Dossierbild "Hotel California"
1 | 2 | 3 | 4 Pfeil rechts

Hotel California: Arbeitsblatt und Unterrichtsvorschläge


28.3.2017
Die Aufgaben und Inputs zum Film "Hotel California" behandeln Themen wie Alltagsrassismus, Flüchtlingspolitik, Gleichberechtigung, Inklusion und Zivilcourage. Sie eignen sich sowohl für den schulischen Unterricht als auch für außerschulische Bildungsveranstaltungen.

Film-Still aus dem Kurzspielfilm "Hotel California"Film-Still aus dem Kurzspielfilm "Hotel California" Lizenz: cc by-sa/4.0/deed.de (ABC Bildungs- und Tagungszentrum e.V., DirectorsCut)

Der Kurzspielfilm "Hotel California" erzählt vom Zusammenleben junger Menschen mit und ohne Fluchterfahrung. Vor der Kamera standen 24 Jugendliche – die Hälfte von ihnen ist in den letzten Jahren nach Deutschland geflüchtet. Hinter der Kamera haben professionelle Filmemacher die Geschichte in Szene gesetzt. Regisseur Patrick Merz hat das Drehbuch gemeinsam mit den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern erarbeitet. Diese Vorarbeit fand im Rahmen von Workshops des ABC Bildungs- und Tagungszentrums im niedersächsischen Drochtersen-Hüll statt, dessen Arbeitsschwerpunkt die politische Bildung mit Medien ist.

Der Film basiert auf wahren Geschichten. Die Beteiligten spielen aber auch mit Vorurteilen und verwenden bewusst Klischees, um Diskussionen über Alltagsrassismus, Flüchtlingspolitik, Gleichberechtigung, Inklusion und Zivilcourage anzuregen. "Hotel California" bietet, insbesondere auch für Schulklassen und Jugendgruppen mit heterogenen Sprachkenntnissen, einen guten Einstieg in diese Themenfelder. Die folgenden Aufgaben und Inputs richten sich an Jugendliche ab 14 Jahren. Sie eignen sich sowohl für den schulischen Unterricht als auch für außerschulische Bildungsveranstaltungen.

In Kürze stellen wir das Arbeitsblatt auch als PDF-Dokument und als ODT-Datei zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung.


Aufgabe 1: (Mixed) Migration



„Da muss man was tun!“ (Linda) – Ausschnitt aus dem Kurzspielfilm "Hotel California" – 29:40 Min.



Unterrichtsvorbereitung: Als Einstieg ins Thema und zur Vorbereitung auf die Filmvorführung von "Hotel California" tauschen sich die Schüler und Schülerinnen über persönliche Erfahrungen, Vorstellungen und Befürchtungen zu den Themen Migration, Flucht und Asyl aus: Was müsste passieren, damit sie ihr Zuhause verlassen und wie möchten sie am neuen Ort aufgenommen werden?

Aufgabe 1a: (Un)Freiwillig unterwegs

Nenne Gründe, die eintreten müssten, damit du Deutschland verlässt – sei es freiwillig oder unter Zwang: Sortiere die Gründe in die Kategorien „freiwillige“ und „unfreiwillige“ Migration.

Kläre den Unterschied zwischen „Flucht aus Zwang“ und „freiwilliger Migration“ und beurteile, ob die Begriffe immer klar voneinander getrennt werden können.

Informiere Dich im Internet über das sogenannte Konzept der „Mixed Migration“.

→ Lenuweit, Tanja: Lernen über Migration und Menschenrechte. Flüchtlinge gestern – Flüchtlinge heute, Handreichung für Unterricht und Bildungsarbeit, hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, Berlin 2015, S. 7ff.

Aufgabe 1b: Weggehen und Ankommen

Diskutiert in Kleingruppen die folgenden zwei Situationen nach der Placemat-Methode:

1. Ihr müsst oder wollt Euer Zuhause verlassen, um in einem anderen, weit entfernten Land zu leben und zu arbeiten: Fertigt eine Liste der fünf wichtigsten Dinge an, die Ihr mitnehmt.

2. Ihr kommt in dem neuen Land an: Beschreibt, was Ihr braucht, um dort glücklich leben zu können (dabei nicht nur an materielle Dinge denken). Erstellt eine sogenannte „Placemat“: das ist ein Blatt, auf dem eure übereinstimmenden Antworten in der Mitte und die individuellen Antworten in einer jeweiligen Ecke stehen.

Erklärung zur Methode Placemat

Aufgabe 1c: Fluchtgründe

Lena spielt im Film "Hotel California" die Anführerin einer Dorfclique. Sie will nichts mit Geflüchteten zu tun haben und sagt: „Was kann ich dafür, dass in deren Land Krieg herrscht?“

Recherchiere ausgehend von der Aufgabe 1a die Bedeutung sogenannter „Push-Faktoren“ (die Menschen aus den Herkunftsländern wegdrücken) und „Pull-Faktoren“ (die Menschen in die Aufnahmeländer ziehen).

Ordne den Begriffen unter anderem folgende Fluchtgründe zu: Armut - Arbeitslosigkeit - Naturkatastrophen - Kriege - politische und soziale Konflikte - schlechter Zugang zu Bildung - mangelhafte Gesundheitsversorgung - Hunger - höhere Löhne - besseres Rechtsverständnis - Globalisierung - familiäre Gründe - bessere Bildungschancen - bessere Gesundheitsversorgung - Sicherheit

Push- und Pullfaktoren bei der Migration, Erklärvideo der "Zentralen Einrichtung für Sprachen und Schlüsselqualifikationen" (ZESS) der Uni Göttingen, 24.11.2015 (Stand: 08.03.2017)


Aufgabe 2: Flucht



„Charlie, von Politik verstehst du gar nichts. Die fliehen wegen den Taliban, nicht andersrum.“ (Linda) – Ausschnitt aus dem Kurzspielfilm "Hotel California" – 4:18 Min.



Unterrichtsvorbereitung: Idealerweise wird "Hotel California" in inklusiven Gruppen gezeigt und diskutiert, sodass Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung gemeinsam arbeiten. Ziel ist, dass ein Austausch und eine gemeinsame Diskussion stattfindet; ein "Sprechen über andere" sollte vermieden werden. Falls dies nicht möglich ist, versuchen sie, über verschiedene Inputs die Perspektivenübernahme zu fördern, sodass innerhalb der Gruppe die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden kann.

Aufgabe 2a: Entscheidung zur Flucht

Viele der jungen Laienschauspielerinnen und -schauspieler aus dem Film "Hotel California" hatten vor Beginn der Drehaufnahmen bereits eine monate-, manchmal jahrelange Flucht durch verschiedene Länder hinter sich. Die Entscheidung zur Flucht wurde bei einigen von den Eltern gefällt, andere machten sich heimlich und ohne Abschied auf den Weg. Die meisten flüchteten auf dem Landweg. Daher konnten sie kaum Gepäck mit sich führen. Viele verloren unterwegs ihr Hab und Gut.

Überlege dir, welche materiellen Dinge du im Fall eines Umzugs mit dir nehmen würdest (es steht ein kleiner Umzugswagen zur Verfügung). Notiere die Gegenstände auf einzelne Zettel.

Schau dir anschließend in der Gruppe Bilder von Menschen auf der Flucht an, die einen Einblick in ihre Besitztümer gegeben haben. Und/oder lest gemeinsam den Artikel über die wenigen Dinge, die Menschen auf ihre Flucht übers Mittelmeer mitnehmen.

Spiele die Eingangssituation nun noch einmal ohne Umzugswagen durch: Trenne dich von einem Großteil der Gegenstände; zerknülle die entsprechenden Zettel und wirf sie in den Papierkorb.

→ Ein Handy, ein Deo, Turnschuhe – kostbare Dinge auf der Flucht. In: Die Zeit, 26.06.2015. Online unter: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-06/fluechtlinge-fs« (Stand: 08.03.2017)

→ Gerstlauer, Anne-Kathrin: Was Flüchtlinge aufs Mittelmeer mitnehmen. In: Die Zeit, 07.09.2015. Online unter: http://blog.zeit.de/teilchen/2015/09/07/was-fluechtlinge-aufs-mittelmeer-mitnehmen/« (Stand: 08.03.2017)

Aufgabe 2b: Konsequenzen der Flucht

Die Bilder aus der Zimmeretage im "Hotel California" zeigen ein möglichst realistisches Bild von Unterkünften für Geflüchtete (Jugendliche, die mehrere Monate in verschiedenen Unterkünften gewohnt haben, richteten das Filmset ein): Mehrbettzimmer mit fremden Menschen, Gemeinschaftsduschen, wenig Platz für persönliche Besitztümer und keinerlei Privatsphäre. Menschen, die sich entscheiden zu fliehen, müssen ihre gewohnte Umgebung und oftmals ihre Familie und Freunde und immer ihren Alltag hinter sich lassen.

Überlegt Euch in der Gruppe, auf was Ihr unter keinen Umständen für einen beschränkten Zeitraum oder auch für immer verzichten könntet: Bringt auf dem Boden mit Kreppband oder Kreide eine Prioritäten-Leiste an (am einen Ende steht "überhaupt nicht", am anderen Ende steht "sehr leicht".

Positioniert Euch nun auf dieser Leiste zu der folgenden Frage: „Auf was könntest du für wie lange Zeit verzichten?“

Folgende Dinge stehen zu Auswahl: Eltern - Geschwister - beste/r Freund/in - Heimat - Zuhause - Zimmer - eigenes Bett - Handy - Computer - Fernseher - liebste Freizeitbeschäftigung - Internet - Schule/Ausbildung - Wasser - Lebensmittel - eigene Toilette - warme Dusche - Geld - Sprache

Sucht gemeinsam nach weiteren Dingen, auf die Ihr unter keinen Umständen oder auch nur ungern verzichten könntet.

→ Für eine schriftliche Variante der Aufgabe in Tabellenform vgl. Abenteuer rotes Kreuz. Eine Idee verändert die Welt. Dossier Regeln im Krieg, hrsg. vom Schweizerischen Roten Kreuz, Bern 2016, S. 11. Online unter: http://schulen.redcross.ch/abenteuer-rotes-kreuz/regeln-im-krieg-0 (Stand: 08.03.2017)

Aufgabe 2c: Die Menschen hinter den Zahlen

Möglicherweise sind Teilnehmende mit Fluchterfahrung in der Gruppe, die sie als Lehrkraft fragen können, ob sie – nicht als Flüchtling, sondern als Mitglied der Gruppe – etwas über ihr aktuelles Leben und ihre Vergangenheit erzählen wollen. Es gibt auch die Möglichkeit, Jugendliche mit Fluchterfahrung zur Vorführung von "Hotel California" einzuladen. Zudem finden sie im Internet Kurzbiografien, Filme, Audios und Multimediareportagen verschiedenster Menschen, die gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen.

Wähle eine Biografie und schreibe einem Menschen, der Einblick in sein Leben gewährt hat, einen Brief (oder male ein Bild): „Liebe ……, ich habe Deine/Ihre Geschichte gelesen. Ich finde …, meiner Meinung nach …, ich wünsche mir …“ Wenn du möchtest, lies den Brief im Plenum vor.

→ Willkommen? Syrische Flüchtlinge im Libanon und in Deutschland. Materialien zur friedenspolitischen Bildung, hrsg. vom Forum Ziviler Friedensdienst, Köln 2015. Online unter: http://forumzfd.de/sites/default/files/downloads/Unterrichtsheft 2015 final.pdf (Stand: 08.03.2017)

→ Flüchtlinge erzählen ihre Geschichte, hrsg. von der UNO-Flüchtlingshilfe. Online unter: https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/fluechtlinge-erzaehlen.html (Stand: 08.03.2017)

Mulugeta, Addis und von Eichhorn, Caroline: Neu in Deutschland. Mit Fotos von Johannes Arlt, Erol Gurian und Gordon Welters, hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2016



Creative Commons License Dieser Text und der Medieninhalt sind unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-sa/4.0
Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-sa/4.0
Autor: Andrea Keller für bpb.de

 
Seefeuer, Fluchtkinofenster.de

Filmarbeit zum Thema Flucht

Welchen Beitrag leistet pädagogische Filmarbeit zur interkulturellen Verständigung und zur Inklusion von geflüchteten Kindern und Jugendlichen? Das Dossier auf kinofenster.de bietet Hintergrundtexte zur filmischen Vermittlung von Fluchterfahrung sowie zum Umgang mit Traumata in der Filmarbeit und stellt verschiedene praktische Filmprojekte vor. Weiter... 

Länderprofile

Länderprofile Migration: Daten - Geschichte - Politik

Ein Länderprofil enthält Informationen über Zuwanderung, Flucht und Asyl sowie Integration in einem bestimmten Land. Diese Informationen bestehen aus: Daten und Statistiken, Geschichtlichen Entwicklungen, Rechtlichen und politischen Maßnahmen, Aktuellen Debatten in den Ländern. Weiter... 

Flüchtlinge warten an der griechisch-mazedonischen Grenze auf ihre Weiterreise.HanisauLand.de

Spezial: Menschen auf der Flucht

Weltweit sind 2015 ungefähr 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Etwa die Hälfte aller Flüchtlinge sind unter 18 Jahre alt. Sie wollen Kriegen und Konflikten in ihren Heimatländern entkommen. Eine Flucht ist oft gefährlich, sie kann lange dauern. Meistens wissen die Flüchtlinge nicht, wo ihr Ziel sein wird. Die Spezial-Seite stellt die Flüchtlingsthematik für Kinder dar. Weiter... 

Dossier

Willkommen auf Deutsch

Wie reagieren Menschen, wenn in ihrer Nachbarschaft Asylsuchende untergebracht werden? Der Film "Willkommen auf Deutsch" geht diesem Thema nach und beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Weiter... 

Themenseite

Flucht

Täglich flüchten Menschen nach Europa. Die Aufnahmeländer stellt das vor immense Herausforderungen. Die Themenseite vereinigt Angebote der bpb zu Flucht und Zuwanderung. Weiter... 

Hassan Akkouch, Lial Akkouch, Maradona Akkouch, Neukölln Unlimited, NeuköllnDossier

Neukölln Unlimited

Die Geschwister Lial, Hassan und Maradona wachsen in Berlin Neukölln auf, ihre Jugend ist von der Leidenschaft für Breakdance und Musik geprägt, aber auch vom Kampf der Familie für ihr Bleiberecht. Der Dokumentarfilm "Neukölln Unlimited" zeigt den Alltag und die Träume selbstbewußter junger Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und kann für wichtige Fragen der politischen Bildung sensibilisieren in den Themenfelder Migration, Asyl, Bildung und Jugendkultur. Weiter...