Projekt Mobbing - bei uns nicht ?!
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Baustein 4: Auswertung der Befragung


30.10.2010
Welche Ergebnisse hat die Befragung ergeben? Wie gehen wir in der Klasse miteinander um? Gibt es evtl. sogar Fälle von Mobbing? In diesem Baustein sollen die erhobenen Daten gemeinsam ausgewertet und anschließend überlegt werden, welche Änderungen oder Maßnahmen notwendig sind.

Wie werten wir unsere Daten aus? – Einstieg in die Auswertung von Befragungsdaten



Lernziele:



Die Schülerinnen und Schüler sollen
  1. ...Statistiken lesen und interpretieren können,
  2. ...mit GrafStat einfache sowie komplexe Grafiken und Tabellen erstellen können (einfache Häufigkeitsauszählungen, Kreuztabellen etc.),
  3. ...das Konzept der hypothesenorientierten Datenauswertung nutzen lernen,
  4. ...aus der Fülle der Daten relevante Ergebnisse erkennen und auswählen können,
  5. ...Sinn und Zweck einer Befragung zum Thema "Mobbing" erkennen,
  6. ...gewonnene Ergebnisse aussagekräftig aufbereiten und in der Klasse oder ggf. Schule präsentieren.
Sozialwissenschaftliche Analysen basieren auf mathematischen Fertigkeiten.Sozialwissenschaftliche Analysen basieren auf mathematischen Fertigkeiten. (© digitalstock)
Dieser Baustein erläutert, wie die in der Klasse erhobenen Daten zur Thematik ICH DU WIR, wie gehen wir miteinander um? ggf. gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern ausgewertet werden können. Ziel dabei ist es, Erkenntnisse über die Umgangsformen der Schülerinnen und Schüler der eigenen Klasse oder Jahrgangsstufe untereinander zu erlangen, um so im Hinblick auf die Prävention von Mobbing erforderliche und angemessene Maßnahmen einleiten oder ergreifen zu können, damit Mobbing erst gar nicht entstehen kann.

Aber auch methodische Fertigkeiten im Umgang mit Umfrageergebnissen sollen in diesem Baustein vermittelt werden.

Wichtig: Ob Sie die Daten komplett von den Schülerinnen und Schülern auswerten lassen können, muss im Vorfeld abgeklärt werden!

Angesichts des sensiblen Themas sollten Sie unbedingt erst selbst die Daten sorgfältig prüfen und auswerten, um somit vorab abklären, welche Daten Sie zur Auswertung in die Hand der Schülerinnen und Schüler geben können. Insbesondere, wenn die Ergebnisse auf vorhandene Mobbingfälle hindeuten, die evtl. die eigene Klasse betreffen, sollten Sie darauf verzichten, die kompletten Daten von den Schülerinnen und Schülern selbstständig auswerten zu lassen. Falls die Befragung nämlich ergeben sollte, dass in der Klasse ein Fall von Mobbing vorliegt, muss sehr sensibel darauf reagiert werden. Es gilt alles zu vermeiden, was dem Opfer zusätzlichen Schaden zufügen kann (vgl. Info 05.02). Hinweise, welche Schritte und Maßnahmen in einem solchen Fall ergriffen werden sollten, finden Sie in Baustein 5.

Der Schulhof ist eine wesentliche Kulisse von Mobbing.Der Schulhof ist eine wesentliche Kulisse von Mobbing. (© digitalstock)
Im Hinblick auf die Datenauswertung empfiehlt es sich in solchen Fällen auf eine selbstständige Auswertung der Daten durch die Schülerinnen und Schüler selbst zu verzichten und stattdessen von diesen nur ausgewählte, wenig brisante Auswertungen zu analysieren, die Sie selbst mit Hilfe der Software aus den erhobenen Daten extra für diese Auswertung angefertigt haben.

Eine gute Vorabanalyse der Daten hilft unliebsamen Überraschungen vorzubeugen, also Situationen bei der Datenauswertung zu vermeiden, in denen man mit brisanten Ergebnissen konfrontiert wird und dann ohne Vorbereitung in der Klasse spontan reagieren muss. Eine gründliche Vorbereitung der Datenauswertung ermöglicht Ihnen folglich heikle Situationen - im schlimmsten Falle gar eine Eskalation – zur vermeiden und sichert darüber hinaus nicht zuletzt auch eine reibungslose Datenauswertung durch die Schülerinnen und Schüler.

Was geben Fragebogen und Daten überhaupt her? – Analyse des Fragebogens



Screenshot des Online-Fragebogens.Screenshot des Online-Fragebogens. (© GrafStat)
Zu Beginn dieses Auswertungsbausteins steht die Analyse des Fragebogens, der in Baustein 1 ohne genauere Besprechung zum Einsatz gekommen ist, um die Schülerinnen und Schüler in Ihrem Antwortverhalten nicht zu beeinflussen.

Unter der Fragestellung "Welche Aspekte werden im Fragebogen abgefragt? Welche Fragen beziehen sich auf das Thema Mobbing? Was wollen wir in der nun anstehenden Auswertung überprüfen?" soll dies gemeinsam analysiert werden.

Die Schülerinnen und Schüler lesen sich den Fragebogen gründlich durch und erarbeiten in Still- oder Partnerarbeit Kategorien zu den einzelnen Fragblöcken sowie Aspekte für die anstehende Datenauswertung heraus und halten diese schriftlich fest.

Die Ergebnisse der Fragebogenanalyse werden anschließend im Unterrichtsgespräch zusammengetragen und entweder auf Kärtchen, an der Tafel oder in anderer Form festgehalten. Die Schülerinnen und Schüler können ihre eigenen Ergebnisse gegebenenfalls noch um neue Aspekte ergänzen.

Es empfiehlt sich dabei, auf die Kategorien, nach denen der Musterfragebogen strukturiert wurde, einzugehen und die Fragen(blöcke) des Fragbogens nach diesen Kategorien zu sortieren.

Körperliche Gewaltausübung ist nur ein Aspekt von Mobbing.Körperliche Gewaltausübung ist nur ein Aspekt von Mobbing. (© digitalstock)
Kategorien:
  1. Abfrage der Beobachtung von Aktionen körperlicher, verbaler und nonverbaler Gewalt in der Schule oder Klasse,
  2. Eigenes Verhalten in Mobbingsituationen,
  3. Verhalten der Lehrpersonen.
Bei der Erstellung des Fragebogens wurde darauf geachtet, dass im ersten Teil des Fragebogens, das Thema Mobbing noch nicht direkt angesprochen wird, um eine Beeinflussung der Schülerinnen und Schüler in ihrem Antwortverhalten zu vermeiden. In diesem Teil wird ein Vorhandensein von Mobbing nur indirekt über Indikatorfragen erfragt. Über die Fragen nach körperlicher (Frage 4), verbaler (Frage 7) und nonverbaler Gewalt (Frage 10) in Verbindung mit den Fragen nach Häufigkeit und Dauer ihres Vorkommens, kann das Vorhandensein von Mobbing indirekt überprüft werden.

Was genau wollen wir herausfinden? – Hypothesen bilden



Im Anschluss an den Abgleich von Fragebogen und Kärtchenabfrage sowie die Sortierung der Aspekte nach Kategorien gilt es nun, auf Grundlage der Fragen im Fragebogen konkrete Untersuchungsfragen (= Hypothesen) zu entwickeln, die später mithilfe des Datenmaterials überprüft werden sollen. Vorab kann zur Unterstützung der Text "Was ist eine Hypothese?" (M 04.02) eingesetzt werden, um eine Definition und vor allem die Funktion von Hypothesen in der empirischen Sozialforschung zu erarbeiten.

Die Entwicklung der eigenen Hypothesen bzw. Untersuchungsfragen für die Datenauswertung kann zunächst mit ein oder zwei Beispielen im Unterrichtsgespräch erfolgen und sollte dann in Einzel- oder Partnerarbeit fortgesetzt werden. Nicht nur für schwächere Schülerinnen und Schüler ist es hilfreich und sinnvoll, zuerst im Klassenverbund exemplarisch ein oder zwei Beispielhypothesen formulieren zu lassen und schriftlich zu fixieren – z.B. "Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler wurde schon einmal körperlich angegriffen.." (Frage 4) oder "Mädchen geben im Vergleich zu Jungen häufiger an, dass sie auch nonverbal angegriffen wurden." (Fragen 1 und 10) –, damit die Schülerinnen und Schüler für die Einzelarbeit/Gruppenarbeit, in der sie selbst drei bis fünf eigene Hypothesen entwickeln sollen, eine Vorlage haben, an der sie sich orientieren können.

Schülerinnen und Schüler arbeiten an Computern. Eine Einteilung der SuS in Kategorie-orientierten Gruppen vermeidet häufige Dopplungen. (© Sebastian Stolte)
Um eine große Zahl von Dopplungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Klasse in Gruppen aufzuteilen, die sich jeweils um einen konkreten Fragenblock (ca. 5 Fragen) im Fragebogen kümmern, zu dem sie Untersuchungsfragen bzw. Hypothesen bilden. Kombinationen mit anderen Fragen im Fragebogen sind natürlich erlaubt. Es bietet sich an, wenn möglich, die Gruppeneinteilung auch an den Kategorien (s.o.) zu orientieren. Wichtig ist dabei, dass die Gruppen jeweils etwa die gleiche Anzahl an Fragen als Grundlage zur Verfügung hat. So kann eine Gruppe beispielsweise auch zwei Kategorien, dann aber mit kleineren Frageblöcken übernehmen.

Die selbst entwickelten Hypothesen sollen die Schülerinnen und Schüler schriftlich auf einem Arbeitsblatt (M 04.03) festhalten, das später in der Auswertungsphase eine zielgerichtete Auswertung ermöglichen wird. Alternativ oder zusätzlich können die Hypothesen auch auf Kärtchen festgehalten werden, was praktikabler für eine spätere Sortierung und Gewichtung der Kategorien ist.

Im Anschluss an die Einzelarbeit/Partnerarbeit stellen die Schülerinnen und Schüler in einer kurzen Sicherungsphase ihre Hypothesen vor. Die Hypothesen können anschließend noch diskutiert und gemeinsam nach thematischen Gruppen sortiert und ihrer Wichtigkeit nach angeordnet werden, was in der eigentlichen Auswertungsphase wiederum zum Tragen kommt.

Und wie überprüft man das? – Datenauswertung vorbereiten



Im folgenden Schritt geht es nun darum zu klären, wie man die entwickelten Hypothesen mithilfe des Datenmaterials überprüfen kann. Hier geht es – wie bei der Übung zur Hypothesenbildung schon deutlich geworden ist – sowohl um einfache Häufigkeitsaussagen als auch um komplexere Forschungsfragen, z.B. hinsichtlich Abhängigkeiten bzw. Zusammenhängen von Auswertungsmerkmalen. Für die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die eigene Arbeit mit den Daten, wird zunächst eingeführt und eingeübt, wie man Statistiken liest und auswertet.


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