Russlanddeutsche Auswanderung

Die "Deutsche Operation"

Der NKWD-Befehl Nr. 00439 vom 25. Juli 1937


18.7.2017
Die "Deutsche-Operation" war der Beginn einer Reihe von Repressivmaßnahmen des kommunistischen Regimes, die als "nationale Linien" bezeichnet wurden. Faktisch waren es politisch-ethnische Säuberungsaktionen – denn die meisten der Inhaftierten wurden anschließend erschossen.

Gemälde "Das sinn die...". Heinrich Brogsitter, Öl auf Karton, 1995.Gemälde "Das sinn die...". Heinrich Brogsitter, Öl auf Karton, 1995. (© Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte/ Inv.Nr.: 2002/13)

Das "Volkskommissariat des Inneren" (NKWD) der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR), das aus der Geheimpolizei "Vereinigte staatliche politische Verwaltung" (OGPU) hervorgegangen war, erließ am 25. Juli 1937 den Befehl mit der Nummer 00439. Der Befehl leitete die "Operation zur Ergreifung von Repressivmaßnahmen an deutschen Staatsangehörigen, die der Spionage gegen die UdSSR verdächtig sind" ein. Es sollte die erste von einer ganzen Reihe "nationaler Operationen" werden, die faktisch politisch-ethnische Säuberungsaktionen des kommunistischen Regimes waren. Denn die meisten der Inhaftierten wurden anschließend erschossen.

Vor der Machtergreifung der Bolschewiki



Im Verlauf des Ersten Weltkriegs war die deutsche Bevölkerung des Russischen Reiches zahlreichen Repressionen der Regierung und der militärischen Führung ausgesetzt. Diese reichten vom Verbot der deutschen Sprache und der Umbenennung deutscher Ortschaften über die Sequestrierung und Zwangsversteigerung von Wirtschaftsunternehmen und bäuerlichen Besitzes bis zur Deportation von ca. 500.000 deutschen Untertanen des Russischen Reiches aus den polnischen Gouvernements, aus Wolhynien, Podolien, den Ostseeprovinzen und anderen Gouvernements an der Westgrenze Russlands.

Repräsentanten der deutschen Bevölkerung (Abgeordnete der Russischen Staatsduma, Funktionsträger politischer Parteien, Vertreter auf kommunaler und regionaler Verwaltungsebene, Intellektuelle, Geistliche, Unternehmer, Vertreter freier Berufe) haben sich schon während des Ersten Weltkrieges, erst recht aber nach dem Sturz der Monarchie und der Ausrufung einer Republik, gegen die Diskriminierung der Deutschen und für deren gleichberechtigte Teilnahme am öffentlichen Leben der noch zu schaffenden demokratischen und rechtstaatlichen Republik Russland eingesetzt. Allgemeines Wahlrecht, Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz ungeachtet ihrer Religion und Volkszugehörigkeit, Bürgerrechte und Schutz des Eigentums waren die zentralen Forderungen, auf die sich deutsche Lutheraner, Katholiken und Mennoniten im Frühjahr und Sommer 1917 verständigt hatten.

Die Machtergreifung der Bolschewiki in der Hauptstadt Petrograd und deren Ausweitung auf weite Teile des Landes im Verlauf eines mehrjährigen Bürgerkrieges führten zum Abbruch des Demokratisierungsprozesses. Das Russische Reich verwandelte sich nicht vom Zarenreich zur Demokratie, sondern zu einer "Diktatur des Proletariats" mit der Bolschewistischen Partei als Avantgarde. Das Endziel sollte die Weltrevolution sein.

Durchsetzung der Sowjetmacht



Die Sowjetmacht wurde in den deutschen Siedlungen gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt. Aus Mitgliedern der bolschewistischen Partei bestehende bewaffnete Sonderabteilungen (Tschasti osobogo naznatschenija, TschON) und territoriale Einheiten der Roten Armee sorgten für die Durchsetzung der Beschlüsse des Rats der Volkskommissare und unterdrückten aufkommenden Widerstand. Loyalität oder Unterstützung des Regimes konnte damit jedoch nicht erreicht werden. Auf Seiten der Sowjetmacht gab es zwar deutsche und österreichische Kriegsgefangene, die freiwillig in Sowjetrussland zurückblieben und sich für den Aufbau des Sozialismus einsetzten. Die Agitation dieser "Internationalisten", die der deutschen Bevölkerung des Landes fremd waren, erwies sich jedoch als wenig wirkungsvoll.

Am 5. April 1922 wurde auf Betreiben des Zentralbüros der deutschen Sektionen beim Zentralkomitee der Kommunistischen Allunions-Partei (Bolschewiki) – wie sich die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) von 1925-1952 nannte, abgekürzt: ZK WKP(B) – in Moskau eine "Deutsche Kultur- und Wirtschaftsgesellschaft" gegründet, unter deren Dach an verschiedenen Orten gegründete Hilfsvereine zusammengeführt werden sollten. (1917 wurde in Moskau am 20.-22. April und 10.-12. September auf Initiative von Prof. Karl Lindemann Kongresse von Vertretern der deutschen Bevölkerung des Russischen Reiches durchgeführt, auf denen Zukunftsperspektiven diskutiert und Programme beschlossen wurden.) Als das ZK der WKP(B) sah, dass es diese Vereine, vor allem die in der Ukraine, nicht unter seine Kontrolle bringen konnte, wurde die Idee aufgegeben, einen III. Kolonistenkongress durchzuführen. Stattdessen wurden lokale und regionale Konferenzen parteiloser deutscher Bauern durchgeführt, die von den Bolschewiki vorbereitet und geleitet wurden.

Beobachtung aller "Deutschländer"



Mit dem Rundbrief Nr. 7/37 "Über den deutschen Aufklärungsdienst und dessen Bekämpfung" vom 9. Juli 1924 hat die Geheimpolizei OGPU reichsdeutsche Firmen und Bürger der Spionage bezichtigt. Gleichzeitig wurde die Behauptung aufgestellt, die deutsche Bevölkerung sei die wichtigste Quelle zum Abschöpfen von nachrichtendienstlichen Informationen. Deshalb wurde eine genaue Beobachtung "aller deutschländischen (germanischen) Kolonistenvereine, Schulen, Klubs, Wohlfahrtsgesellschaften zwecks Aufdeckung ihrer Verbindungen mit Vertretungen im Ausland, dem Deutschen Roten Kreuz u.a. angeordnet". Auffallend an dieser Anordnung ist, dass Vereine deutscher Sowjetbürger als "deutschländische", d.h. ausländische bezeichnet wurden. Damit wurde auf deutschfeindliche Unterstellungen aus der Zeit kurz vor und während des Ersten Weltkrieges zurückgegriffen. Ein Jahr später hieß es in einem Bericht "Über die deutsche konterrevolutionäre Tätigkeit in der UdSSR" bereits, die Deutschen seien als dem Kommunismus und der UdSSR feindselige Bevölkerungsschicht die größte Gefahr. "Die deutschen Kolonien sind die Basis für die antisowjetische Politik der Deutschen und der Politik der Sprengung von innen heraus".

Eine Bestätigung dafür sah man darin, dass in den 1920er - Anfang der 1930er Jahre der deutsche Anteil an Mitgliedern der kommunistischen Partei, des Jugendverbandes Komsomol und anderen sowjetischen Organisationen sehr niedrig war, unter der Lehrerschaft Träger der kommunistischen Ideologie fehlten, die Gemeinden zusammenhielten und die Geistlichen unterstützten, die deutschen und mennonitischen Bauern sich der Kollektivierung der Landwirtschaft widersetzen und während der Hungersnot 1932-1933 Unterstützung aus Deutschland bekamen.
Zwischen Einbindung, Ausgrenzung und Verfolgung: Wolgadeutsche Kavalleristen der Roten Armee (die deutsche Eskadron des 31. Kavallerieregiments in Gomel, um 1931).Zwischen Einbindung, Ausgrenzung und Verfolgung: Wolgadeutsche Kavalleristen der Roten Armee (die deutsche Eskadron des 31. Kavallerieregiments in Gomel, um 1931). (© picture-alliance/akg)

Verhaftungen in der Ukraine



Nach der Machübernahme durch Hitler äußerte der sowjetische Außenminister Litwinow am 7. März 1933 dem deutschen Botschafter von Dirksen gegenüber "größte Zurückhaltung" bezüglich der Regierungsbeteiligung der NSDAP. Aus Hitlers "Mein Kampf" und Rosenbergs "Zukunftsweg deutscher Außenpolitik" hat die sowjetische Führung geschlussfolgert, dass Deutschland sich die Lostrennung der Ukraine von Russland zum Ziel gesetzt habe und die deutsche Bevölkerung dafür instrumentalisieren werde. Am 25. September 1933 berichtete der Chef der OGPU der Ukraine bereits darüber, dass die Tätigkeit von deutschen Faschisten in Industriebetrieben und Militäreinheiten aufgedeckt und in deutschen Siedlungen der Gebiete Odessa, Donezk, Dnepropetrovsk, Kiew 69 aufständische Zellen und Organisationen enttarnt worden sein. Allein im Gebiet Odessa seien davon 22 Kolonien betroffen gewesen. Insgesamt wurden 1934 ca. 4.000 Russlanddeutsche in der UdSSR verhaftet.

Verhaftungen in der Wolgadeutschenrepublik



Auch in der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (ASSR) der Wolgadeutschen, die als Hort einer im Entstehen begriffenen sozialistischen deutschen Nation galt, wurden bis zum 15. Januar 1935 185 Personen als "faschistisches Element" inhaftiert. Im Verlauf der Jahre 1935 und 1936 hat das Volkskommissariat für innere Angelegenheiten (NKWD) als Nachfolgeorganisation der OGPU wiederholt und in verschärfter Form über angeblich enttarnte Spionagetätigkeit und die Vorbereitung von Sturmabteilungen in deutschen Siedlungen berichtet, die im Falle eines deutsch-sowjetischen Krieges im Rücken der Roten Armee Sabotageakten durchführen sollten. Im Frühjahr 1936 wurden insgesamt 123 österreichische und deutsche Emigranten verhaftet, die zum Teil seit dem Ersten Weltkrieg in der Ukraine zurückblieben, sich dort aktiv an der Errichtung der Sowjetmacht beteiligten und führende Positionen in der Natiionalitätenpolitik inne hatten. Das NKWD machte daraus einen "Nationalen Verband der Deutschen in der Ukraine". In einem zweiten Dokument war bereits von einer angeblich vorhandenen "Deutschen Front" die Rede.

Diese Entwicklung fand statt vor dem Hintergrund zunehmender internationaler Spannungen (Spanischer Bürgerkrieg, japanische Expansion im Fernen Osten) und der Vernichtung der innerparteilichen Opposition gegen Stalin, die als Trotzkisten gebrandmarkt wurden. Auf der Plenarsitzung des ZK der WKP(B) am 3. März 1937 wurde eine Resolution über "Ergebnisse von Sabotage, Diversionen und Spionage japanisch-deutsch-trozkistischer Agenten" gefasst, womit die WKP(B) und das NKWD auf die Verstärkung der repressiven Politik gegen jegliche "antisowjetischen" Erscheinungen eingestimmt wurden. Es wurde die "Große Säuberung" vorbereitet.

NKWD-Befehl 00439 – "Deutsche-Operation"



Schließlich wurde am 25. Juli der Befehl des NKWD der UdSSR Nr. 00439 herausgegeben, der vorsah, binnen drei Tagen alle deutschen Staatsangehörigen, die in Rüstungsbetrieben arbeiteten oder früher gearbeitet hatten, so wie alle deutschen Staatsangehörigen, die bei der Bahn beschäftigt waren, zu erfassen. Ab dem 29. Juli sollten sie alle binnen fünf Tagen verhaftet werden. Unverzüglich sollte auch das Umfeld aller Reichsdeutschen erfasst und mit der sorgfältigen operativen Überprüfung begonnen werden. Deutsche Konsulate meldeten der Botschaft Moskau zahlreiche Verhaftungen von reichsdeutschen Ingenieuren und Facharbeitern, die am 31. Juli 1937 stattfanden. Am 26. Juli wurden die Spitzenfunktionäre der Wolgarepublik, die sich auf der Parteikonferenz vom 1.-4. Juni für die Enttarnung von "Volksfeinden" einsetzten, selbst als solche verhaftet. Sie gehörten angeblich einer "faschistischen, nationalistischen Untergrundorganisation" an. Darunter waren auch alle Mitglieder des Gebietsparteikomitees.

NKWD-Befehl Nr.00447 – "Kulaken-Operation"



Am 30. Juli 1937 folgte der Befehl des NKWD der UdSSR Nr. 00447, mit dem die sogenannte Kulaken-Operation eingeleitet wurde. Nach diesem Befehl folgten "nationale" Operationen gegen Polen, Koreaner, Letten, Esten, Finnen, Griechen, Iraner, Chinesen, Rumänen, Bulgaren und Mazedonier unabhängig davon, ob diese ausländische Staatsbürger waren oder Sowjetbürger. Alle diese Operationen richteten sich angeblich gegen die jeweilige Spionage. Sie sollten bis Ende 1937 abgeschlossen werden, wurden aber auf Beschluss des Politbüros der WKP(B) vom 31. Januar 1938 bis zum 15. April 1938 verlängert.

Die "Deutsche Operation" hatte ursprünglich die Verhaftung deutscher Reichsangehöriger zum Ziel, die als Fachleute in Rüstungsbetrieben und im Transportwesen beschäftigt waren. Deren Anzahl erwies sich wegen der bereits vorher erfolgter Verhaftungen und der Rückkehr bzw. Ausweisung von Reichsangehörigen als relativ gering. Deshalb forderte der Volkskommissar des Innern der Ukraine, I. Leplewskij, bereits am 4. August 1937 mit der Verhaftung der "Gefolgsleute" ("nizowka") der verhafteten Reichsdeutschen zu beginnen. Unter "Gefolgsleuten" verstand das NKWD Personen jeglicher Volks- und Staatszugehörigkeit, mit denen verhaftete Reichdeutsche dienstlich oder privat in Kontakt standen. Spezielle Kategorien bildeten Besucherinnen und Besucher der deutschen Konsulate Charkow, Kiew und Odessa, ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutscher Firmen, Empfängerinnen und Empfänger der Hungerhilfe, Angehörige der Selbsschutzabteilungen der Jahre 1918-1919, Soldaten des Ersten Weltkrieges jeglicher Volkszugehörigkeit, die in deutscher oder österreichischer Gefangenschaft waren sowie Menschen, die mit Verwandten im Ausland Briefwechsel hatten. Berücksichtigt man, dass auch in der "Kulaken-Operation" Tausende von ehemals wohlhabenden deutschen Bäuerinnen und Bauern unterdrückt wurden, wird klar, dass potentiell jeder deutsche Sowjetbürger gefährdet war.
Aquarell "Koloski", Kurt Hein, 2004.Aquarell "Koloski", Kurt Hein, 2004. (© Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte/ Inv.Nr.: 2005/203)

NKWD-Praktiken



Die inzwischen zahlreichen Forschungen über den "Großen Terror" legten die Haftursachen, Haftbedingungen und die Verhörmethoden offen. Den Ausgangspunkt bildeten Datenbanken, in denen auffällig gewordene Personen erfasst waren. Verhörprotokolle und Protokolle von Gegenüberstellungen wurden systematisch gefälscht, körperliche Gewalt bis zur Ermordung wurde von hochrangigen NKWD-Funktionären praktiziert und von Untergebenen gefordert. Wenn Schuldgeständnisse nicht erreicht werden konnten, wurden fabrizierte "Zeugenaussagen" von regimetreuen Arbeitskollegen oder Nachbarn herangezogen.

Die Intensität der Festnahmen und die Anzahl der zum Erschießen bzw. zur Lagerhaft zu verurteilenden Deutschen hing vor allem von Befehlen vorgesetzter NKWD-Amtsträger ab. Ab Mitte November hielt sich der stellvertretende Volkskommissar der UdSSR L. N. Bel'skij in Donezk auf. Am 19. November 1937 hat er entsprechend dem Befehl Nr. 00439 zum Tod durch Erschießen 94 Personen und 16 zu 10 Jahren Lagerhaft, am 21. November 150 Personen zum Tode und 5 zu 10 Jahren Lagerhaft, am 23. November 155 zum Tode und 1 Person zu 10 Jahren Lagerhaft verurteilt.

Im Februar 1938 hielt sich der NKWD-Chef N. Jeschow in der Ukraine auf. Daraufhin bekam die Verhaftungswelle eine neue Dynamik. In allen Landkreisen wurden "aufständische" Gruppen aufgespürt. Von Januar bis September 1938 wurden 201 "deutsch-faschistische Organisation" enttarnt und 9.317 Personen verhaftet.

Repressionen nicht nur gegen Deutsche



Die russischen Historiker N. Ochotin und A. Roginskij kamen in ihren Untersuchungen zum Schluss, dass 1937-1938 ca. 69-73.000 Deutsche verurteilt wurden, davon nach dem "Deutschen Befehl" 76,17% zum Tod durch Erschießen. In der Region Krasnodar lag dieser Anteil bei 96,1 %, im Gebiet Nowosibirsk bei 96,3 %, im Gebiet Orenburg bei 96,8 %.

Von einigen Forschern wird bezweifelt, dass die Repressionen gegen die deutschen Sowjetbürger aufgrund der "Deutschen Linie" (Befehl Nr. 00439) erfolgt seien. Berücksichtigt man die Einstellung der Parteiführung und der Sicherheitsorgane den Deutschen gegenüber seit 1922, insbesondere die Befehle und "Orientierungen" des NKWD betreffend der Bekämpfung der deutschen Konterrevolution und Spionage, die Kriterien für die karteimäßige Erfassung, so bleibt für solche Zweifel kein Raum. In den Protokollen der "Dwojka" (Volkskommissar des Innern der UdSSR und der Generalstaatsanwalt der UdSSR) über die Bestätigung des von Gebiets-Trojkas (NKWD-Chef, Gebietsparteisekretär, Staatsanwalt des Gebiets) vorgeschlagenen Strafmaßes (Tod durch Erschießen, Lagerhaft) wurde die jeweilige "Linie" genannt. Dies trifft auch auf die Korrespondenz der 8. Abteilung des NKWD der UdSSR mit den NKWD-Verwaltungen in den Republiken, Regionen und Gebieten zu. Fest steht auch, dass Deutsche nicht nur nach der "Deutschen Linie", sondern auch als Kulaken und nach anderen nationalen Linien verfolgt wurden. Nach der "Deutschen Linie" wiederum, wurden auch Russen, Ukrainer, Polen, Juden u.a. unterdrückt.

Ab 1954 fand die Überprüfung aller Verfahren gegen die wegen konterrevolutionärer Verbrechen verurteilten Lagerinsassen statt. In den 1960er Jahren setzten sich Angehörige von zum Tode Verurteilten für deren Rehabilitierung ein. Bei erneuter Prüfung der Akten und der Zeugenbefragung kam die Justiz zur Feststellung, dass die Verfahren der Jahre 1937-1938 unter grober Verletzung der geltenden Rechtsnormen und ohne Nachweis der Schuld durchgeführt wurden. Solche Verfahren wurden mangels eines Straftatbestands eingestellt und die Opfer postum rehabilitiert.


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