Afrika

5.12.2005 | Von:
Prof. Till Förster

Zeitgenössische Afrikanische Kunst

Afrikanische Medien

Parusia Art & Sign.Parusia Art & Sign. (© Jean-Francois Lehagre)
In Nigeria entstand in den 1960er Jahren aus dem Nigeria College of Arts, Science and Technology die Zaria Art Society, deren Mitglieder wiederum in den 1970er Jahren wesentlich die Entwicklung an anderen Universitäten und Kunstschulen des Landes beeinflussten. Hier sind Uche Okeke, Bruce Onobrakpeya und Obiora Udechukwu zu erwähnen. Letzterer schlug später eine außergewöhnliche internationale Karriere ein und lebte und lehrte schließlich in den USA. Anders als in der Oshogbo-Schule lehnten sie nicht alle Bezüge zu älteren, lokalen Kunstformen ab, sondern bezogen diese bewusst in ihr künstlerisches Schaffen ein, etwa die uli-Wandmalereien der Frauen im Südosten Nigerias.

In den afrikanischen Städten bildete sich bald nach dem zweiten Weltkrieg eine überaus lebendige Kunst heraus, die sich an ein lokales Publikum wandte. Dazu gehörten anfangs vor allem Photographie, Theater, Plastik und Malerei, später auch Film und andere Medien. Für erstere waren zunächst die zahlreichen Studios charakteristisch, die überall in afrikanischen Städten entstanden und eigene Formen der Inszenierung entwickelten. Die Malerei knüpfte teilweise an die Bildlichkeit in der Photographie an, unterhielt aber daneben enge Bezüge zu anderen Medien, etwa den Printmedien. Intermediale Bezüge prägten auch die Entwicklung der neueren künstlerischen Gattungen.

Bekannte Beispiele dieser überwiegend städtischen Kunst sind die zahlreichen Werbetafeln, die eine eigene Mischung zwischen der Bildsprache weltweiter Werbung und lokalen Sehgewohnheiten bilden. Die Porträtmalerei wendet sich dagegen an das kleine bürgerliche Milieu und ist einerseits den in vielen Teilen Afrikas verbreiteten Ahnendarstellungen, andererseits aus der Photographie stammenden Inszenierungen verpflichtet. Einigen populären Künstlerinnen und Künstlern ist in den vergangenen beiden Jahrzehnten der Sprung in die internationale Kunstwelt gelungen. Zu ihnen zählen der Kongolese Chéri Samba, der zunächst Comic-Strips zeichnete, sich aber später ganz der Malerei zuwandte; Moke, ebenfalls aus der DR Kongo, der Straßenszenen aus der Millionenstadt Kinshasa malt; oder Kane Kwei aus Ghana, dessen Werkstatt aufwändige figürliche Särge herstellt, die anfangs einen Bestandteil von öffentlichen Trauerfeierlichkeiten bildeten, heute aber auch als selbständige Werke geschätzt werden.

Entwicklungen in den 1980er und 1990er Jahren

In den 1980er und 1990er Jahren lassen sich weniger deutlich einzelne Schulen oder nationale Richtungen ausmachen. Die Auseinandersetzung mit der zunehmend von Globalisierungsprozessen erfassten und fragmentierten Lebenswelt hat zu neuen Themen geführt, die an vielen Orten des Kontinents aufgegriffen werden. Charakteristisch ist weniger ein einheitlicher Stil, sondern vielmehr das beständige Re-Kombinieren der verschiedensten Referenzen mit der Lebenswirklichkeit der Gegenwart. Typisch für diese Kunst sind u.a. die Werke von Goddy Leye aus Kamerun, Abdoulaye Konaté aus Mali, und Georges Adéagbo aus Benin. Vor allem südafrikanische Kunstschaffende haben sich mit der gebrochenen Geschichte ihres Landes auseinander gesetzt, z.B. Santo Mofokeng als Fotograf oder Jane Alexander in der Plastik und William Kentridge in Zeichnung und Film.


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