Projekt Mobbing - bei uns nicht ?!
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Sachanalyse: Mobbing


1.10.2008
Die Sachanalyse ermöglicht den Lehrkräften eine fachwissenschaftliche Einarbeitung in die Thematik Mobbing und Gewalt: Anhand wissenschaftlicher Studien und Fachliteratur werden Grundlagen zum Phänomen Mobbing sowie Erkenntnisse zur Verbreitung von Mobbing, Ursachen und Mobbing begünstigende Faktoren, die psychischen und psychosomatischen Folgen für die Opfer sowie mögliche Handlungsstrategien zur Prävention und Intervention bei aktuten Mobbingfällen aufgezeigt und erläutert.

Mobbing und Gewalt an Schulen – Relevante Befunde



Zwei Jahre lang war Johnny, ein stiller 13-Jähriger, für einige seiner Klassenkameraden ein menschliches Spielzeug. Die Teenager setzten Johnny zu, um an sein Geld zu kommen, sie zwangen ihn, Unkraut zu schlucken und Milch, die mit Waschmittel vermengt war, zu trinken. Sie verprügelten ihn in den Toiletten und legten ihm einen Strick um den Hals, mit dem sie ihn wie ein "Tier an der Leine" herumführten.
(Aus: Olweus, D.: Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten – und tun können. Bern: Huber, 4. Auflage 2006).

Jeder kann in einer Gemeinschaft Opfer von Mobbingattacken werden. Daher sollte jede Gemeinschaft dafür sorgen, dass Ansätze von Mobbing frühzeitig entdeckt und verhindert werden.

Ein Schüler, der in der Schule gemobbt wird, sollte frühzeitig persönliche Unterstützung erfahren, denn Mobbing schädigt die Psyche des einzelnen, zerstört soziale Beziehungen in der Klasse und schadet dem Ruf der Schule, wenn Mobbingereignisse publik werden. Leider ist die Wahrscheinlichkeit der frühen Hilfe durch professionelle Lehrkräfte jedoch gering, weil die Mobber ihr "Spiel" im Verborgenen treiben, die Gemobbten selbst selten die Kraft zur Gegenwehr besitzen und Lehrpersonen nicht immer über die wünschenswerte Sensibilität für Mobbingvorgänge verfügen, um dann frühzeitig eingreifen zu können.

Wenn es daher gelänge, in der Schule ein Frühwarnsystem aufzubauen und auf diese Weise schon im Ansatz erste Mobbingversuche zu erkennen und zu verhindern, könnte diesem schleichenden Gift frühzeitig und wirksam begegnet werden. Die Schule sollte daher nicht erst warten, bis ein "Anfangsverdacht" entsteht, sondern unabhängig vom Einzelfall zu bestimmten Zeitpunkten in ausgesuchten Jahrgangsstufen eine Befragung zu diesem Thema durchführen. So wird das Thema aufgegriffen, jeder Schüler hat die Chance, seine Wahrnehmung und Betroffenheit anonym zu artikulieren, (potentiellen) Mobbern wird klar gemacht, dass ihre Aktivitäten nicht weiterhin verborgen bleiben und die Mehrheit der "Zuschauer" sieht wie wichtig es ist, die passive Haltung zu überwinden und Solidarität mit den Unterdrückten zu zeigen. Mobbingversuchen sollte in der Schule der Nährboden entzogen werden.

Relevante Befunde



Innerhalb der Schule nehmen in den letzten Jahren schwere physische Gewaltanwendungen (wie Übergriffe gegen Personen mit Verletzungsfolgen und Sachbeschädigung) zwar ab (vgl. Raufunfallstatistik des Bundesverbandes der Unfallkassen und polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes – PKS), aber psychische Gewalt verbaler wie nonverbaler Art - zu der auch das Mobbing gehört - nimmt zu. Physische Gewalt ist zudem in hohem Maße schulformabhängig. An Hauptschulen kommen aggressionsbedingte Unfälle mit 32,8 pro 1000 Schüler fast dreimal so häufig vor wie im Schnitt an anderen Schule (vgl. Jannan 2008, S. 17).

Die Häufigkeit einer Gewaltform nimmt mit der Schwere ab. Das heißt: Schubsereien auf dem Schulhof kommen häufiger vor, selten dagegen schwere Prügeleien. Dabei gibt es keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Schulformen. Beachten sollte man ferner: Jungen sind mit durchschnittlich 15,3 raufbedingten Unfällen pro 1000 Schüler mehr als doppelt so stark beteiligt wie die Mädchen mit 7,1 Unfällen pro 1000 Schülerinnen (vgl. Seyboth-Tesmer 2006). Sicherlich spielt auch der Standort eine wichtige Rolle bei der Identifikation von Gewaltpotential. Schulen in sozialen Brennpunkten haben im Vergleich zu Schulen mit Kindern aus gutbürgerlichen Verhältnissen ein erhöhtes Gewaltpotential zu managen. Gewaltanwendungen können auch Ursache für mangelnde soziale Integration sein. Von daher gilt auch umgekehrt: gewaltpräventive Maßnahmen können auch dazu dienen, soziale Integration zu unterstützen.


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