Dossierbild Afrikanische Diaspora

30.7.2004 | Von:
Charles Gnaléko

"Smalltalk about true lies"

Ist Afrika ein hoffnungsvoller Kontinent?

Die "Players"

Die in Afrika aktiven "Global Players" werden von den Medien kaum (kritisch) in Frage gestellt. Da würde es durchaus deutsche Leser und Zuschauer interessieren, warum Entscheidungsträger aus der deutschen Wirtschaft in diesem "hoffnungslosen Afrika" vor Ort sind [1]. Denn die meisten Diktatoren und korrupten Regimes in Afrika haben hier mächtige Freunde. "Business as usual." Wir können in Afrika nicht in Sicherheit leben und dürfen uns auch nirgendwo auf der Welt aufhalten. Stellt die Berichterstattung Afrika als einen Kontinent dar, der sich seit den 90er Jahren bemüht, demokratischer zu werden und eine dauerhafte Entwicklung in Gang zu bringen? Länder wie z.B. Mali, Senegal oder die Elfenbeinküste finden dabei kaum ein Echo in den deutschen Medien. Warum eigentlich? Warum bleibt die Republik Südafrika eine Ausnahme?

Die Zeit nach der Apartheid-Ära wurde reichlich in den deutschen Medien behandelt. Fast alles, was in Südafrika geschieht, findet in Deutschland ein Echo. Die Berichterstattung über diesen Teil Afrikas oder allgemein den Süden und Süd-Ostafrika ist von besonderer Qualität – fast wie die Innenpolitik Deutschlands oder Europas. Warum? Die Industrieländer besitzen und beherrschen die Massenmedien sowie die Kommunikationsmittel in der Welt. Die Zahlen sprechen für sich:
  • Zeitungen – Westen (Europa mit Russland und USA) 55,3 Prozent gegenüber 1,75 Prozent für das gesamte Afrika.
  • Rundfunkstationen – 74 Prozent gegenüber 4 Prozent für Afrika.
  • Fernsehstationen – 68 Prozent gegenüber 1,5 Prozent.
  • Vier große Presseagenturen haben das Monopol über den Informationsverkehr in der Welt: AFP (Agence France Presse), Reuter, AP (American Press) und UPI (United Press International). Dagegen hat Afrika keine Chance, um sein Image außerhalb des Kontinents selbst gestalten zu können.
Wenn Afrika für meinen Nachbarn Manfred "ein hoffnungsloser Fall" ist und Hans-Olaf Henkel, der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, nicht weiß, was man für Afrika machen könne [2], so möchte ich den Ersten Bürgermeister von Hamburg zitieren, der Afrika den "Kontinent der Chancen und Reformen" [3] nannte. Aber dafür benötigt Afrika nach den Worten von Außenminister Joschka Fischer "internationale Solidarität und Partnerschaft".

Aufgrund seiner kolonialen Vergangenheit hat Europa eine "historische Verantwortung" für den Kontinent. Europäische Afrika-Diskussionen sind oftmals noch immer von Eurozentrismus und Paternalismus geprägt. Joschka Fischer meint: "Dies müssen wir endgültig hinter uns lassen." Er will die deutsche Afrika-Politik entscheidend verändern: "Sie braucht eine neue Grundlage. Die Präsenz muss ernsthaft sein", erklärt der deutsche Außenminister. Joschka Fischer sprach von "einer Partnerschaft, die nicht mehr im Zeichen der kolonialen Geschichte und einseitiger Entwicklungshilfe, sondern im Zeichen der gemeinsamen Bewältigung unserer Zukunftsfragen" stehen wird.

Der Ausblick

Eine Zusammenarbeit, ein Netzwerk zwischen Journalisten aus Afrika und Deutschland wünsche ich mir, da wir u.a. die Technik, die Kenntnisse und die Erfahrung unserer europäischen Kolleginnen und Kollegen benötigen, um die Demokratie in Afrika zu verwirklichen. Darum wollen wir mit unserem Verein in diesem Jahrhundert eine neue Art von Nord-Süd-Dialog mit unseren deutschen Kollegen starten. Es wäre durchaus sinnvoll, wenn die deutschen Medien die Entwicklungspolitik in Afrika begleiten und für die Steuerzahler in Deutschland unter die Lupe nehmen würden. Wir hätten gerne, dass sie sich Afrika gegenüber nicht nur kritisch äußern, sondern auch diejenigen zu Wort kommen lassen, die sich für das Gemeinwohl engagieren wie z.B. der neue Präsident der Elfenbeinküste.

Was mein Nachbar über Afrika zu wissen behauptet, erzählte er mit einer Überzeugungskraft, die ich nie vergessen werde. Das Problem dabei war, dass mein Versuch, einige seiner Behauptungen zu korrigieren, erfolglos blieb. Hinzu kommt, dass ich zahlreiche Auseinandersetzungen dieser Art nicht nur mit Nachbarn wie ihm gehabt hatte, sondern auch mit Bundesministern, Senatoren, Managern und Professoren, die noch nie in Afrika gewesen waren. Viele wurden beim Thema Afrika von den Medien einfach so "erzogen" und konditioniert. Warum arbeiten die deutschen Kolleginnen und Kollegen nicht mit afrikanischen Journalisten zusammen? Das haben wir uns immer gewünscht. "The African Courier", "Afrika Positive" oder "Afrique Souveraine" werden hier in Deutschland herausgegeben. Die afrikanischen Journalisten in Deutschland warten nur darauf, mit ihren deutschen Kollegen zusammenzuarbeiten. Wo liegt das Problem?

Fußnoten

1.
M. Aberle: "Kongo ist Reich, deshalb Arm", in: "Frankfurter Allgemeine Zeitung, Juli 2000.
2.
Letztes Jahr während der Fernsehsendung "Sabine Christiansen".
3.
Während des Deutschlandbesuchs des König der Swasi in Hamburg.

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