Afrika

17.1.2005 | Von:
Andreas Mehler

Entwicklungszusammenarbeit ist nicht das einzige "Game in Town"

Dr. Andreas Mehler im Video-Interview

Sicherheitsinteressen und wirtschaftliche Zusammenarbeit werden in Zukunft bei der deutschen und europäischen Afrikapolitik ein größeres Gewicht haben, meint der Politikwissenschaftler Dr. Andreas Mehler. (© 2004 Bundeszentrale für politische Bildung)



Es wird wahrscheinlich so sein, dass es ein paar Staaten gibt, die sich wirklich positiv entwickeln, Reformstaaten bleiben und positive Schlagzeilen machen werden. Es wird leider auch Staaten geben, die weiter negative Schlagzeilen machen und auch weiter abrutschen werden. Das ist eine Art von Prognose, und für den großen Teil der afrikanischen Länder befürchte ich eigentlich, dass es so etwas wie einen Stillstand gibt, auf dem jetzigen Level. Das ist nicht befriedigend. Es gibt eine große Grauzone, über die wir gar nicht reden werden.

Sicherheit spielt eine wesentlich größere Rolle im Diskurs über Afrika und auch in den Aktivitäten zu Afrika. Man konnte es bei der letzten Schröder-Reise erkennen, wo das eigentlich auch die ganze Zeit Thema auf den vier verschiedenen Stationen war, die er hatte. Er hat u.a. auch diese Peacekeeping-Trainingscenter in Ghana eröffnet. Das ist, glaube ich, ein deutliches Zeichen, dass wir da unsere Gewichte stärker hin verschieben, ohne andere Dinge wirklich bleiben zu lassen.

Ich halte es für richtig, dass man dieses Interesse auch deutlich erkennt und nicht nur Entwicklungszusammenarbeit ständig als das "einzige Game in Town" bezeichnet. Es geht dabei tatsächlich darum, dass man erkennt: Ja, es gibt Sicherheitsinteressen, die wir nicht nur unmittelbar an unseren Außengrenzen Europas haben, sondern auch ein bißchen weiter entfernt. Und ansonsten, glaube ich, ist natürlich die Präsenz von deutschen Spitzenpolitikern in den letzten Monaten in Afrika sehr sichtbar. Das bedeutet zumindest, dass man sich auf einer oberflächlichen Ebene stärker für Afrika interessiert. Ich denke schon, dass die Station Südafrika, die immer auf allen Programmen steht - sowohl Herr Fischer war da, als auch der Kanzler - deutlich macht: Hier gibt es große deutsche Wirtschaftsinteressen, es sind immer große deutsche Wirtschaftsdelegationen dabei. Und ich denke, trotz der zahlreichen Hypotheken, darunter auch HIV, Aids, wird Südafrika ein Erfolgsfall bleiben.

03. Februar 2004

Redaktion: Tatjana Brode, Klemens Vogel, Henry Bräutigam
Kamera: Sandra Kaudelka, Moritz Siebert
Schnitt: Sebastian Vielmeyer


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