-Programme mittlerweile auch für einzelne Städte oder Regionen finanzieren. Inzwischen existieren in Deutschland weit mehr als 100 solcher Angebote, mit denen Geld verdient werden soll. Hinzu kommen nicht-kommerzielle Lokalfernsehkanäle, die als Offene Kanäle bezeichnet werden. 

Während in Westdeutschland Lokalfernsehen traditionell vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz eine Rolle spielt, weisen in Ostdeutschland alle Bundesländer eine große Zahl lokaler TV-Stationen auf. Als Basis dafür diente nach der Wiedervereinigung die Kabelnetzstruktur von Gemeinschaftsantennenanlagen, die in den 1980er Jahren in der DDR aufgebaut worden waren. 

Reichweiten und Verteilung

Das Spektrum kommerzieller Kanäle reicht heute von sogenannten Ballungsraumsendern, die technisch teilweise mehrere Millionen Haushalte erreichen können, bis zu Programmen für wenige hundert Zuschauer. Die meisten der kommerziellen TV-Lokalprogramme befinden sich in Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die größten Ballungsraum-Programme sind Hamburg 1, Center TV (Köln, Düsseldorf, Bremen), Rhein Main TV, Rhein Neckar Fernsehen (RNF plus), Franken TV, München TV, TV Berlin, Fernsehen aus Berlin (FAB), sowie Sachsen Fernsehen (Dresden, Halle/Leipzig, Chemnitz/Zwickau). Die meisten dieser Programme werden mit einem Jahresetat in Höhe von 10 bis 20 Millionen Euro finanziert. Beim Ballungsraumfernsehen können einige der Angebote auch bundesweit über Satellit empfangen werden. Kleinere Anbieter hingegen nutzen meist lokale Kabelnetze. Künftig wird die kostengünstige Verbreitung über das Internet (IPTV) eine wachsende Rolle spielen. 

Inhalte und Finanzierung 

Die meisten Lokalfernsehprogramme in Deutschland senden pro Tag – meist abends – nur einige Stunden neues Programm, das anschließend wiederholt wird. Große Ballungsraumsender strahlen ihr Programm mittlerweile rund um die Uhr aus, übernehmen dabei aber teilweise auch Inhalte anderer Programme (z. B. Teleshopping, Call-TV oder Beratungsformate). Zur Finanzierung sind die Veranstalter vor allem auf Werbung angewiesen. Bei den Einnahmen kommen in der Regel Fördermittel der Landesmedienanstalten für die technische Infrastruktur (Sendetechnik etc.) hinzu. 

Erlöse und Veranstalter 

Kommerzielle Ballungsraum- und Lokalfernsehprogramme bewegen sich in Deutschland insgesamt in der Verlustzone: 2015 standen Erträgen von rund 97,4 Millionen Euro Aufwendungen von 103,5 Millionen Euro gegenüber. Vor allem eine fehlende bundesweite Vermarktung und verlässliche, aktuelle Zuschauerzahlen verursachen Probleme. Viele Medienagenturen investieren ihre Werbegelder daher lieber bei den großen nationalen Sendergruppen.
Zu den Veranstaltern lokaler TV-Programme zählen regionale Zeitungsverlage ebenso wie Beteiligungsgesellschaften oder private Investoren.



 

Materialien zu "Privatwirtschaftliche Fernsehunternehmen"

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PDF-Icon Finanzierung und Ökonomie
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