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Die Geschichte der "afro look"


10.8.2004
In den zwölf Jahren ihres Erscheinens hat die Zeitung "afro look" Schwarze Geschichte beschrieben und mitbestimmt. Sehr persönliche Gedichte und Erzählungen spiegelten das ganze Repertoire künstlerischer Begabung, aber auch persönlicher Verletzungen wider. Für viele Autoren bedeutete die Veröffentlichung ihrer Texte einen wichtigen Schritt zur Identitätsfindung.

Zeitschrift "afro look" Nr. 1 (1988)Die erste Ausgabe der "afro look" (1988) (© Jeannine Kantara/Ricky Reiser)

Die Idee



Für die Berliner Afros war 1987 ein besonders heißer Sommer. Inspiriert von den ersten Treffen und der anschließenden Gründung der "Initiative Schwarze Deutsche" (ISD), beschlossen einige aus der Berliner Community, einen Kulturkalender für Schwarze Menschen zu kreieren und in der Stadt zu verteilen. Es ging darum, so viele Schwarze Menschen wie möglich über kulturelle, aber auch politisch interessante Veranstaltungen in der Hauptstadt zu informieren.

Die Idee entwickelte sich jedoch schnell zu einem größeren Projekt und man beschloss, eine vierteljährliche Zeitschrift herauszubringen.
Die erste Ausgabe von "Onkel Tom's Faust" erschien im Februar 1988. Die Redaktion diskutierte die Namensgebung recht kontrovers. Für die einen symbolisierte die Faust, dass Onkel Tom sich wehren konnte. Die Gegner argumentierten, man könne das Sprachrohr der Schwarzen Gemeinschaft keinesfalls nach einer traurigen Romanfigur benennen, die der Fantasie einer weißen Autorin entsprungen ist. Ein Alternativvorschlag lautete "afro look". In der Abstimmung setzte sich "Onkel Tom's Faust" durch. Nach dem Erscheinen der Zeitschrift gab es viel Lob für die Inhalte und massenhaft Protest hinsichtlich des Namens. Daher wurde das Blatt ab der zweiten Ausgabe in "afro look" umbenannt.

Ausgabe Nr. 10 der "afro look", 1993.Ausgabe Nr. 10 (1993). (© Jeannine Kantara/Ricky Reiser)
Fast alle Gründungsmitglieder waren Schüler oder Studenten mit viel Zeit und noch viel mehr Enthusiasmus. Gedruckt wurde das Blatt beim Asta der FU Berlin, per Hand zusammengeheftet und anschließend in verschiedenen Berliner Läden, Cafés, Bibliotheken etc. gegen Kommission verteilt bzw. bei Veranstaltungen verkauft. Mit den daraus resultierenden Anzeigen konnten die nächsten Ausgaben finanziert werden. Über den ISD-Verteiler gelangte die Zeitschrift auch in andere Bundesländer und ins Ausland.

Inhalte



Ursprünglich als Kulturzeitschrift geplant, entwickelte sich "afro look" schnell zum politischen Sprachrohr der ISD. Das Feedback war unglaublich. Viele Leser schickten eigene Beiträge in Form von Geschichten, Aufsätzen und Gedichten. "afro look" berichtete ebenso über historische Fakten, z.B. Schwarze Menschen in der NS-Zeit wie über Sichelzellenanämie, eine spezifische Krankheit, von der fast ausschließlich Schwarze Menschen betroffen sind. Sie prangerte rassistische Sprache in deutschen Medien an und stellte Schwarze Gruppen im In- und Ausland vor. Nachrufe auf Audre Lourde, Fasia Jansen und May Ayim gehörten ebenso zum Inhalt der "afro look" wie Glückwünsche zu Geburten, Beförderungen und Eheschließungen innerhalb der Schwarzen Community.

Ausgabe Nr. 11 der "afro look", 1993Ausgabe Nr. 11 (1993). (© Jeannine Kantara/Ricky Reiser; Coverfoto: Alexander Schirrmann-Ayeni)
Ein wichtiger Bestandteil der "afro look" waren vor allem Gedichte und Geschichten, die oft sehr persönlich und z.T. anonym veröffentlicht wurden. Hierin spiegelte sich das ganze Repertoire Schwarzer künstlerischer Begabung, aber auch persönlicher Verletzungen wider. Für viele Autoren bedeutete die Veröffentlichung der Texte einen wichtigen Schritt bei der Identitätsfindung. "afro look" nahm sie ernst.

Der Fall der Berliner Mauer eröffnete der "afro look" eine neue Leserschaft. Aber auch vor 1989 fuhren Mitglieder der Redaktion in den Ostteil der Stadt, um sich mit Afro-Deutschen in der DDR auszutauschen, die wiederum interessante neue Perspektiven der afro-deutschen Identität einbrachten. Über die Jahre wuchs auch im Ausland das Interesse an der Zeitschrift, vor allem in den USA. "afro look" schaffte es sogar, einen Verteiler in den Vereinigten Staaten aufzubauen. Zahlreiche amerikanische Universitäten und Professoren verwendeten "afro look" für ihren Deutsch- oder Geschichtsunterricht. Mindestens eine Magisterarbeit hatte die Zeitschrift zum Thema.



 

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