Frauenfußballerinnen
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Damenfußball, Straßenfußball: der weibliche Kick bis zum DFB-Verbot im Juli 1955


4.9.2007
In der Nachkriegszeit beginnen die ersten Mädchen wieder mit dem Fußballspiel. Viele der jungen Frauen, die in den späten 50er Jahren den Damenfußball in Deutschland prägen, beginnen als Straßenfußballerinnen.

Straßenfußballerin mit Freunden in den 50er JahrenStraßenfußballerin mit Freunden in den 50er Jahren (© Privatarchiv Nendza/Hoffmann)
Nach dem zweiten Weltkrieg melden sich die alten DFB-Funktionäre zurück und beschließen im Sommer 1949 in Stuttgart die Neugründung des Deutschen Fußball-Bundes. Anders als in der Weimarer Republik, in der die Arbeit der zahlreichen Fußball- und Sportverbände immer auch politischen oder weltanschaulichen Zielen diente, verpflichten sich nun alle Sportverbände in West-Deutschland dem Prinzip der Einheitsorganisation, die ohne Bindung an weltanschauliche Konzepte arbeitet. Der DFB, der zu Zeiten der Weimarer Republik noch in Konkurrenz zu den Fußballern des sozialistischen Arbeiter-Turn- und Sportbundes stand (die z.B. eigene deutsche Fußballmeisterschaften durchführten), wird konkurrenzloser Fußball-Dachverband.

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wird auch die grundgesetzliche Gleichberechtigung von Mann und Frau festgeschrieben. Doch zwischen Theorie und Praxis verläuft im konservativen Nachkriegsdeutschland ein tiefer Graben. Das patriarchalische Denken in geschlechtsspezifischen Bahnen dominiert immer noch Sport und Gesellschaft. Fußballsport gilt nach wie vor als "unweiblich" und "nichtfraugemäß".

Straßenfußball und "Damenballspiel" in Oberhausen



Dennoch findet man zu dieser Zeit unter den zahlreichen Straßenfußballern nicht wenige Mädchen, die nach der Schule mit Brüdern und Freunden auf der Straße, dem Schulhof oder auf brachliegenden Geländen in aller Öffentlichkeit Fußball spielen. Viele der jungen Frauen, die in den späten 50er Jahren den Damenfußball in Deutschland prägen, beginnen als Straßenfußballerin. "Neben der Schule war direkt ein Fußballplatz, und da sind wir immer hin: ein paar Jungens, ein paar Mädchen und haben gespielt", erinnert sich Erika Flügge von Rhenania Essen. Und auch Christa Kleinhans war Straßenfußballerin: "Wir spielten oft eine Ecke gegen die andere, Straßenanfang gegen Straßenende. Da wurde richtig rumgebolzt.". Irmgard Statzner, geb. Lammers, vom DFC Bochum schnürt bereits 1953 ihre Fußballschuhe, um regelmäßig zunächst in Essen, dann in Bochum mit anderen fußballbegeisterten Frauen auf einem richtigen Fußballplatz zu trainieren. Bereits seit 1951 kicken die Damen von Blau-Weiß Oberhausen regelmäßig untereinander. Um die Vereinskasse aufzubessern, plant Trainer und Organisationsleiter Rolf Warschun ein öffentliches "Damenballspiel". Die 22 Frauen im Alter von 17 bis 43 Jahren sollen eine Art Handfußballspiel austragen. Der Anstoß erfolgt am 5. Mai auf dem Sportplatz von Rot-Weiß Oberhausen. Dort bedauert man, dass der Platz vom geschäftsführenden Vorstand "irrtümlich" zur Verfügung gestellt worden sei. Die Vereinsleitung von RWO distanziert sich "von dieser Art Sport, die auf einen Rummelplatz gehört und mit den wahren Zielen des Sportgedankens nichts zu tun hat." (Ruhrwacht, 5.5.1951). Der "Generalanzeiger" (Oberhausen) merkt am Tag der Spiels hämisch an: "Eine Dauereinrichtung wird es nicht werden, denn Männer können blaue Flecken an den Beinen vertragen, Frauen aber sicher nicht. Es mindert die Anziehungskraft der Beine und damit wird sich keine Frau für ständig abfinden." Zum "Damenballspiel" kommen weit weniger als die erwarteten 6000 Zuschauer. Elf Tore fallen - und der DFB ist erbost: Rolf Warschun wird nach dem Spiel aller DFB-Ämter enthoben.


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Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/2.0
Autor: Eduard Hoffmann und Jürgen Nendza für bpb.de
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