Dossierbild: Planspiele

Simulation / Simulationskonferenz

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)


Teilnehmerzahl: Mind. 10 bis max. 34
Altersstufe: Sekundarstufe I, Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung
Zeitbedarf: 1-tägig - Möglich als - 1-tägiges Seminar (z.B. 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr) - 2 halbe Tage / 2 Schultage (z.B. 2 x 9:00 Uhr bis 13:00 Uhr) - 1,5-tägiges Seminar (für Multiplikator_innen)
Preis Materialien od. Lizenz: im Klärungsprozess
Preis Durchführung: im Klärungsprozess
Benötigte Ausstattung: - Moderationsmaterialien
- mehrere Räume (Plenum + Gruppenräume)
- Internet

Kurzbeschreibung:
Fall 1: Frau Jung versus Deutschland Der Fall wurde vor dem EGMR verhandelt und medial in Deutschland unter dem Titel „whistleblower-Prozess“ bekannt. Für die Fallsimulation wurden die Namen geändert. Im Kern geht es darum, ob Frau Jung in ihrer Meinungsäußerungsfreiheit und ihrem Recht auf ein faires Verfahren beschränkt wurde. Inhaltliche Stichpunkte, die bei diesem Fall mitlaufen und diskutiert werden sind: menschliche Würde in der Altenpflege und anderen Institutionen, Persönlichkeitsrechte, Loyalitätspflicht und Meinungsäußerungsfreiheit in Institutionen, Organisationen und Unternehmen, Gesundheitswesen, Altenpflege, gesellschaftliche Bedeutung der Thematik etc. Frau Jung arbeitete in Berlin in der Altenpflege. In Absprache mit einigen Kolleg_innen machte Frau Jung die Leitung der Altenpflegeeinrichtung wiederholt auf Mängel in der Pflege aufmerksam. Sie betonte dabei, dass durch die Rahmenbedingungen eine angemessene und würdige Pflege nicht möglich sei und dass sie, ihre Kolleg_innen und die Einrichtung sich mit der Weise in der sie die Arbeit machten, rechtlich strafbar machen könnten. Im Verlaufe der Auseinandersetzung wurde der Frau fristgerecht gekündigt. Nachdem der Geschäftsleitung zur Kenntnis kam, dass Frau Jung auch Strafanzeige gegen die Einrichtung gestellt hatte und mit ihrer Kritik in die Öffentlichkeit gegangen war, wurde sie dann fristlos gekündigt. Die Frau klagte gegen ihre Kündigung und bekam in erster Instanz recht. Die Pflegeeinrichtung legte dagegen Berufung ein. In den weiteren Instanzen bekam die Frau nicht mehr Recht, sondern der Arbeitgeber. Die Kündigung wurde als rechtens erklärt. Nachdem alle rechtlichen Instanzen in Deutschland ausgeschöpft waren, reichte Frau Jung mit ihrem Fall Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein. Die Beschwerde wurde auf der Verletzung von zwei Artikeln begründet, Artikel 10 EMRK (Recht auf Meinungsäußerungsfreiheit) und Artikel 6 Abs.1 EMRK (Recht auf ein faires Verfahren). Die Beschwerde wurde geprüft und einstimmig als zulässig erklärt. Somit wurde die Beschwerde angenommen. Fall 2: FAIR-Deutschland e.V. versus Deutschland Der Fall wurde vor dem EGMR verhandelt und hatte medial in Deutschland bereits starke Aufmerksamkeit erregt. Es geht dabei um den Vergleich des Leids von Tieren mit dem von KZ-Häftlingen. Für die Fallsimulation wurden die Namen geändert. Im Kern geht es darum, ob FAIR-Deutschland e.V. in seiner Meinungsäußerungs-freiheit und seinem Recht auf ein faires Verfahren beschränkt wurde. Inhaltliche Stichpunkte, die bei diesem Fall mitlaufen und diskutiert werden sind: Menschenwürde, Nationalsozialismus, Persönlichkeitsrechte, Tierschutz, Holocaustvergleiche, For Animals in Responsibility (FAIR) ist eine weltweit arbeitende Tierschutz-organisation, die sich für die Rechte von Tieren und die Vermeidung von Leid bei Tieren einsetzt. Die Vertretung von FAIR-Deutschland plante 2004 eine Werbekampagne unter dem Titel „Der Holocaust auf dem Teller“. Ähnliche Werbekampagnen wurden auch in anderen Ländern, u.a. in den USA bereits durchgeführt. Dabei sollten in Schautafeln, Bildern und Filmsequenzen jeweils Abbildungen von leidenden und gequälten Tieren in der Massentierhaltung neben Abbildungen von Konzentrationslagern und lebenden oder toten Häftlingen von Konzentrationslagern gezeigt werden. Gegen diese Form der Darstellung wandten sich der Präsident und die Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden an das Landgericht Berlin. Dem Antrag die Kampagne per einstweiliger Verfügung zu stoppen wurde am 18.3.2004 stattgegeben, da die Kläger Opfer der Judenverfolgung seien und die Meinungsäußerungsfreiheit nach Art. 5 Abs. 1 GG hier zurücktreten müsse, insbesondere aufgrund der Darstellung, die das Schicksal und Leid der Menschen und Tiere auf eine Stufe stelle. Die Berufung gegen das Urteil blieb erfolglos, so dass die Vertreter_innen von FAIR-Deutschland das Bundesverfassungsgericht anriefen, welches die Beschwerde mit Beschluss vom 20.2.2009 ablehnte bzw. nicht zur Entscheidung annahm. Nachdem alle rechtlichen Instanzen in Deutschland ausgeschöpft waren, reichte die Vertreter/innen von FAIR-Deutschland mit ihrem Fall Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein. Die Beschwerde wurde auf der Verletzung von drei Artikeln begründet, Artikel 10 EMRK (Recht auf Meinungsäußerungsfreiheit), Artikel 6 Abs.1 EMRK (Recht auf ein faires Verfahren) und Artikel 14 (Diskriminierungsverbot). Die Beschwerde wurde geprüft und einstimmig als zulässig erklärt. Somit wurde die Beschwerde angenommen.

Zielsetzung:
Grundsätzliche Zielsetzung des Planspiels „Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte – Fallsimulation“ ist es, das sich die Teilnehmenden in mit Menschenrechten auseinandersetzen und Möglichkeiten, diese rechtlich einzufordern kennenlernen. Durch die Simulation des EGMR werden folgende weitere Zielsetzungen angestrebt: ▪ Spielend, handlungsorientiert lernen und Handlungskompetenzen stärken ▪ Bewusstsein für Grund- und Menschenrechte bilden und stärken ▪ Perspektivwechsel durch verschiedene Rollen im Rahmen der Fallsimulation ▪ Wissen und Verständnis zur Europäischen Konvention für Menschenrechte und Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ▪ Herausforderung konkurrierender Menschenrechte bei der Rechtssprechung verstehen lernen ▪ Diskussions- Dialog- und Streitkultur üben ▪ Diskussion von gesellschaftlichen Themen im Rahmen des Planspiels durch die Brille der rechtlichen Instanzen und Beurteilungen ▪ Argumentieren und Begründen Lernen durch die Übernahme von Rollen im Rahmen der Gerichts- und Fallsimulation ▪ Reflexion von Entscheidungen und Begründungen ▪ Erkennen, dass sie, die Teilnehmenden, selbst in der Lage sind, sich mit schwierigen Fragen zu Menschenrechten und der Gerichtsbarkeit auseinanderzusetzten und begründete und adäquate Entscheidungen zu treffen ▪ Vertiefung durch Vergleich (Ähnlichkeiten, Unterschiede) des eigenen Urteils und den eigenen Begründungen mit dem realen Urteil und Begründungen des EGMR im Sinne von Empowerment.

Spielablauf:
Ablauf: Fall 1 - 2 halbe Tage / 2 Schultage 1. Tag 9:00 - 9:15 - Begrüßung / kurze Einführung 9:15-9:30 - Vorstellungsrunde – Name + Ich bin hier der einzige/die einzige, der/die… 9:15 - 9:45 Grundlagen Menschenrechte – Was sind MR? Seit wann? In Gruppen 9:45 - 11:15 Einstieg ins Planspiel – In der Rolle eines Sprechers des EGMR - Begrüßung, kurzer Film zum EGMR - Ausblick auf das Simulationsspiel - 10:15-11:00 - Gruppen zu Grundlagen EGMR – 50 Fragen - 11:00-11:15 - Fragen beantworten - 11:15 – 11:30 - Pause - 11:30 -11:40 - Einstieg Fallsimulation – Fall kurz anreißen - 11:40 –11:50 - Gruppen-Rollenfindung (7 Richter_innen, 4 Vertretung Deutschland, 4 Beschwerdeführung, 2-3 Presse, 2-3 Arbeitgeberverband, 2-3 Arbeitnehmer, 2-3 Kanzlei/ TN oder Spielleitung) - 11:50-12:50 - Arbeit in den Gruppen mit Aktionskarten 2. Tag 9:00 – 9:15 Einstieg – Ablauf – Kleingruppen „Was ist (für mich) Recht?“ - 09:15 – 09:35 - Start Simulationsspiel mit Presserunde zur anstehenden Verhandlung - 09:35 – 10:30 - Vorbereitung in den Gruppen auf Gerichtsverhandlung - 10:30-10:45 - Pause - 10:50 – 11:30 – Gerichtsverhandlung - 11:30 – 11:50 – Beratung der Richter, Interviews der Presse + Vorbereitung Presseerklärung, etc. - 11:50 – 12:00 – Urteilsverkündung und Begründung - 12:00 – 12:10 – Presseerklärung - 12:20 Abschluss Simulationsspiel 12:20-12:30 - Pause 12:30 -13:00 - Reflexion und Auswertung - Der Spieldynamik / der Rollen / Verlauf / Urteil / Inhalte – Gemeinsam/Plenum - Auswertung des Settings mit Evaluationsbogen - Abschluss und Dank Ablauf: Fall 2 - 1 Seminartag 9:00 - 9:15 - Begrüßung / kurze Einführung 9:15-9:30 - Vorstellungsrunde – Name + Ich bin hier der einzige/die einzige, der/die… 9:15 - 9:45 Grundlagen Menschenrechte – Was sind MR? Seit wann? In Gruppen 9:45 - 11:15 - Einstieg ins Simulationsspiel – In der Rolle eines Sprechers des EGMR - Begrüßung, kurzer Film zum EGMR - Ausblick auf das Simulationsspiel 10:15-11:00 - Gruppen zu Grundlagen EGMR – 50 Fragen 11:00-11:15 - Fragen beantworten 11:15 – 11:30 - Pause 11:30 -11:40 - Einstieg Fallsimulation – Fall kurz anreißen 11:40 –11:50 - Gruppen-Rollenfindung (7 Richter_innen, 4 Vertretung Deutschland, 4 Beschwerdeführung, 2-3 Presse, 2-3 Zentralräte, 2-3 Tierschutzverband, 2-3 Kanzlei/ TN oder Spielleitung) 11:50-13:00 - Arbeit in den Gruppen mit Aktionskarten/Arbeitsaufträgen 13:00 - 14:00- Mittagspause 13:05 – 13:35 - Start Simulationsspiel mit Presserunde zur anstehenden Verhandlung 13:35 – 14:15 - Vorbereitung in den Gruppen auf Gerichtsverhandlung 14:20 – 15:00 – Gerichtsverhandlung 15:00-15:30 - Pause 15:30 – 16:00 – Beratung der Richter, Interviews der Presse+ Vorbereitung Presseerklärung, etc. 16:00 – 16:20 – Urteilsverkündung + Begründung 16:20 – 16:30 – Presseerklärung 16:30 - Abschluss Planspiel 16:35 -17:15 - Reflexion und Auswertung - Der Spieldynamik / der Rollen / Verlauf / Urteil / Inhalte – Gemeinsam/Plenum - Auswertung des Planspiels mit Evaluationsbogen - Abschluss und Dank

Materialien oder Planspielordner:
als PDF-Dokument verfügbar, wird nach Klärung Preis Materialien und Preis Durchführung zur Verügung gestellt. Bei Interesse bitte Kontakt aufnehmen

Inhaltliche Vorbereitung der Teilnehmer:
keine; findet im Rahmen des Seminars statt Mögliche Vorbereitung: Vorher Plan-Rollenspiel "Insel Camp Humanrights (ICH)"

Anmerkungen:
Das Simulationsspiel "Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)" ist derzeit mit zwei verschiedenen Fällen spielbar. Weitere Fälle sind in Arbeit. Das Simulationsspiel EGMR ist mit dem Plan-Rollenspiel "Insel-Camp-Humanrights (ICH)", welches einen niedrigschwelligen Einstieg in die Thematik Grund- und Menschenrechte bietet, kombinierbar. (siehe Planspieldatenbank) Die Erarbeitung des Simulationsspiels wurde wissenschaftlich durch Prof. Stefan Rappenglück sowie Prof. Jens Martens (Universiät Konstanz) unterstützt und begleitet. Eine Materialversion des Simulationsspiels (Fall 1) ohne Zusatzmaterialien liegt der BpB (Herrn Dechant) vor.

Anbieter:
Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
EU-Projekt "Entrechtung als Lebenserfahrung - Netzwerk für Menschenrechtsbildung"
Bernd Grafe-Ulke
Im Güldenen Winkel 8
29223 Celle
Deutschland / Niedersachsen
Telefon: +49(0)5051-4759 - 191 +49 (0)5141-20847 - 42 0172 - 7539443
Telefax: Fax: +49 (0)5141 - 93355 - 33
E-Mail: Bernd.Grafe-Ulke@stiftung-ng.de
Website: www.stiftung-ng.de/de/projekte/entrechtung-als-lebenserfahrung.html