Nächtliche Skyline von Shanghai

4.5.2006

Ausgewählte Handelsbilanzen

Die Handelsbilanzen der USA und Großbritanniens weisen hohe Defizite auf. Dem stehen hohe Handelsbilanzüberschüsse von Deutschland, Japan und der Hauptexporteure von Öl gegenüber.

Ausgewählte Handelsbilanzen.Ausgewählte Handelsbilanzen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten

Seit Ende der 1960er Jahre hat sich das außenwirtschaftliche Ungleichgewicht bezüglich der Handelsbilanzen stetig vergrößert. Das steigende Handelsbilanzdefizit der ökonomisch entwickelten Staaten ist vor allem auf die Ausweitung des Handelsbilanzdefizits der USA zurückzuführen. Während die USA bis etwa 1980 einen unterdurchschnittlichen Anteil an dem Handelsbilanzdefizit der ökonomisch entwickelten Staaten hatten, ist ihr Anteil seitdem überproportional gestiegen. Im Jahr 2005 schloss die Handelsbilanz erneut mit einem Rekorddefizit in Höhe von 726 Milliarden US-Dollar – das entspricht 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der USA; im Jahr 2004 lag der entsprechende Wert bei 5,3 Prozent, 2003 noch bei 4,5 Prozent des BIP.

Die USA sind weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter und standen als Warenexporteur im Jahr 2004 und 2005 hinter Deutschland an zweiter Stelle. Während die Warenexporte der USA innerhalb eines Jahres um 10,4 Prozent stiegen, wuchsen die Warenimporte mit 12,9 Prozent noch schneller; die Importe von Öl und ölbasierten Produkten stiegen sogar um 39 Prozent. Allein das Defizit mit China (202 Mrd. US-Dollar) macht inzwischen deutlich mehr als ein Viertel des Gesamtdefizits aus. Mit Deutschland hatten die USA im Jahr 2005 mit 50 Mrd. US-Dollar das vierthöchste Handelsbilanzdefizit – höher lagen neben China nur noch die Defizite gegenüber Japan (82 Mrd. US-Dollar) und Kanada (77 Mrd. US-Dollar).

Den hohen Handelsbilanzdefiziten der USA und Großbritanniens stehen hohe Handelsbilanzüberschüsse Deutschlands, Japans und der Hauptexporteure von Öl der ökonomisch sich entwickelnden Staaten (vor allem Russland und Saudi-Arabien) gegenüber.
Die aufgrund steigender Energienachfrage und -preise erzielten Handelsbilanzüberschüsse ölexportierender Staaten haben einen großen Einfluss auf die regionalen Handelsbilanzsalden: Während beispielsweise in Venezuela im Jahr 2004 nur sieben Prozent der südamerikanischen Bevölkerung lebten, hatte der Handelsbilanzüberschuss Venezuelas eine Höhe von über 30 Prozent des Überschusses von Südamerika insgesamt. Und in Afrika hatten die fünf größten Energieexporteure einen Handelsbilanzüberschuss von 39,4 Milliarden US-Dollar, wobei der Handelsbilanzsaldo Afrikas insgesamt bei plus 13,6 Milliarden US-Dollar lag.

Datenquellen

United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Handbook of Statistics 2005 (PDF-Version: 2.963 KB).

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Die Handelsbilanz ist auf einen Zeitraum bezogen und gibt den Saldo der Warenausfuhren und -einfuhren eines Staates oder einer Staatengruppe an. Bei einem Handelsbilanzüberschuss bzw. -defizit erhöht sich die Gläubiger- bzw. Schuldnerposition gegenüber dem Ausland. Da die Handelsbilanz eine Teilbilanz der Leistungsbilanz ist, kann ein Ungleichgewicht der Handelsbilanz durch die Salden anderer Teilbilanzen ausgeglichen werden.

Nach der Definition der UNCTAD fällt ein ökonomisch sich entwickelnder Staat dann in die Gruppe der Hauptexporteure von Öl (unter den ökonomisch sich entwickelnden Staaten), wenn der Anteil von Öl und ölbasierten Produkten an den Exporten bei nicht weniger als 50 Prozent liegt und der Wert dieses Exportanteils, im Durchschnitt der Jahre 1999-2001, bei mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar lag. Dieses Kriterium erfüllen alle elf Mitglieder der OPEC und zehn weitere Staaten.

OPEC – Organization of the Petroleum Exporting Countries (Organisation erdölexportierender Staaten).


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