Afrika

5.12.2005 | Von:
Henning Melber

Reif für die Konkurrenz?

Afrikas Märkte zwischen Freihandel und Protektionismus

Subventionierung bedeutet Benachteiligung

Maggi-Turm in BeninMaggi-Turm in Benin (© Adelheid Hahmann)
Die durchschnittliche tägliche Subventionsleistung für eine Kuh in den EU-Staaten liegt deutlich über dem Einkommen eines Großteils der Bevölkerung, die in den Ländern Afrikas südlich der Sahara unterhalb der Armutsgrenze lebt. Es ist also ein Trugschluss, davon auszugehen, dass eine Freigabe von Märkten der Schaffung gleicher Voraussetzungen entspricht, solange die Bezuschussung von Produzenten oder deren Produkten einen Wettbewerb einseitig verzerrt und auf Kosten jener geht, die von solch staatlicher Begünstigung ausgeschlossen oder vor dieser nicht geschützt sind.

Die jährlichen Subventionen landwirtschaftlicher Produkte in den EU-Staaten und den USA werden auf etwa 250 Mrd. US-Dollar geschätzt. Wenn diese einseitige Protektion heimischer Produzenten in den Industrieländern entfiele, bedürfte es keiner Entwicklungshilfe. Afrikanische Produzenten hätten stattdessen erstmals den Nutzen halbwegs gleicher Wettbewerbsbedingungen und könnten ihre Lage dadurch aus eigener Kraft verbessern.

Dass viele Länder Asiens ein vergleichsweise großes Wirtschaftswachstum erzielten, hat zwar auch mit speziellen Hemmfaktoren in afrikanischen Gesellschaften, aber wenig mit einer allgemeinen Marktliberalisierung dieser asiatischen Länder zu tun. Deren Eingliederung in den Weltmarkt erfolgte vielmehr selektiv und schrittweise gerade als Folge binnenorientierter Entwicklungsfortschritte. So konnten diese zeitweilig relativ geschützten Volkswirtschaften innerhalb von Jahrzehnten zu konkurrenzfähigen Exporteuren von Fertigwaren sogar im "High-Tech" Bereich heranwachsen.

Zollschutz als Notwehr?

Zwiebelverkäuferin in BeninZwiebelverkäuferin in Benin (© Adelheid Hahmann)
Die reichen Länder des Nordens koppelten im Zuge ihrer Industrialisierung während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts die Erschließung kolonialer Märkte als Rohstofflieferanten mit einer Schutzzoll-Politik. Diese ermöglichte ihnen den Aufbau einer eigenen Fertigwarenproduktion und damit die langfristige - wenn auch nicht unbegrenzte - Sicherung einer Vormachtstellung auf dem Weltmarkt. Ein solches Entwicklungsmodell lässt sich nicht wiederholen. Es hat Strukturen geschaffen, die nicht rückgängig zu machen sind. Aber die im Zuge dieses Prozesses und seither benachteiligten Gesellschaften sollten wenigstens eine Chance bekommen, sich aus eigener Kraft sozialökonomisch entwickeln zu können. Dazu bedarf es der Schaffung von Rahmenbedingungen, innerhalb derer Protektionismus als legitime Überlebensstrategie zur Stärkung heimischer Produzenten und Märkte verstanden wird. So könnten Voraussetzungen geschaffen werden, dass sowohl die Menschen in den Industriestaaten als auch in den Ländern Afrikas von partnerschaftlichen wirtschaftlichen Austauschbeziehungen profitieren. Damit wären dann auch Europa und Nordamerika reif für die Konkurrenz.


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