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16.10.2015

Ich sage auch Abgeordneten meine Meinung! Wie kann der Dialog mit Politikern gelingen?

Was beide Seiten brauchen: Mut und Respekt

Wie kann der Dialog zwischen Menschen mit Behinderung und Politikerinnen und Politikern besser gelingen? Diese Frage stellten sich die Teilnehmenden der Denkwerkstatt Nummer 4. Nachdem viele der Teilnehmenden am Vortag bereits Bundestagsabgeordnete, das Berliner Abgeordnetenhaus oder den Bundesrat besucht hatten, wurden in dieser Runde nun eigene Erfahrungen geteilt, Ideen gesammelt und Empfehlungen erarbeitet.

Denkwerkstatt 4: Ich sage auch Abgeordneten meine Meinung! Wie kann der Dialog mit Politikern gelingen?Denkwerkstatt 4: Ich sage auch Abgeordneten meine Meinung! Wie kann der Dialog mit Politikern gelingen? (© Swen Rudolph/bpb)

Zunächst stellten Saskia Nauck, Referentin der bpb, sowie Dr. Christoph Dönges von der Universität Koblenz Landau ihre Erfahrungen mit dem Projekt "Politik einfach verstehen" vor. Es hatte zur Bundestagswahl 2013 stattgefunden und wollte erste Antworten auf die Frage liefern, wie ein Gespräch zwischen der Politik und Menschen mit Behinderung gelingen kann, um diese bei der Information und Meinungsbildung für eine anstehende Wahl zu unterstützen.

"Politik einfach verstehen"

Das Projekt verlief wie folgt: In Vorbereitungskursen wurden sowohl Politiker und Politikerinnen als auch Menschen mit Behinderung auf eine gemeinsame Diskussion vorbereitet. Es zeigte sich, dass bei den teilnehmenden Menschen mit Behinderung ein großes Interesse an Politik bestand, sie allerdings mehr Zeit und teilweise auch Hilfe benötigten, um an der Diskussion teilzunehmen. Seitens der Politik musste man wiederum erst lernen, die leichte Sprache zu benutzen und sie auch durchzuhalten. Laut Dr. Christoph Dönges ist die Anwendung leichter Sprache in einer "Vorbildfunktion" sehr wichtig, damit diese auch konsequent benutzt wird.

Diskussionen in Denkwerkstatt 4.Diskussionen in Denkwerkstatt 4. (© Swen Rudolph/bpb)
Es wurde ebenfalls berichtet, dass der Dialog zwischen Menschen mit Behinderung und mit einzelnen Politikern oder Politikerinnen fruchtbarer sei als mit einer Gruppe. Politikerinnen und Politiker würden schnell wieder in die schwere Sprache zurückfallen – sozusagen in einen Dialog "unter ihresgleichen".
Teilnehmende der Denkwerkstatt berichteten von Erfahrungen mit einem erfolgreichen Politiker-Speed-Dating. Auch dabei habe der Eins-zu-Eins Dialog es besonders gut ermöglicht, sich aufeinander einzustellen. Die Anwesenden waren sich einig, dass neue Formen des miteinander Redens gefunden werden müssten, um sich tatsächlich zu verstehen.

"Halt! Leichte Sprache!"

In einer anschließenden Gruppenarbeit wurden weitere positive als auch negative Erfahrungen aus dem Umgang mit der Politik geteilt und daraufhin Wünsche und Ideen erarbeitet, wie ein Dialog zwischen Politik und Bürgern mit Behinderung gelingen kann.

Als positiv wurde von den Teilnehmenden hervorgehoben, dass sich einige Politikerinnen und Politiker um einen umsichtigen Umgang bemühen und sich für Belange von Menschen mit Behinderung Zeit nehmen würden. Der Einsatz einer Karte mit der Aufschrift "Halt! Leichte Sprache!" würde sehr helfen, so wurde gelobt, die Dialogregeln während Gesprächen gut einzuhalten.
Normalerweise würden Politikerinnen und Politiker in Dialogen aber viel zu schnell sprechen und versteckten sich hinter Fachbegriffen. Kritisiert wurde auch, dass es für die Belange von Menschen mit Behinderung im politischen Alltag oft wenig Unterstützung und Verständnis gebe.

Bei der Formulierung von Ideen zur Verbesserung des Dialoges wurde deutlich, dass Veränderungen vor allem auf der sprachlichen Ebene geschehen müssten, also wie man miteinander spricht: langsames und deutliches Sprechen, Fachbegriffe erklären, mehr Zeit zum Verstehen geben und Pausen machen. Außerdem käme es darauf an, den Blickkontakt zu halten, respektvoll miteinander umzugehen und positiv zu denken.
Und zu guter Letzt sei es natürlich wichtig, dass überhaupt intensivere und regelmäßigere Dialogen geführt würden, um einander verstehen und Berührungsängste abbauen zu können.

Mut – Respekt – Kontakt

Am Ende filterte die Gruppe drei Schlagworte für einen gelingenden Dialog zwischen Politikern und Politikerinnen und Menschen mit Behinderung heraus: Mut, Respekt und Kontakt.

Mut: Man muss seine eigene Sache in die Hand nehmen und seine Interessen selbstbewusst vertreten. Jemand anders wird es nicht unbedingt tun.

Respekt: Beide Seiten müssen respektvoll aufeinander zugehen und sich um Kontakt und Verständnis bemühen, also auch die leichte Sprache sprechen lernen.

Kontakt: Bestehende Möglichkeiten des Kontaktes nutzen, aber auch neue Formate suchen. Politische Bildung in Schule und Kita nicht nur lehren, sondern auch leben – von Anfang an.

Von Nora Herrmann


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