Dossierbild Afrikanische Diaspora

10.8.2004 | Von:
Jeannine Kantara

Die Geschichte der "afro look"

Ausgabe Nr. 24/25 der "afro look", 1997Ausgabe Nr. 24/25 (1997). (© Jeannine Kantara/Ricky Reiser)

Entwicklung

Leider profitierte die Zeitschrift von allen diesen Verbindungen recht wenig – weder finanziell noch ideell. Obwohl unzählige Artikel, Diplomarbeiten und Aufsätze über Schwarze Deutsche Auszüge aus dem Blatt zitierten, wurden die ursprünglichen Verfasser kaum dafür entlohnt. Die finanziellen Kapazitäten der Redaktion reichten nicht aus, um die Urheberschaft zu schützen. Allerdings wurde der Titel "afro look" beim Patentamt als Marke eingetragen.

1997 veranstaltete die ISD eine Jubiliäumsparty für "afro look". Zehn Jahre erfolgreicher Arbeit wollten gefeiert werden. Die Jubiläumsausgabe erschien viersprachig. Trotzdem steckte die Zeitschrift zu diesem Zeitpunkt bereits in finanziellen Schwierigkeiten. Die Anzeigen gingen zurück, der Vertrieb gestaltete sich schwierig und die Druckkosten mussten inzwischen selbst finanziert werden. Das Redaktionsteam wechselte häufig über die Jahre. Die ehemaligen Studierenden sowie Schülerinnen und Schüler, die ehrenamtlich das Blatt herausgegeben hatten, gingen ins Berufsleben oder ins Ausland. Man hatte andere Prioritäten, als unentgeltlich eine Zeitschrift herauszugeben. Vor allem jedoch fehlte der Nachwuchs, der mit demselben Enthusiasmus an die Arbeit ging.

Zum Schluss gab es nur noch zwei Herausgeberinnen, die versuchten, die Zeitschrift im Alleingang zu veröffentlichen. Zwei Jahre konnte das Blatt noch durchzuhalten. 1999 erschien die vorerst letzte Ausgabe der "afro look", obwohl das Magazin offiziell niemals eingestellt worden ist.

Ausgabe Nr. 31-32 der "afro look", 1999Ausgabe Nr. 31-32 (1999). (© Jeannine Kantara/Ricky Reiser)

Perspektiven

Zurzeit existieren kaum Möglichkeiten, das Projekt weiterzuführen. Viele unveröffentlichte Texte liegen für den Abdruck bereit, doch ohne ausreichende Finanzierung und Teamstärke kann man keine Zeitschrift machen. Darüber hinaus müsste das Konzept der "afro look" neu überdacht werden. Die Zeitschrift war ursprünglich als Vereinsblatt konzipiert. Über die Jahre entwickelte sie sich jedoch zu einem viel größeren Projekt, das zwar Bindungen an die ISD hatte, aber völlig unabhängig vom Verein wirtschaftete.

Auch die Lebenssituationen Schwarzer Menschen in Deutschland haben sich verändert. Die Erfordernisse an eine Berichterstattung von Schwarzen Menschen über Schwarze Menschen sind heute andere als vor sechzehn Jahren. Ein Schwarzes Magazin muss dieser Entwicklung Rechnung tragen. Es fehlen neue Impulse, die zwar in der Community vorhanden sind, momentan aber nicht publizistisch umgesetzt werden. Neue Versuche wie beispielsweise die Jugendzeitschrift "Blite", ein Projekt der Berliner ISD für Schwarze Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren, leiden unter denselben Problemen.

Dennoch gibt es auch Initiativen, Schwarze Medien neu zu beleben, beispielsweise das Schwarze Fernsehen oder Afro-TV in Berlin. Es gibt Überlegungen, "afro look" als Netzzeitung zu publizieren. "afro look" ist eine Community-Zeitung, die die Entwicklung des Schwarzen Selbstverständnisses in Deutschland von Beginn an begleitet hat. Das macht sie einmalig und revolutionär. Sie ist und bleibt ein wichtiger Teil afro-deutscher Geschichte.


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