Dossierbild: USA (Freiheitsstatue)

10.10.2008 | Von:
Alexandra Endres

Kapitalismus in der Krise

Die Finanzkrise der USA und ihre globalen Auswirkungen

Ende des amerikanischen Traums

2007 platzte der amerikanische Traum vom immerfort wachsenden Reichtum für alle wie eine Seifenblase. Seit mehr als einem Jahr breitete sich die Krise in immer neuen Wellen über den Erdball aus. Niemand kann sagen, wen der Tsunami nun als nächstes treffen wird und in welcher Form. Doch eins scheint sicher: Wenn er endlich abebbt, wird vieles nicht mehr so sein wie zuvor. Die gute Nachricht zuerst: Vielleicht bedeutet die Krise auch das Ende der Gier. Banken und Investoren werden es jedenfalls schwer haben, ihre in der Vergangenheit völlig überhöhten Renditeerwartungen in Zukunft aufrechtzuerhalten. Dass ihr Handeln stärker reguliert werden muss, gilt als ausgemacht. Bankenpleiten und Milliardenverluste werden den gesamten Finanzsektor schrumpfen lassen, sagen Beobachter voraus. Das ist die schlechte Nachricht, denn damit geht den westlichen Volkswirtschaften eine wesentliche Branche und zentrale Antriebskraft verloren. Schließlich versorgt die Finanzbranche generell Unternehmen, Staat und Privathaushalte mit Geld und hält so das Räderwerk der Ökonomien in Gang. "Es ist das Ende der Welt, wie wir sie kennen", sagte ein New Yorker Investmentbanker in der September-Krise. Die USA könnten ihre Rolle als ökonomische Weltmacht verlieren.

Aufschwung in Deutschland am Ende

Bislang hat die Riesenwelle schon Zehntausende Jobs vernichtet. Weil vor allem die sehr gut verdienenden Banker ihre Arbeit verloren, bangen nun auch jene um ihre Einnahmequelle, die sie mit Luxuswaren oder Dienstleistungen versorgten. Noch schlimmer vielleicht ist: Die Ersparnisse vieler US-Normalbürger sind unwiederbringlich verloren, egal ob sie in Aktien oder Immobilien steckten. Wer aber kaum noch etwas besitzt, muss sparen. So rutschen die USA in eine Rezession – und sie könnten viele andere Länder mit in die Tiefe reißen.

Auch im exportabhängigen Deutschland ist der Aufschwung damit am Ende. Zwar scheint das deutsche Bankensystem nicht in Gefahr, obwohl die Krise manchen Geldinstituten hohe Verluste bescherte und einigen die Eigenständigkeit kostete. Weil die deutschen Banken als Universalbanken weniger stark spezialisiert sind als die US-Investmentbanken, stehen sie auf mehreren Beinen und gelten deshalb als stabiler. Auch gab es hierzulande keine Immobilienblase wie in den USA, Großbritannien und Spanien. Doch ein Großteil der deutschen Ausfuhren geht in diese drei Länder. Fallen die Absatzmärkte dort weg, kommt die Wirtschaft hierzulande nicht ungeschoren davon. Zusätzlich dürften Kredite teurer werden, was Investitionen erschwert. Die deutschen Verbraucher schließlich, seit Jahren knapp bei Kasse und neuerdings zusätzlich belastet durch die hohen Energie- und Nahrungsmittelpreise, müssen ihr Geld ebenfalls zusammenhalten. Sie können der Ökonomie keinen neuen Schub versetzen.

Konsequenzen auf US-Präsidentschaftswahlkampf

Wie Deutschland hängen viele Länder an den Entwicklungen in den USA. Doch zu hoffen, mit der Zusage der US-Regierung, für die Banken in die Bresche zu springen, sei die Krise besiegt, wäre illusorisch. Niemand weiß zur Zeit, wann die nächste Tsunami-Welle rollt und wie hoch der Schaden am Ende sein wird. Auch im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf wird sie ihre Wirkung entfalten: John McCain, der Kandidat der Republikaner, gilt als Mann der freien Märkte. Als Senator half er, die Bestimmungen der Finanzaufsicht zu lockern. Jetzt könnte sein demokratischer Widersacher Barack Obama davon profitieren.


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