Projekt KlassenCheckUp
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 Pfeil rechts

Sachanalyse


1.10.2008
Die Sachanalyse ermöglicht den Lehrkräften eine fachwissenschaftliche Einarbeitung in die Thematik Klassenklima: Anhand wissenschaftlicher Studien werden Grundlagen sowie Erkenntnisse u. a. zu den Wirkungen von Gruppen und Gruppenverhalten auf die Individuen erklärt und aufgezeigt, welche Bedeutung das Thema für die Schülerinnen und Schüler hat.

Das Klassenklima ist kein "Ding", sondern eine soziale Realität



PDF zur Sachanalyse



Wenn man eine empirische Untersuchung zum Klassenklima durchführen möchte, so ist es angebracht, kurz innezuhalten und sich vorher klar zu machen, welche Besonderheiten mit diesem Untersuchungsgegenstand verbunden sind: Das Klassenklima hat z.B. nicht den Charakter eines Dinges, das man mit Hilfe physikalischer Messmethoden untersuchen könnte. Wenn man das physikalische Klima untersuchen will, wird man die Temperatur erfassen wollen. Dies kann man mit einem technischen Messgerät – dem Thermometer – machen, welches unabhängig von Subjekten ist, d. h. man kann objektiv feststellen, wie hoch oder wie niedrig die Temperatur im Raum ist. Überall auf der Welt kann man mit einem geeichten Thermometer feststellen, wie warm es im Raum ist. Messtechnisch und auch praktisch ist diese Normierung von Vorteil. 21° C ist überall gleich warm.

Das Klassenklima – eine subjektive Größe



Das Klassenklima hat nicht diese physikalischen Eigenschaften und kann daher nicht so einfach gemessen werden. Hinzukommt: Es spielt sich in den Köpfen und im Gefühl der Menschen, der handelnden Subjekte ab. D.h. das Klassenklima kann nur in Abhängigkeit von den handelnden Subjekten ermittelt werden, ist also nicht unabhängig von diesen gegeben.

Das Klassenklima ist bestimmend für die Qualität von Unterricht und Schule und hat Einfluss auf das Leben der Menschen in diesem Bereich. Mit Hilfe einer Befragung kann die Stimmung in der Klasse untersucht und bewertet werden.Das Klassenklima kann man nur ermitteln, indem man die Klasse selbst dazu befragt, denn es spielt sich in den Köpfen und im Gefühl der Beteiligten ab. (© AdPic)
Das heißt aber nicht, dass diese soziale Realität weniger wirklich wäre. Das Besondere dieser sozialen Realität kommt in dem sogenannten Thomas-Theorem sehr gut zum Ausdruck: "Wenn die Menschen Situationen als real defnieren, dann sind sie in ihren Konsequenzen real." (Zit. nach Sander u.a. 1977, S. 37.) Hier wird eine Besonderheit deutlich: Diese soziale Realität wird von handelnden Subjekten definiert, durch sie und mit ihnen gemacht. Sie bestimmt unser Handeln fast wie eine zweite Natur. Zu ihr gehören soziale Gewohnheiten, Einstellungen, Vorurteile, Interessen, Regeln und soziale Normen sowie die kulturelle Welt der Bilder, der Musik und des Theaters. Wir können uns auf diese vereinbarten Regeln und die kulturellen Gewohnheiten in der Regel verlassen – was das gemeinsame Handeln effektiv gestaltet und sehr vereinfacht. Man denke nur an den Straßenverkehr. Manchmal machen wir auch bittere Erfahrungen mit der sozialen Realität, wenn wir Leidtragende von Verstößen oder Benachteiligung sind. Beim sozialen Klima in der Klasse geht es nicht so sehr um offizielle Normen, sondern eher um informelle Regeln, Einstellungen, gegenseitige Wahrnehmungen und Umgangsformen. Manche fühlen sich in der Klasse wohl, andere nicht, manche sehen sich gar benachteiligt oder gar unterdrückt. Andere machen dort die schmerzliche Erfahrung, dass sie ausgegrenzt sind. Sie als Klassenlehrer oder als Vertrauenslehrer finden es sehr betrüblich, wenn Sie feststellen müssen, dass Schüler sich in Ihrer Klasse nicht wohlfühlen.

Gefühle prägen das Klassenklima



Das Klassenklima spielt sich also in hohem Maße in den Köpfen der Akteure ab. Aber es ist nicht nur eine kognitive Angelegenheit, Gefühle spielen hier eine enorme Rolle.Das Klassenklima spielt sich also in hohem Maße in den Köpfen der Akteure ab. Aber es ist nicht nur eine kognitive Angelegenheit, Gefühle spielen hier eine enorme Rolle. (© AdPic)
Das Klassenklima spielt sich also in hohem Maße in den Köpfen der Akteure ab. Aber es ist nicht nur eine kognitive Angelegenheit, Gefühle spielen hier eine enorme Rolle. Wahrnehmungen der handelnden Subjekte gehen einher mit Bewertungen. Wir wissen aus der Neurodidaktik, dass Gefühle von enormer Bedeutung sind für das Lernen.

Ein gutes Klassenklima ist also eine gute Voraussetzung für gelingende Lernprozesse. Es lohnt sich für Sie als Lehrer frühzeitig feststellen zu können, an welchen Stellen mit dem Klassenklima etwas nicht in Ordnung ist. Als erfahrener Lehrer achten Sie darauf, ob es klimatische Schwierigkeiten gibt und ob Schüler sich unwohl fühlen. In Pausengesprächen können Sie dies im Einzelfall auf qualitativer Ebene klären. Aber bei 30 Schülern einer Klasse hat man nicht alle im Blick. Mit wenig Aufwand und störenden Nebenwirkungen können Sie daher mit einer Befragung die Meinungen und Einstellungen aller Schüler Ihrer Klasse erfassen. Sicher, dies ist nur eine Momentaufnahme und spiegelt die augenblickliche Stimmung wieder. Aber mit Hilfe der quantitativen Ergebnisse können Sie in der Klasse die relevanten Punkte dezent thematisieren – ein erster gezielter Schritt, um mögliche Problembereiche zu identifizieren und mit allen Schülern das Thema zu diskutieren. Im nächsten Schritt wäre dann zu klären, welche (pädagogisch sinnvollen) Maßnahmen Sie mit und in Ihrer Klasse ergreifen können, um eine Verbesserung des Lern- und Klassenklimas zu erreichen und eine Verschlechterung zu verhindern.

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 Pfeil rechts
Alles auf einer Seite lesen

Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

 

PDF zur Sachanalyse

 

Publikationen zum Thema

Cybermobbing. Ignorieren oder anzeigen?

Cybermobbing. Ignorieren oder anzeigen?

Das Internet ist nicht länger nur Informations- und Unterhaltungsmedium, sondern es fordert als Web...

Cover_Respekt. Eine Frage der Ehre?

Respekt. Eine Frage der Ehre?

"Respekt" spielt für Jugendliche eine große Rolle und entfaltet seine Wirkung nicht nur im Private...

willst du stress.jpg

Willst Du Stress?

Jugendgewalt prägt den Alltag von Jugendlichen: Ob in der Schule, der Freizeit oder in der Familie....

wasgeht_americanway_300.jpg

Gossip-Girl oder Burger-King? Das Heft zum American Way of Life

Lebst du den "American Way of Life"? Finde es heraus in der neuen Ausgabe von "Was geht?". ...

Teaserbild_Heft2 - Macher_Mitlaeufer

Macher oder Mitläufer

Gibst Du den Ton an, bist Du eher kritisch oder hältst Du dich lieber ganz raus? Der Psychotest im ...

wg jungs

Marken-Freak oder Fashion-Opfer

In "Was geht?" findest Du interessante Infos und Fakten zum Thema Konsum und Marken. Dazu der große...

WeiterZurück

Zum Shop

Grafstat Logo ServiceWenn's Fragen gibt...

Grafstat Service

Für alle Fragen, die bei der Durchführung Ihres Projektes auftauchen, versucht das Team der Universität Münster eine Antwort zu finden - ganz gleich, ob Sie Fragen zur Software, zur Methodik oder zur Organisation Ihres Projektes haben. Weiter... 

Grafstat Logo MethodenMeinungsforschung im Unterricht

Grafstat Methoden

Die Attraktivität des Unterrichtsfaches Politik/Sozialkunde kann in erheblichem Maße dadurch gesteigert werden, dass den Jugendlichen motivierende Aufgaben gestellt und Raum für Eigenaktivitäten geschaffen wird. Die unterrichtsmethodischen Vorschläge haben das Ziel, die methodischen Handlungsmöglichkeiten der Lehrperson deutlich zu erhöhen. Weiter...