Dürre im Südwesten Chinas

31.7.2007

M 05.04 "Der Mensch in seiner eigenen kleinen Welt zu Hause"

Worin liegt die Kluft zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten, und was hat sie mit dem "globalen Dorf" zu tun?

Wann immer in der Öffentlichkeit über Umweltbewusstsein diskutiert wird, taucht unweigerlich die Frage einer Kluft zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten auf. Was ist damit gemeint? Sehr häufig wird in empirischen Untersuchungen festgestellt, dass die Menschen hierzulande ein hohes Umweltbewusstsein besitzen, aber ihr Verhalten nicht damit Schritt hält. Zwar glaubt die Gesellschaft, die Grenzen des Wachstums seien erreicht und "wir" sollten sparsam mit Ressourcen umgehen. Trotzdem ist das gerade erstandene Auto größer und leistungsstärker als das alte. Auch die nächste Wochenendreise hat nicht die nähere Umgebung zum Ziel, sondern es geht mit dem "Billigflieger" in weit entfernte Städte und Länder. Die empirische Sozialforschung spricht in diesem Fall davon, dass Einstellungen und Verhalten nur gering miteinander korrelieren, dass positivere Einstellungen gegenüber dem Umweltschutz also nicht unweigerlich mit einem umweltgerechteren Verhalten einhergehen. Wo liegen die Gründe für diese Kluft?

Umweltbewusstsein ist ein Phänomen, das eng mit der Bedeutung der elektronischen Medien, vor allem des Fernsehens, und dem Prozess des Zusammenwachsens dieses Planeten zu einem "globalen Dorf" zu tun hat. Wir wissen heute über weit entfernte Länder Bescheid, erfahren zeitgleich von Naturkatastrophen in Indien, Australien oder Florida. Der Informationsaustausch wurde durch die Erfindung des Internets noch intensiviert.

Bedingt durch die Auswahlmechanismen, die den Verbreitungsmedien, insbesondere dem Fernsehen, zu eigen sind, haben Katastrophen die größte Chance, über die Sender das abendliche Wohnzimmer zu erreichen. Bei den Zuschauenden, die geschützt und gemütlich vor den Fernsehgeräten sitzen, entsteht so der Eindruck, als sei da draußen eine Welt voller Katastrophen und Risiken, darunter kaum kalkulierbare Umwelt- und Naturrisiken.

Auf diese Weise werden die Medien zu einer gleichsam nie versiegenden Quelle von Umweltbewusstsein bei gleichzeitigem passivem Verharren der Zuschauenden und Zuhörenden. Im Kontrast zu dieser Welt der Risiken, Gefahren und Katastrophen steht die eigene kleine Welt zu Hause, in der Heimatgemeinde oder im heimischen Stadtviertel. Hier scheint die Umwelt noch in einem guten Zustand zu sein, hier gibt es keinen unmittelbaren Handlungsdruck. So fühlen sich 2004 nur zehn Prozent der Bürgerinnen und Bürger durch Autoabgase oder Straßenverkehrslärm stark gestört oder belästigt. Auch aus diesem Spannungsverhältnis ist es erklärlich, dass der Einzelne globale Umweltzustände für schlimm hält, globalen Handlungsdruck sieht und beispielsweise die Klimapolitik der Bundesregierung begrüßt, aber in seinem eigenen Bereich einschneidende Änderungen und konsequentes Verhalten nicht für notwendig hält.

Aus: Udo Kuckartz: Umweltbewusstsein und Umweltverhalten, in: Informationen zur politischen Bildung "Umweltpolitik", 2.Quartal 2005, S. 51, (14.06. 2007).

Die stärksten Antriebe erwachsen aus einem Zusammenwirken von Liebe und Angst. Auch das Umweltbewusstsein wird dann zur drängenden Leidenschaft, wenn sich die Liebe zur Natur [...] mit der Angst verbindet. Die Angst um die Natur wird dann am heftigsten, wenn sie auch eine Angst um das eigene Wohlergehen ist; und sie wird dann zu einer öffentlichen Macht, wenn sich die Objekte der individuellen Sorgen glaubwürdig zu einer großen volks- und menschheitsbedrohenden Gefahr kombinieren lassen. Eine derartige Vernetzung der Ängste steht am Anfang der modernen Umweltbewegung.

Aus: Joachim Radkau: Hintergründe moderner Umweltsorgen, in: Informationen zur politischen Bildung "Umweltpolitik", 2.Quartal 2005, S. 51, (14.07.2006).

Aufgabe:

Wie wird die Kluft zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten erklärt?
Bereitet einen Folienvortrag vor, mit dem ihr euren Mitschülern die wesentlichen Punkte erläutert.